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Die Vertretung der Kirchengeschichte in Würzburg bis zum Jahre 1879

  • Sebastian Merkle

Zusammenfassung

Von der heutigen Ausstattung jeder theologischen Fakultät ausgehend, hält der Fernerstehende es für selbstverständlich, dass die Professur für Kirchengeschichte so alt sei wie die Universität überhaupt. Wer aber weiss, dass vor allem die theologische Fakultät unserer Hochschule sofort bei der Gründung den Jesuiten übergeben wurde, deren Lehrplan die Geschichte vom theologischen Unterricht grundsätzlich ausschloss, erkennt diese Meinung als Irrtum. In einseitiger Schätzung der hergebrachten aristotelisch-scholastischen Methode, in deren Zeichen man so lange gesiegt zu haben glaubte, übersah der sonst so kluge Orden, dass die Zeit und ihre Bedürfnisse andere geworden waren, dass darum auch die Theologie anderer Waffen bedurfte. In dem Entwurf der Studienordnung der Gesellschaft Jesu vom Jahre 1586 war vom Studium der Geschichte an den Hochschulen gar keine Rede. Vergeblich erhoben sowohl die rheinische wie die oberdeutsche Ordensprovinz hiegegen Vorstellungen und betonten den Wert der Geschichte. Der deutsche Jesuit Petrus Canisius hatte schon im Jahre 1560, nachdem die Magdeburger Centurien gegen die alte Kirche mit schwerstem Geschütz aufgefahren waren, dessen Wirkungen schmerzlich genug empfunden wurden, auf die Notwendigkeit einer nach der neuen Methode abgefassten Papstgeschichte hingewiesen. Aber die Gegenschriften gegen die Centuriatoren waren — bis auf Baronius — ungenügend, und davon, dass zur Abwehr dieser neuen Feinde auf eine historische Schulung der künftigen Verteidiger der Kirche bedacht zu nehmen sei, wollte man erst recht nichts wissen. So blieb denn die endgültige Fassung der Ratio studiorum vom Jahre 1599 auf dem Standpunkte des Entwurfs von 1586 stehen. „In der Studienordnung der höheren Fakultäten kommt das Wort Geschichte überhaupt nicht vor“1 Und diese Ordnung blieb bis zur Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 in Kraft. Jede Veränderung wurde von den Ordensmitgliedern als Eingriff in die Privilegien des Ordens bekämpft und zurückgewiesen 2. Gerade weil die Ketzer sich auf die Geschichte verlegten, so meinten noch im Jahre 1712 die Prager Jesuiten, müssen die Katholiken auf „den theologischen Subtilitäten und Beweisführungen beharren“ und dürfen nicht „den Degen aus der Hand geben“. Überhaupt sind sie sehr verwundert, „wie das Studium an ihren beiden Fakultäten in den Verdacht habe kommen können, dass sein Zustand neue Einrichtungen nötig mache“; seit 158 Jahren habe die Gesellschaft an derselben Unterrichtsmethode unveränderlich festgehalten, und die Zahl der Studierenden wie der Promotionen habe zugenommen 2a.

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Anmerkungen

  1. 76.
    S. den Bericht des anwesenden Bischofs Don Pedro Gonzalez de Mendoza von Salamanca, Concilium Tridentinum ed. Societas Goerresiana II (1911) S. 666, 18 ss. Die offiziellen Protokolle, ebd. IX (1924) S. 194, 27 ss. verschweigen, dass der Legat sich diese Blösse gab, und lassen nur die genannten Bischöfe jenen Vorwurf erheben, ebenso der juristische Beirat der Präsidentschaft, der nachmalige Kardinal Gabriel Paleotti, ebd. III, 1 (1931) S. 483 s.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1932

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  • Sebastian Merkle

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