Über die Rekristallisation bei kalt gerecktem Zinn

  • Georg Masing

Zusammenfassung

Es ist eine altbekannte Tatsache, daß die Metalle bei der Verarbeitung in kaltem Zustande Eigenschaften annehmen, die sich von jenen eines aus der Schmelze erstarrten Metalles wesentlich unterscheiden. Durch die Kaltverarbeitung werden die Metalle härter, ihre Elastizitätsgrenze steigt, zuweilen sehr beträchtlich, und auch ihre übrigen technischen Eigenschaften werden weitgehend beeinflußt. Die Dichte der Metalle nimmt bei Verarbeitung etwas ab, ebenso ihre elektrische Leitfähigkeit. Auch ist es allgemein bekannt, daß dieser „harte“ Zustand der Metalle, wie man ihn wohl oft zu bezeichnen pflegt, bis zu einem gewissen Grade unbeständig ist und leicht teilweise oder ganz beseitigt werden kann. Hierzu genügt es, ein Metall kürzere oder längere Zeit auf eine bestimmte, für das Metall charakteristische Temperatur zu erhitzen. Die bei der Erhitzung eines harten Metalles eintretenden Vorgänge, die in einer Erweichung des Metalles, in dem allmählichen Herabsinken der durch die Verarbeitung erhöhten technischen Eigenschaftswerte bis nahe an die des geschmolzenen Metalles, wie auch in einer Vergrößerung der Dichte und der Leitfähigkeit bestehen, werden allgemein als Rekristallisationserscheinungen bezeichnet wegen der sie begleitenden charakteristischen Änderung der Struktur der Metalle, die mit fortschreitender Rekristallisation zu Gebilden eines charakteristischen und schön ausgebildeten Kristallgefüges führt. Bei einigen Metallen ist zur Einleitung der Rekristallisation eine Erhitzung überhaupt nicht notwendig. Für diese Metalle, die sich durch einen verhältnismäßig tiefen Schmelzpunkt auszeichnen, kann bereits die gewöhnliche Temperatur als eine verhältnismäßig „hohe“ betrachtet werden, so daß die Beweglichkeit der Metallteilchen auch bei gewöhnlicher Temperatur für die Rekristallisation ausreicht.

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© Julius Springer in Berlin 1921

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  • Georg Masing

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