Selbstvorwürfe, Selbstquälerei, Bußfertigkeit und Askese. — Flagellation. — Neurosen bei Kindern. — Selbstmord und Selbstmordideen

  • Alfred Adler

Zusammenfassung

Unter den Formen des neurotischen Gebarens zwecks Sicherung der Überlegenheitsfiktion treten in auffälliger Stärke die Regungen der Selbstverwünschung, der Selbstvorwürfe, der Selbstquälerei und des Selbstmordes hervor. Unser Befremden darüber wird freilich abgeschwächt, sobald wir sehen, daß das ganze Arrangement der Neurose diesem Zug der Selbstquälerei folgt, daß die Neurose ein selbstquälerischer Kunstgriff ist, der bezweckt, das Persönlichkeitsgefühl zu heben und die nähere Umgebung zu drücken. Und in der Tat stammen die ersten Regungen des gegen die eigene Person gerichteten Aggressionstriebes1) beim Kinde aus einer Situation, in der das Kind durch Krankheit, Tod, Schande und allerlei konstruierte Mängel den Eltern Schmerz bereiten oder sich besser in Erinnerung bringen will. Dieser Zug charakterisiert schon das disponierte Kind, welches aus den Erinnerungen seiner Organminderwertigkeitserscheinungen und aus deren Bedeutung für die Hebung seines Persönlichkeitsgefühls, für die Steigerung der elterlichen Zärtlichkeit und des Interesses Bereitschaften gebildet hat. Die entwickelte Neurose baut letztere aus und leitet ihre Aktivierung durch die Verstärkung der Fiktion ein, sobald es die wachsende Unsicherheit gebietet. Es ist bekannt, wie starke Aggravationen dabei mitspielen, der halluzinatorische Charakter, die antizipatorische Kraft, die Einfühlung des Nervösen hilft mit, und die Situation des Anfalls und der Gesundheitsstörung mit ihrem Übergewicht über die Umgebung ist gegeben.

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Copyright information

© J.F. Bergmann in München 1928

Authors and Affiliations

  • Alfred Adler
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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