Studium, Prüfung, Fortbildung

  • Hans Moral

Zusammenfassung

Das Studium der Zahnheilkunde zu betreiben, hat nur dann Zweck, wenn der Studiengang durch die Staatsprüfung abge-schlossen und dadurch die „Approbation als Zahnarzt“ erworben werden kann. Unabhängig von der Zulassung zur Prüfung ist die Zulassung zum Studium, wenigstens soweit es sich nicht um Kurse, Übungen und Vorlesungen am Patienten handelt. Die Studie-renden der Zahnheilkunde werden, wenn sie von diesem Gesichts-punkt aus, also mit dem Endzweck der Approbation, an das Studium herangehen, zunächst einmal diejenige Forderung er-füllen müssen, die ihnen den Zutritt zu einem formalundinhalt-lich geregelten Studium ermöglicht. Nur diejenigen Studie-renden, die das Abitur besitzen, kommen hier in Frage, nicht die Hörer. Die Abiturienten der humanistischen Gymnasien und der Realgymnasien haben mit dem Bestehen der Reifeprüfung alle Vorbedingungen erfüllt, was nicht im gleichen Sinne von den Abiturienten der Oberrealschulen gilt. Da für das Verständnis der medizinischen und somit auch der zahnärztlichen Kunst-ausdrücke die lateinische (nämlich soweit es sich um Anatomie und Physiologie handelt) und die griechische Sprache (nämlich soweit es sich um Pathologie und Klinik handelt) notwendig ist, so müssen die Abiturienten der Oberrealschulen sich diese sprach-lichen Kenntnisse noch aneignen, von denen bezüglich des Latei-nischen eine offizielle Prüfung, Latinum genannt, gefordert wird, während es beim Griechischen dem Ermessen des Einzelnen anheim gegeben ist, wieweit er sich sprachlich vorbilden will. Es ist sehr zu bedauern, daß die humanistische Bildung in letzter Zeit so nachgelassen hat, und wenn anstelle dieser Materie Naturwissen-schaften geboten werden, so sind die auf der Schule erworbenen Kenntnisse in diesen Fächern doch meistens so gering, daß sie für die fehlende Vertrautheit mit den klassischen Sprachen kein Äquivalent bieten. Die auf der Schule erworbene Kenntnis in den Naturwissenschaften ist meist eine oberflächliche, der nach meinen Erfahrungen nur selten ein wirkliches Verständnis zugrunde liegt. Damit nun der Studierende möglichst leicht dem anatomisch-physiologischen Unterricht folgen kann, ist es zweckmääig, daß das Latinum möglichst bald nach dem Abitur absolviert wird, allerspätestens aber am Ende des ersten Semesters. Wird diese Prüfung weiter hinausgeschoben, so kann sie auf die zahnärztliche Vorprüfung, die am Ende des 3. Semesters vorgenommen werden soll, lähmend einwirken, weil die Zulassung zu letzterer nur nach bestandenem Latinum möglich ist und die Vorbereitung für beide Prüfungen zum mindesten mit Schaden für die zahnärztliche Vor-prüfung verbunden ist. Daher empfehle ich, wenn irgend möglich, das Latinum noch auf der Schule zu absolvieren (was bei manchen Schulen möglich ist), oder sich von der vorgesetzten Schulbehörde einer Anstalt zuweisen zu lassen, wo möglichst noch vor Beginn der Studien selber diese Prüfung absolviert werden kann.

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© Julius Springer in Berlin 1921

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  • Hans Moral

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