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Die mimetische Erfahrung des Selbst als Ungekanntem. Überlegungen zum Autotune-Effekt als Phänomen der expressiven Kultur der Popmusik in den Nullerjahren

Chapter
Part of the Kulturelle Figurationen: Artefakte, Praktiken, Fiktionen book series (KFAPF)

Zusammenfassung

Mit dem Dance-Popsong Believe ereignete sich 1998 nicht nur ein erstaunliches Comeback der Popsängerin Cher. Auch das Neue, dessen Erscheinen die Geschichte der ‚expressiven Kultur‘ der Popmusik bestimmt, hatte einen neuen Platz gefunden: Nach dem herausfordernden Schmelz in den Stimmen des frühen Rock’n’Roll (Elvis) und der Ekstase der Stimmen im Soul (Aretha Franklin, James Brown), nach dem Sound der E-Gitarre, Rückkopplungen und Verzerrungen, dem Sound brüllender junger Menschen (Rock, Punk, Metal) und des Sprechgesangs des Rap, der gleitenden (Disco) oder forcierten (Techno) Emergenz magischer Klangräume auf dem Dancefloor, nach der Isolierung des Breaks und dessen Ausdehnung zu einer Situation im Loop des HipHop etc. war es wieder einmal am Platz der Stimme aufgetreten. Deren ohnehin faszinierende ‚Körnung‘ im Grenzbereich von Leib und Sprache war nun digital potenziert in ein zugleich abruptes und subtiles Sich-Überschlagen in digitale Glätte. Die hörbare Digitalität des Klangs verriet, was sich als Wissen schnell verbreitete: Erzeugt wurde der eindringliche Stimmklang durch Software, und zwar durch extreme Einstellungen an einer eigentlich zur Tonhöhenkorrektur an der aufgenommenen Singstimme entwickelten Musikproduktionssoftware, die dem Phänomen ihren Namen gab: ‚Autotune‘ respektive ‚Autotune-Effekt‘.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität InnsbruckInnsbruckÖsterreich

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