Größe und Gewicht des Herzens unter normalen und pathologischen Verhältnissen

  • Edgar Goldschmid
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664, volume 7/1)

Zusammenfassung

Größe und Gewicht des Herzens sind beim gesunden Menschen ziemlich konstant, d. h. es beträgt nach allgemeiner Annahme sein Gewicht beim Erwachsenen rund 300 g, und seine Größe entspricht der Faust der Leiche1). Aus dieser Anschauung geht ohne weiteres hervor, daß ein großer, muskelkräftiger Mann ein größeres und schwereres Herz haben muß als die zarter gebaute und weniger muskelkräftige Frau. So oberflächlich diese Angaben erscheinen, so muß sofort darauf verwiesen werden, daß die anscheinend so genauen Wägungen und Messungen mancher Autoren wissenschaftliche Zuverlässigkeit nur vortäuschen. Denn es ist leicht zu sehen, daß die oft nur wenige Gramm betragenden Unterschiede, die gelegentlich nachgewiesen werden, weniger auf Rechnung des Herzens selbst zu setzen sind, als auf das Überwiegen zufälliger Bestandteile, wie sie durch Fettgewebe und anhängende Gefäßwand dargestellt werden (Unterschied zwischen Brutto- und Nettogewicht). Nun besitzen wir eine sichere Methode zur Ermittlung des wirklichen Herzgewichtes, die von Wilhelm Müller 2) im Jahre 1883 angegeben wurde. Das Verfahren hat aber den Nachteil der Umständlichkeit und Schwierigkeit. Die Angaben über Herzgröße und -gewicht, mit denen der Untersucher praktisch immer zu tun hat, stellen nur Annäherungswerte dar, d. h. sie sind nur in den allerseltensten Fällen nach dem MüLLRrschen Verfahren gewonnen, sondern sie sind meist dadurch erhalten, daß bei der Sektion etwa das uneröffnete Herz in situ, und vielleicht noch einmal eröffnet, auf horizontaler Unterlage gemessen wurde. Das Gewicht wird im allgemeinen so gewonnen, daß das eröffnete Herz von Blutgerinnsel befreit, 1–2 Finger breit über den Aortenklappen von Aorta und Lungenarterien abgeschnitten wird. Wenn das bei diesem groben Verfahren erhaltene Weniger oder Mehr bei schweren Herzen nicht viel bedeutet, so müssen natürlich bei Kindern und Säuglingen Differenzen von wenigen Gramm bei eventueller Verrechnung beträchtliche Ungenauigkeit erzeugen. Die in zahlreichen Einzel Untersuchungen niedergelegten Erfahrungen über die Herzmaße geben daher für das gesunde Herz recht verschiedene Zahlen, so daß genaue, ein für allemal gültige Zahlen als Norm nicht anzugeben sind.

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Zusammenfassende Darstellungen

Grundlagen

  1. Müller, Wilhelm: Die Massen Verhältnisse des menschlichen Herzens Hamburg u. Leipzig 1883.Google Scholar
  2. Wideröe, Sofus: Die Massenverhältnisse des Herzens unter pathologischen Zuständen. Christiania 1911.Google Scholar
  3. Vierordt, Hermann: Anatomische, physiologische und physikalische Tabellen. Jena 1906. (Literatur.)Google Scholar

Übersichten und Literatur

  1. Mönckeberg, Joh. G.: „Herz“ im Handb. d. spez. pathol. Anatomie u. Histologie Bd. II Berlin 1924. (Literatur.)Google Scholar
  2. Thorel, Ch.: Pathologie der Kreislauforgane des Menschen. (Lubarsch-Ostertag: Ergebn. d. allg. Pathol. u. pathol. Anat. XVII. Jg. II.) Wiesbaden 1915. (Literatur.)Google Scholar
  3. Kaufmann, Ed.: Lehrb. d. spez. pathol. Anatomie. Berlin u. Leipzig 1922.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1926

Authors and Affiliations

  • Edgar Goldschmid
    • 1
  1. 1.Frankfurt a. M.Deutschland

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