Die nervösen Störungen im natürlichen und künstlichen Klimakterium der Frau

  • L. Löwenfeld

Zusammenfassung

Im Durchschnitte zwischen dem 40. und 50. (zumeist zwischen dem 43. und 50.) Lebensjahre tritt in dem Geschlechtsleben des Weibes eine wichtige Veränderung, der sogenannte „Wechsel“, ein, die sich am auffälligsten durch das Aufhören der Menstruation — die Menopause — kundgibt1). Auf den früheren oder späteren Eintritt der Wechselzeit haben verschiedene Umstände, insbesondere Rasse, vorhergehende sexuelle Tätigkeit, Allgemeinkonstitution und äußere Lebensverhältnisse Einfluß. Plötzliches Sistieren der Menstruation ist selten; in der Regel gehen dem gänzlichen Ausbleiben der Blutung kürzere oder längere Zeit Unregelmäßigkeiten der Periode vorher, Abkürzung oder Verlängerung der Intervalle zwischen denselben oder der Dauer des Blutabganges, Verringerung oder Mehrung des Blutverlustes. Die Dauer der Unregelmäßigkeiten wechselt ebenfalls sehr erheblich; sie können sich nur über einige Monate erstrecken, im Durchschnitte währen dieselben jedoch 2–3 Jahre. Der weitaus größte Teil der Frauen (Kisch glaubt sogar 9/10 derselben) wird während dieser als Klimakterium bezeichneten Lebensepoche mehr oder minder von nervösen Beschwerden heimgesucht 2). Diese verschonen Frauen mit völlig gesunden Nerven ebensowenig als nervenschwache, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß die nervöse Konstitution für die Art, Intensität und Dauer der Störungen von erheblicher Bedeutung ist, und jungfräuliche Personen bleiben’ ebensowenig frei als solche, welche zahlreiche Geburten hinter sich haben.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2).
    Schickele (Die nervösen Ausfallserscheinungen der normalen und frühzeitigen Menopause in ihren Beziehungen zur inneren Sekretion; Handb. d. Neurologie. IV. Bd. 1913) erwähnt jedoch, daß nach seinen Beobachtungen richtige klimakterische Ausfallserscheinungen nur in 50% der Fälle vorkommen.Google Scholar
  2. 1).
    Krönig: Über die Bedeutung der funktionellen Nervenkrankheiten für die Diagnostik und Therapie in der Gynäkologie. 1902.Google Scholar
  3. 2).
    Revue de gynécologie 1897. S. 403–457.Google Scholar
  4. 3).
    Medical Standart 1896. S. 121.Google Scholar
  5. 4).
    British medical Journal 1899. S. 975.Google Scholar
  6. 1).
    Mendel: Die Wechseljahre des Mannes. Neurolog. Zentralbl. 1910. S. 1124.Google Scholar
  7. 1).
    B. Hollander: Die Wechseljahre des Mannes (Klimacterium virile). Neurol. Zentralbl. 1910. S. 1282.Google Scholar
  8. 2).
    Church: Nervous and mental disturbances of the male climacteric. Journ. of the Amer. med. assoc. 55, 301. 1910.CrossRefGoogle Scholar
  9. 3).
    So Stekel: Nervöse Angstzustände. 1912. S. 24. Zu einer von Stekel abweichenden komplizierteren Auffassung des Mendelschen Krankheitsbildes gelangte Adler (Über den nervösen Charakter. Wiesbaden 1912. S. 75). „Die Neurose des männlichen Klimakteriums ist ebenfalls (wie die des weiblichen) nur mittelbar durch die Genitalatrophie beeinflußt, kann aber eine Verstärkung erfahren durch die verschärfende Abstraktion: Ich bin kein Mann mehr, ich bin ein Weib!“Adler betont auch, daß er nie einen Fall sah, bei dem die Neurose erst im Klimakterium ausgebrochen war. Nach ihm findet man meist eine seit Jahren sich geltend machende Zunahme neurotischer Symptome.Google Scholar
  10. 4).
    Freud: über die Berechtigung von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als „Angstneurose“abzutrennen. Neurol. Zentralbl. 1895. Nr. 2.Google Scholar
  11. 1).
    Lichtenstern (Wien): Berl. klin. Wochenschr. Nr. 42. 1920.Google Scholar

Copyright information

© J. F. Bergmann, München und Wiesbaden 1922

Authors and Affiliations

  • L. Löwenfeld
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

Personalised recommendations