Advertisement

Toxikologische Untersuchungen

  • E. Keeser
  • V. Froboese
  • R. Turnau
  • E. Gross
  • G. Ritter
  • E. Kuss
  • W. Wilke
Part of the Schriften aus dem Gesamtgebiet der Gewerbehygiene book series (SGG, volume 29)

Zusammenfassung

Inhalationsversuche an Brennstoffen und den Abgasen bei Betrieb des Motors mit den verschiedenen Brennstoffen bei Leerlauf und Vollast. Versuchsapparaturen. Gewinnung von Abgaskondensaten in größeren Mengen. Hierdurch mehr als tausendfache Anreicherung der in den Abgasen enthaltenen Substanzen. Inhalations-, Injektions- und Haemolyseversuche mit diesen Kondensaten. Alle untersuchten Benzine wirken grundsätzlich gleichartig. Je leichter flüchtig das Benzin, desto rascher beginnt bzw. verschwindet die toxische Wirkung. Sonderstellung des Benzols.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Auf eine gesonderte toxikologische Untersuchung der Schmieröle wurde verzichtet. Ihre Wirkung sowie die der Betriebsstoffe auf die Haut (beim Füllen des Motortanks z. B.) ist bekannt. Untersuchungen über diesen Punkt liegen nicht mehr im allgemeinen Rahmen unserer Arbeit. Im Laboratoriumsversuch „die Verhältnisse am Motor“ reproduzieren zu wollen, erschien uns aussichtslos. Ein Verdampfen von Ölen mit erhitzter Luft, wie es von Korff-Petersen 1911 (117) bei physiologischen Untersuchungen über die Hygiene des Kraftfahrwesens angewandt wurde, gibt wohl einen Anhaltspunkt, kann aber nicht den realen Verhältnissen einer Schmierölzersetzung im Motorzylinder entsprechen. Wir zogen es deshalb vor, die Reaktionsprodukte der Schmierölverbrennung (sicherlich nur sehr geringe Mengen) summarisch mit den von den Brennstoffen herrührenden Substanzen zur Untersuchung zu bringen.Google Scholar
  2. 1.
    Darauf, daß die Bewertung von Versuchsergebnissen, die unter Einhaltung möglichst quantitativer Versuchsbedingungen erhalten werden, wegen der bei biologischen Phänomenen unvermeidlichen Streuungserscheinungen (individuelle Reaktionsweise, Reproduktionsschwierigkeit) sehr schwierig ist, hat u. a. Loewe 1928 (138) hingewiesen. Er betont, daß die von ihm aufgestellten Begriffe wie Konzentrationsschwelle, Bologramm, Schwellenreiz, Firstwirkungsstärke usw. bei biologischen Versuchen ihren streng mathematischen Sinn als Punkt, Linie oder Fläche verlieren und nur noch die Bedeutung von Streuungskreisen, Streuungsstreifen oder Streuungsräumen behalten können. Diese Schwierigkeiten sind besonders bei der Auswertung späterer tabellarischer Übersichten toxikologischer Versuchsergebnisse zu beachten.Google Scholar
  3. 1.
    Die Versuche mit Bz sind hier nicht gesondert aufgeführt, da sie das gleiche Bild boten.Google Scholar
  4. 1.
    Die Kühler waren so dimensioniert worden, daß die gesamten Abgase des Motors bei Leerlauf auf die betreffenden Temperaturen ausgekühlt werden konnten. Da bei Vollast bedeutend größere Brennstoffmengen verbraucht werden und entsprechend auch sehr viel mehr Abgase als bei Leerlauf entstehen, wurde nur ein Teil (etwa die Hälfte der Abgase) durch das Kühlersystem geleitet, der andere Teil vorher abgezweigt.Google Scholar
  5. 1.
    Um die Gefahr auszuschließen, daß durch auftretende Druckdifferenzen Abgase aus diesen Abzweigen von einer Leitung in eine andere Leitung gelangen könnten, wurde für jedes Gas der einzelnen Abnahmestellen eine besondere unabhängige Abzugsleitung vorgesehen.Google Scholar
  6. 1.
    Da der Kühler J mit flüssigem Stickstoff gekühlt war, so hat der Sauerstoff der Luft, da sein Partialdruck in der Luft erheblich höher als sein Dampfdruck bei der Temperatur des flüssigen Stickstoffes ist, das Bestreben, sich im Kühler J zu verflüssigen, falls unvorsichtigerweise eine Verbindung mit der Außenluft hergestellt wird, ohne daß Abgas durch den Kühler geht. Eine solche Kondensation von flüssigem Sauerstoff zu den im Kühler J zurückgehaltenen Kohlenwasserstoffen aus den Abgasen könnte zu Explosionen führen. Zur Kühlung des Gefäßes J hätte man natürlich auch, wie bei unseren früheren Versuchen im kleinen Maßstab, flüssige Luft benutzen können, was die Gefahr einer Sauerstoffkondensation zwar ausgeschlossen, dagegen die viel größere Unsicherheit mit sich gebracht hätte, daß durch eine Undichtigkeit des metallenen Kühlgefäßes (die bei der starken Beanspruchung des Materiales bei der Abkühlung stets auftreten kann) flüssige Luft zu den Kondensaten gedrungen wäre.Google Scholar
  7. 1.
    Ein Verlust an Kondensat beim Erwärmen auf Zimmertemperatur ist nicht zu befürchten, da sich hier (vgl. die chemischen Untersuchungen) nur Substanzen relativ kleinen Dampfdrucks kondensieren.Google Scholar
  8. 1.
    Die nochmalige Wäsche der Abgaskondensate mit Kalilauge entfernte die letzten Spuren der durch den Waschturm der Kondensatgewinnungsapparatur eventuell mitgerissenen und im Kühler J zurückgehaltenen Kohlensäure aus den Kondensaten.Google Scholar
  9. 1.
    Dieser Befund steht in Übereinstimmung mit dem von Wieland 1922 (232) mitgeteilten, wonach 37% Äthylen die untere Grenze für die Wirkung dieses Gases auf weiße Mäuse darstellt. Wie bei den gesättigten, sind auch bei den ungesättigten Kohlenwasserstoffen die höheren Glieder dieser Reihe pharmakologisch wirksamer als die niedrigen ; so wirkt Isopropylen nach den Untersuchungen von Davidson 1925, 1926 (26, 27) stärker als Azetylen und Äthylen.Google Scholar
  10. 1.
    Über die Bauchhöhle als Resorptionsfläche organischer Substanzen standen uns zahlreiche Erfahrungen zu Gebote (vgl. Rost 1914 (181).Google Scholar
  11. 1.
    Hämorrhagien in den Lungen sind nach Burgl 1906 (16) wegen ihrer Größe und Ausbreitung charakteristisch für Benzinvergiftung und treten hierbei besonders stark auf, da Benzin zum großen Teil, vielleicht sogar ausschließlich, durch die Lungen ausgeschieden wird. Bei längerer Einwirkung von Benzin auf den Organismus werden auch Blutungen im Magen und an der Nierenoberfläche beobachtet, ferner kommt es zu ausgedehnten nekrotisierenden und entzündlichen Prozessen in den Lungen, sowie bei innerlicher Aufnahme zu entzündlichen Erscheinungen des lymphatischen Apparates des Verdauungskanals. Von Seiten des Zentralnervensystems treten bei Inhalation von Benzin auf: Reflexstörungen, sensible Störungen (Paraesthesien), Steigerung der Reflexe, Muskelzittern, klonische Krämpfe, Ataxie, Parese der Hinterbeine, später auch der Vorderbeine, Narkose mit meist rascher Erholung, wenn die Schädigung nur von kurzer Dauer war. Pathologisch-anatomisch finden sich bei der Benzinvergiftung mit der Nissischen Methode nachweisbare Degenerationserscheinungen an den Ganglienzellen des Großhirns und der überwiegenden Mehrzahl der Nervenzellen des Rückenmarkes. Die akute Benzolvergiftung zeigt in ihren Symptomen weitgehende Analogien mit der Benzinvergiftung, jedoch treten bei ihr die für die zyklischen Verbindungen charakteristischen Krampferscheinungen mehr in den Vordergrund: im Stadium der Ataxie stellen sich — oft stundenlang anhaltende — Zuckungen, die selbst in tiefer Narkose nicht aufhören, sowie Krämpfe klonisch-tonischen Charakters ein. Bisweilen führt eine verhältnismäßig niedrige Dosis plötzlich zum Exitus (wahrscheinlich durch Atemlähmung). Bei der chronischen Benzolvergiftung tritt außerdem fettige Degeneration des Herzens, der Leber, der Nieren und besonders der Gefäße auf. Die Folgen der Gefäßschädigung sind Blutungen aus Haut und Schleimhäuten mit sekundärer Anämie.Google Scholar
  12. 1.
    Nach Korff-Petersen 1911(117) soll sich Akroleïn in den Motorabgasen finden. Der vermuteten Anwesenheit dieses Stoffes wurde große Bedeutung wegen seiner Giftigkeit beigelegt (schon 0,2 mg/1 Luft rufen nach Korff-Petersen schmerzhafte Lungenerscheinungen hervor). Es wird aber gleichzeitig darauf hingewiesen, daß nicht bei der Verbrennung der Brennstoffe, sondern des Schmieröles Akroleïn auftritt und seine Bildung bei richtiger Schmierölzufuhr, wie sie im Kraftfahrzeugbetrieb unserer Zeit wohl durchaus überwiegt, vermieden werden kann.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1930

Authors and Affiliations

  • E. Keeser
    • 1
    • 2
  • V. Froboese
    • 2
  • R. Turnau
    • 2
  • E. Gross
    • 3
  • G. Ritter
    • 3
  • E. Kuss
    • 3
  • W. Wilke
    • 3
  1. 1.Instituts der Universität RostockDeutschland
  2. 2.ReichsgesundheitsamtDeutschland
  3. 3.I. G. Farbenindustrie-A.-G. Oppau und Ludwigshafen a. Rh.Deutschland

Personalised recommendations