Advertisement

Positive Kritik der lohnbetonten Entwicklungstheorie

  • F. H. Curschmann

Zusammenfassung

Der Gedanke an die Rückkehr der direkten Bedarfsdeckungswirtschaft kann heute nicht mehr aufkommen. Jedoch wäre vielleicht an Stelle der planlosen kapitalistischen Verkehrswirtschaft eine planvoll von einer Zentralstelle her die Produktion regelnde Wirtschaft denkbar, in der also die Verfügung über die Produktivkräfte und die Bestimmung der Produktionseinrichtung nicht mehr in Händen vieler Einzelwirtschafter läge. Nun wissen wir, daß auch die angebliche Planlosigkeit unserer heutigen Produktion sich doch nicht als solche bezeichnen läßt, da eine regelnde Macht auch hier herrscht und es fragt sich nur, ob und wie diese Macht anders regelnd eingreift, als die ordnende Gewalt einer Zentralstelle in der Planwirtschaft.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Notes

  1. 1.
    Naphtali: Wirtschaftsdemokratie.Google Scholar
  2. 1.
    Ein solches theoretisch funktionierendes System würde jedoch in der Praxis stets scheitern.Google Scholar
  3. 1.
    Rodbertus: Das Kapital, S. 495.Google Scholar
  4. 1.
    Rodbertus: Das Kapital, S. 144.Google Scholar
  5. 1.
    Rodbertus: Das Kapital, S. 142.Google Scholar
  6. 2.
    Rodbertus: Das Kapital, S. 87. Rotthammer u. Mühlbrecht 1913.Google Scholar
  7. 1.
    Ob dieser zu befriedigende Bedarf nun ein vernünftiger Bedarf sei, das zu entscheiden wäre auch nicht Sache der planwirtschaftlichen Zentrale. Sie hätte auch jeden kaufkräftigen Bedarf anzuerkennen. Dies vergiß Lederer und mit ihm Tarnow u. a, wenn sie die Möglichkeit von Lohnerhöhungen deshalb für gegeben erachten, weil ja Produktivkräfte zur Befriedigung ganz unwichtiger Bedürfnisse, z. B. des kollektiven Schutzbedürfnisses, wie es sich auswirkt in dem Bau eines Panzerkreuzers, verwendet würden, obwohl man sie zur Förderung des Wirtschaftsfortschrittes zweckmäßiger verwenden könnte. — Eine exakte sozialökonomische Theorie ist nur solange denkbar, als sie sich von ähnlichen Werturteilen freihält, was allerdings, wie wir zugeben müssen, auch den praktischen Wert einer derartigen Theorie einengt.Google Scholar
  8. 1.
    Der Bedarf ist hier keiner planmäßigen Regelung unterworfen.Google Scholar
  9. 2.
    Ob tatsächlich eine Zinspreisbildung in der sozialistischen Planwirtschaft, in der ja die Voraussetzung dafür, ein Markt für Kapitaldisposition, fehlt, möglich ist, ist für den Zweck unserer Untersuchung irrelevant. Eine Stellungnahme dazu würde also über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen.Google Scholar
  10. 3.
    Unsere Auffassung deckt sich in dieser Beziehung mit derjenigen Massars, der ja den Fall der Lohnerhöhung auf Kosten des Konsums der Besitzenden deshalb für unerheblich hält, weil die hier in Frage kommende Konsummenge relativ unbedeutend sei.Google Scholar
  11. 1.
    Herkner: Handb. d. Stw. 1892.Google Scholar
  12. 1.
    An dieser Stelle darf vielleicht auch wiederholt werden, was die vorstehenden Erörterungen schon zum Inhalt haben, daß die Kaufkraftmenge, die insgesamt zur Verfügung steht, nicht eine Grenze bietet für die Produktionsmöglichkeit, vielmehr gerade durch diese bestimmt ist.Google Scholar
  13. 2.
    Tarnow: Warum arm sein? S. 42.Google Scholar
  14. 1.
    Weber, A.: Theoretische Volkswirtschaftslehre, S. 246.Google Scholar
  15. 1.
    Siehe v. Zwiedinecks Ausführungen in Erg.-Heft 1 der Vjh. Konjunktur-forschg 1927, 2. Jg.Google Scholar
  16. 1.
    Halm: Das Zinsproblem am Kapital-und Geldmarkt. Arch. f. Sozialwissenschaft u. Statistik II, 1926.Google Scholar
  17. 1.
    Massar: S. 27.Google Scholar
  18. 2.
    Hier wäre auch an die Frage zu denken, inwieweit verschiedene Berufe, verschiedene soziale Schichtung zu verschiedener Beurteilung dessen, was als Bedarfsoder als Luxusgut anzusehen ist, berechtigen. Auf S. 98 sprechen wir von der labilen Grenze zwischen Luxus-und Bedarfsgütern der Arbeiter, um damit der Tatsache Ausdruck zu geben, daß die Frage, ob die Befriedigung gewisser Bedürfnisse als Luxus anzusehen ist, von ein und demselben Menschen unter verschiedenen gegebenen Umständen verschieden beantwortet werden wird. Daß eine junge Arbeiterin seidene Strümpfe trägt, hätte man vor 20 Jahren wohl als Luxus bezeichnet, heute dürfte anders entschieden werden. Der Begriff Luxus ist auf einzelne Bedürfnisse angewandt etwas sehr Wandelbares, und wir wollen auch hier nicht den Versuch machen, eine Definition zu geben. Es ist jedoch nötig, das, was im Massar sehen Sinne im Rahmen seiner Argumentation als Luxus bezeichnet wird, näher zu umgrenzen. Massar will wohl ebensowenig wie wir ein Werturteil über Bedürfnisse fällen, wenn er sagt, der Luxuskonsum der Besitzenden müsse bei Lohnerhöhungen dem Bedarfskonsum der Arbeiter weichen, und darin liege ein Fortschritt. Er spricht ja von volkswirtschaftlichen Fortschritten und will sagen, daß die durchschnittliche Produktivität der Gesamtproduktion der Volkswirtschaft — also Gesamtertrag gemessen an der Summe der Arbeitsleistungen — steigen müsse, wenn die Luxusgutproduktion eingeschränkt werde, da in dieser einmal nur eine geringe Mechanisierung möglich sei als in anderen Produktionen und hier stete Umstellungen, z. B. auf Grund eines Modeumschlages, häufiger einen Wechsel des Produktionsapparates, ein Außerbetriebsetzen gewisser Produktionsmittel, eine Umstellung in den Betrieben, notwendig seien. (Wir wollen hier die Frage, ob man wirklich immer von einem Fortschritt der Gesamtwirtschaftsentwicklung sprechen kann, wenn nur der Ertrag der Einzelleistung mengenmäßig gestiegen ist, also von der Art der mehrbefriedigten Bedürfnisse abgesehen wird, außer acht lassen.) Damit hat Massar selbst schon eine Grenze für den in seiner Arbeit in Frage kommenden Begriff des Luxus gezogen, diejenige Produktion gilt hier als Luxusproduktion, die erstens viel Handarbeit, ein starkes Überwiegen der Quote derselben in der Kombination Arbeit und Kapital erfordert, und die zweitens eine nur relativ kurze Ausnutzungsdauer des Produktionsapparates und häufige Umstellungen desselben mit sich bringt. Indem Massar nun annimmt, daß diese Produktionen ihren Absatz nicht in Arbeiterkreisen fänden, zieht er eine zweite Grenze für seinen Luxusbegriff. Gewiß kann man im Massar sehen Sinne bei solch enger Begrenzung des Begriffes Luxusproduktion davon sprechen, daß, wenn Lohnerhöhungen mit einem Rückgang der Luxusproduktion und infolge der Kaufkraftzunahme der Massen mit einer Steigerung der Bedarfsgutproduktion verbunden sind, dies einer Förderung des Wirtschaftsfortschrittes gleichkomme. Aber wir sehen, daß dieser Massar sche Luxus doch so eng begrenzt ist, daß er mengenmäßig im Rahmen der Gesamtproduktion kaum eine Rolle spielt. Und darüber hinaus gilt auch für die Beschränkung desselben als Folge von Gewinnrückgängen alles, was wir bisher gesagt haben.Google Scholar
  19. 1.
    Massar: S. 31.Google Scholar
  20. 1.
    Gewerkschaftszeitung v. 19. Mai 1928.Google Scholar
  21. 1.
    Alle Klagen der Beamtenschaft, wie auch der Angestellten und insbesondere der in Industrie und Handel tätigen Akademiker müssen solange fruchtlos sein, als die Früchte der Rationalisierungsmaßnahmen, der steigenden Produktivität unter dem Druck der gewerkschaftlichen Macht durch Lohnerhöhungen absorbiert werden. Nur dann werden auch die übrigen Einkommenbezieher aus dem Wachsen des Sozialproduktes Nutzen ziehen, wenn es ihren Organisationen gelingt, die Öffentlichkeit und die heute für die Einkommenverteilung — die ja nicht mehr auf dem Wege der freien Marktpreisbildung vor sich geht — in Betracht kommenden Stellen davon zu überzeugen, daß auch sie — den Arbeitern gleichberechtigt — einen Anteil am steigenden Ertrag haben und demgemäß beanspruchen können, einen Teil desselben zur Vergrößerung ihres Einkommens verwendet zu sehen.Google Scholar
  22. 1.
    Tarnow: S. 50.Google Scholar
  23. 2.
    Tarnow: S. 51.Google Scholar
  24. 1.
    Tarnow: Warum arm sein?Google Scholar
  25. 2.
    Weber: Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft vom Ausland.Google Scholar
  26. 1.
    Massar: S. 49.Google Scholar
  27. 2.
    Tarnow: S. 23.Google Scholar
  28. 1.
    Köttgens: Das wirtschaftliche Amerika, S. 12–17. Auch zit. bei Weber.Google Scholar
  29. 2.
    Zit. bei Tänzler.Google Scholar
  30. 1.
    Massar: S. 35.Google Scholar
  31. 1.
    Ohne Reparaturwerkstätten.Google Scholar
  32. 2.
    Ohne Installations-und Reparaturwerkstätten.Google Scholar
  33. 1.
    Erschienen beim Verband der Bergarbeiter Deutschlands 1926.Google Scholar
  34. 1.
    Deutschlands wirtschaftliche Lage an der Jahreswende 1928/29, Reichskreditanstalt.Google Scholar
  35. 1.
    Größenordnungen in „Volk und Wirtschaft“.Google Scholar
  36. 1.
    Nach Kreil: S. 52.Google Scholar
  37. 2.
    Früheres Reichsgebiet.Google Scholar
  38. 3.
    Jetziges Reichsgebiet.Google Scholar
  39. 1.
    Nach Kreil: S. 69.Google Scholar
  40. 2.
    Früheres Reichsgebiet.Google Scholar
  41. 3.
    Jetziges Reichsgebiet.Google Scholar
  42. 4.
    Für Beitragspflichtige in Millionen.Google Scholar
  43. 1.
    Kreil: S. 32.Google Scholar
  44. 2.
    Gewogener Durchschnitt nach Erhebung an den Hauptsitzen der zwölf wichtigsten Gewerbe der Produktions-und Verbrauchsgüterindustrie einschließlich Sozialzulagen für Frau und zwei Kinder.Google Scholar
  45. 1.
    Drei Tabellenbogen sind der Arbeit beigefügt.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1929

Authors and Affiliations

  • F. H. Curschmann
    • 1
  1. 1.WolfenDeutschland

Personalised recommendations