Advertisement

Zusammenfassung

Die Blutgruppenforschung stellt im gegenwärtigen Augenblick die vielseitigste und vielleicht tiefste Anwendung der Immunitätsforschung dar, die weit über die Probleme der individuellen Pathologie hinausragt. Ich habe der Monographie über die Blutgruppen den Titel der Konstitutionsserologie gegeben, um zu betonen, daß dieses Forschungsgebiet nur das erste Beginnen einer neuen, sich erst in der letzten Zeit erschließenden Auffassung der Immunitätsvorgänge ist. Auf den ersten Blick ist der Begriff der Konstitutionsserologie widersprechend, denn gewöhnlich fassen wir den Organismus als ein serologisch unendlich modulations-fähiges Instrument auf: die Mannigfaltigkeit des Weltgeschehens, der Strukturreichtum der Antigene, die in den Organismus ständig eindringen, müßten nach der üblichen Auffassung in der Vielseitigkeit serologischer Reaktionen ihr Gegenbild finden. Das Konstitutionelle1) bedeutet aber das relativ Feste und Unwandelbare. Die Zurückführung des serologischen Geschehens auf konstitutionelle Momente bedeutet die Annahme, daß individuumspezifische serologische Eigenschaften existieren, die vorgebildet und vererbbar sind, und daß auch die immunologischen Antworten des Organismus keineswegs lediglich die Mannigfaltigkeit der einwirkenden äußeren Reize wiedergeben, sondern sich in vorgebildeten Bahnen bewegen. Die Konstitutionsserologie bedeutet demnach eine individuelle serologische Differenzierung innerhalb der Art und konstitutionelle Notwendigkeiten in serologischer Responsivität des Organismus.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1928

Authors and Affiliations

  • Ludwig Hirszfeld
    • 1
  1. 1.WarschauDeutschland

Personalised recommendations