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Zur Sozialtherapie der Neurosen

  • Karl Birnbaum

Zusammenfassung

Eine soziologisch gerichtete Neurosenbetrachtung läßt selbstverständlich die Neurosenbehandlung nicht unberührt; die Anerkennung der sozialen Verflechtung neurotischer Störungen verlangt auch deren Berücksichtigung bei den Heilmaßnahmen. Eine Art „sozialer“ Therapie wird nahegelegt, für die zunächst einmal dreierlei wesentlich erscheint: Sie hat sich speziell mit den Fällen zu befassen, die als Sozialneurosen sich aus den Besonderheiten der Gemeinschaft und ihrer sozialen Lebensbedingungen ergeben; sie hat speziell solche Behandlungsweisen heranzuziehen, die in der Richtung einer sozialpsychischen Einflußnahme liegen, und sie hat sich speziell solche therapeutische Ziele zu setzen, die auf soziale Förderung des Neurotikers, insbesondere also auf seine soziale Brauchbarmachung, seine Angleichung an die sozialen Aufgaben und Forderungen, seine Wiedereingliederung in den sozialen Volkskörper hinauslaufen. Dieser Sozialtherapie der Neurosen steht im übrigen eine ähnlich geartete und gerichtete Sozialprophylaxe nahe, die mit psycho-und sonstigen hygienischen Maßnahmen die neurosebegünstigenden sozialen Einflüsse abzudämmen, den neurotischen Tendenzen und Bereitschaften vorzubeugen und die Neurose als kollektive und soziale Störung vom gesamten Volkskörper fernzuhalten hat. Nun gilt im großen ganzen was gegenüber den neurotisch Betroffenen angebracht ist, auch gegenüber den neurotisch Gefährdeten und Disponierten, und so fließen Sozialtherapie und Sozialprophylaxe der Neurosen von weitergreifenden Gesichtspunkten betrachtet, mehr oder weniger zusammen, bzw. finden im Rahmen sozialer Maßnahmen ohne scharfe Trennung gemeinschaftliche Verwendung.

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Notes

  1. 1.
    Dazu vor allem neuerdings v. Weizsäcker: Soziale Krankheit und soziale Gesundung. Berlin: Julius Springer 1931.Google Scholar
  2. 1.
    Eliasberg: Das Milieu und die soziale Therapie. Z. Neur. 137.Google Scholar
  3. 2.
    v. Weizsäcker: Soziale Krankheit usw. (s. S. 82). Über Rechtsneurosen. Nerrenarzt 2 und anderwärts.Google Scholar
  4. 1.
    Unger: Ein Versuch sozialer klinischer Psychotherapie usw. (s. S. 38).Google Scholar
  5. 1.
    Praktisches Vorgehen und theoretische Richtlinien im einzelnen speziell bei Wronsky und Kronfeld in der obengenannten Schrift; außerdem soziale Einzelkasuistiken von Wronsky: Dtsch. Z. Wohlfahrtspfl.Google Scholar
  6. 2.
    Reiner: Bericht über die bisherigen Ergebnisse usw. a. a. O.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1933

Authors and Affiliations

  • Karl Birnbaum
    • 1
    • 2
  1. 1.Universität BerlinDeutschland
  2. 2.Berliner Städtischen Heilanstalt BuchDeutschland

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