Die Ätiologie der Syphilis

  • Edmund Lesser

Zusammenfassung

Die von uns allen schon längst nach Art des Krankheitsverlaufes und nach der Analogie mit anderen Krankheiten, Tuberkulose, Lepra, Rotz, ausgesprochene Vermutung, das Gift der Syphilis müsse ein organisiertes Gift sein, ist endlich zur greifbaren Wahrheit geworden — die von Schaudinn bei gemeinsamer Arbeit mit E. Hoffmank am 3. März 1905 entdeckte Spirochaeta. pallid a ist der Erreger der Syphilis. Die Spirochaeta pallida wurde zunächst im Ausstrichspräparat von Primäraffekten, nässenden Papeln, im Lymphdrüsensaft,. in dem durch Punktion gewonnenen Milzsaft nachgewiesen. Bald folgte der Nachweis des Mikroorganismus in geschlossenen syphilitischen Effloreszenzen, die von der Infektionsstelle weit entfernt lagen, Roseolaf lecken, Papeln und ferner der Nachweis massenhafter Spirochäten bei kongenitaler Syphilis in den Effloreszenzen und allen inneren Organen. Auch das natürlich sehr wichtige Postulat rücksichtlich der ätiologischen Bedeutung, der Nachweis der Spirochäten im fließenden Blut, wurde in einwandfreier Weise erfüllt. Während die bisher erwähnten Befunde sich auf Untersuchungen von Sekreten oder Organsaft im lebenden Zustande oder im Trockenpräparat beziehen, wurde ein sehr wichtiger Fortschritt durch die von E. Bertarelli und Volpino gefundene Methode, vermittelst der Silberimprägnation die Spirochäten im Schnittpräparat darzustellen, erzielt. In rascher Folge wurden die Spirochäten bei erworbener Syphilis in Papeln, Primäraffekten, Lymphdrüsen und bei kongenitaler Syphilis in allen inneren Organen in einer Massenhaftigkeit nachgewiesen, die jeden etwa noch vorhandenen Zweifel bezüglich der ätiologischcn Bedeutung dieses Mikroorganismus verstummen machen mußten. Auch die schon in der ersten Zeit nachgewiesenen Beziehungen der Spirochäten zu den Krankheitsvorgängen im Gewebe sind beweisend für die ätiologische Bedeutung. Am Rande der Infiltrate, gerade da, wo der Krankheitsprozeß fortschreitet, findet sich die reichlichste Anhäufung der Spirochäten, während sie in den inneren Teilen der Infiltration spärlicher vorhanden zu sein pflegen. Die Spirochäten finden sich ganz besonders in den Lymphräumen, zwischen den Bindegewebsfibrillen, in den Wandungen der Lymphgefäße und Venen, in den interepithelialen Spalten.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1914

Authors and Affiliations

  • Edmund Lesser
    • 1
  1. 1.Universitäts-Klinik und Poliklinik für Haut- und GeschlechtskrankheitenBerlinDeutschland

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