Zusammenfassung

Die Leprabazillen finden sich meist sehr zahlreich in allen leprösen Organen; zuweilen sind sie aber auch außerordentlich spärlich vorhanden; dies ist besonders der Fall bei der anästhetischen Form. Sie kommen vor in den Knoten der Haut, in den inneren Organen, im Nasensekret (der erste Anfang der Krankheit macht sich nicht selten durch Ulzerationen in der Nasenschleimhaut bemerkbar), in den befallenen Nerven und Nervenknoten, in den Zellen des Zentralnervensystems. Sie liegen hauptsächlich innerhalb von Zellen, teils epitheloiden, sog. Leprazellen, teils in den Lymphozyten, ferner frei im Gewebe, besonders in den Lymphspalten sowie im Nasensekret und im Sputum. Auch in den Endothelzellen der Blutgefäße sowie in Blut werden sie gefunden. Typisch ist ihre Lagerung in Haufen oder zigarrenbundähnlichen Paketen. Hierdurch und durch ihre geringere Säure- und Alkoholfestigkeit unterscheiden sie sich von den Tuberkelbazillen, denen sie im übrigen außerordentlich ähnlich sind. Ihr Nachweis geschieht entweder im Ausstrichpräparat, hergestellt durch Stich in Knoten der Haut und Schleimhaut bzw. aus ulzerierten Stellen derselben, oder aus exzidierten Stückchen der Haut, Schleimhaut, Nervensubstanz, die nach Konservierung durch Formol in Paraffin eingebettet werden. Die Schnitte werden für 30 Minuten in Karbolfuchsinlösung gebracht, 2 Sekunden in schwache Salpetersäurelösung (2 Tropfen auf 15 ccm), in 70 % igen Alkohol weiter entfärbt, in Wasser abgespült und mit Löffler scher Methylenblaulösung nachgefärbt. - Zur Differenzierung von Tuberkelbazillen empfiehlt sich das Verfahren von Baumgarten. Die Leprabazillen sind zwar auch säure- und alkoholfest, aber nicht in dem Grade wie die Tuberkelbazillen. Sie nehmen den Farbstoff wesentlich leichter auf, geben ihn aber auch leichter ab. Man färbt die Ausstrichpräparate 6–7 Minuten in Fuchsinlösung (5 Tropfen auf ein Uhrschälchen Wasser) kalt, entfärbt 10 bis 20 Sekunden in Säure und Alkohol (1 Salpetersäure auf 10 Alkohol) und spült in Wasser ab. - Bei dieser Behandlung färben sich Lepra-, nicht aber Tuberkelbazillen. Die Leprabazillen sind unbeweglich und grampositiv. Ihre Kultur ist bisher noch nicht gelungen. Tierpathogenität besteht nicht.

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© Julius Springer in Berlin 1912

Authors and Affiliations

  • Georg Kühnemann

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