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Zusammenfassung

Man schrieb der Köln. Zeit. (Nr. 351) aus Königsberg, den 15. Dez.: Großes Aufsehen erregt hier ein Beschluß ver Regierung zu Gumbinnen, deren Ghef-Präfident bekanntlich der bei Gelegenheit der Wahlen viel genannte Herr von Bern ist Die Stadtverordneten zu Tilsit hatten nämlich ihren früheren Vorsther, Herrn Apotheker Bernharbi, zum unbesoldeten Stadtrathe gewählt. In der letzten Sitzung vom 9. d. M. wurde die Versammtung davon in Kenntniß gesegt, daß die königliche Regierung zu Gumbinnen die Wahl des Herrn Bernhardi nicht bestätigt habe, da dersetbe durch Unterzeichnung des Aufrufes an die Wähler von Neuern in Opposition mit der königlichen Regierung getreten sei. Die Versammlung beschloß, sich bei dieser Erklärung nicht zu beruhigen, sondern die Entscheidung des Herrn Ober-Präsidenten einzuholen. *)

Notes

  1. Der in Rede stetyende Aufruf war in den Zelungen um die Mitte Oktober erschienen und lautete: In Veranlassung der bevorstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhause fülen wir uns in dieser für das Vaterlanb schweren Zeit gedrungen, ein Wort an unsere Mitbürger zu richten. — Die Verfassungs — Urkunde vom 31. Januar 1850 ist als ein von dem Könige, der Landesvertretung und sämmtlichen Beamten beschwrenes Staats-Grundgesetz feierlichst verkündet worden. Die Zukunft und das Heil unseres Staates, so wie die Stcherheit und Wohlfahrt iedes Einaelnen hängen wesentlich ab von der gewissenhaften Auslegung dieser Berfassungs-Urkunde, von der rückhaltiosen Anerkennung und ebrlichen Ausführung der uns in berselben verbürgten Rechte und von der zeitgemäßen Weiterbilbung unseres öffentlichen Rechtszustandes. — Das Rechtsbewßtsein ist in unserem Volke zu tief begründet und zu allgemein verbreitet, als daß diese unsere Ueberzeugung nicht lauten Anklang finden sollte. Dtese allvorbreitete Ueberzeugung muß sich aber auch bei den Wahlen der Wahlmänner nnd der Abgeordneten in der Stimmengebung der Wahlberechtigten offenbaren. — Wir legen daher allen unsern Mitbürgern dringend ans Herz, mit allen gesetzlichen Mitteln, in Gemeinsachaft mit uns, dahin zu streben und zu wirken, daß nur solche Männer zu Abgeorbneten gewählt werden, welche frei und unabhängig da stehen, für sich nickte erstreben und nichts färchten, das Recht des Ganzen und des Einzelnen achten, die Vorenthaltung des Rechs und das Unrecht, wem gegenüber sie auch geübt werden, derabscheuen, mit einem Worte, welche die lebendige und seste Uebergeugung hegen, von der Gerechtigkeit, Nothwendigkeit und Heilsamkeit der Ausführung der in der Verfassungs — Urkunde gewährleisteten Rechte. — Nur der verdient die Freiheit, der sein Recht auszuüen und zu wahren den ernsten Willen hat. Unterzeichnet war dieser Aufruf von den am 23. Notvember zu Abgeordneten gewählten Herren v. Saucken-Iulienfelde, Häbler, Eberharbt, Quassowski, Brämer, Gamradt u. A.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1859

Authors and Affiliations

  • E. Frensdorff

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