Advertisement

Sexuelle Exzesse und ähnliche Schädlichkeiten

  • L. Löwenfeld

Zusammenfassung

Es ist wohl eine uralte medizinische Erfahrung, daß übermäßige Hingabe an sexuelle Genüsse Gesundheitsstörungen nach sich zieht. Die ältesten medizinischen Schriftsteller teilen bereits bezügliche Beobachtungen mit, und manche derselben bemühten sich sogar, die Folgen allzueifrigen Venusdienstes in kräftigen Farben zu schildern. Auch der Volksinstinkt hat, soweit sich derselbe in der Volkssage ausspricht, die Gefahren treffend gekennzeichnet, welche ein Übermaß in sinnlicher Liebe für Leib und Seele nach sich zieht. Tannhäuser, der den Venusberg flieht und beim Papste für seine Sünden Ablaß sucht, ist ein gebrochener Mann, und sein physisch-psychisches Elend erfährt durch den Umstand keine Milderung, daß er, innerlich widerstrebend, durch die Künste eines dämonischen Weibes gefesselt wurde. Auch für die Neuzeit läßt sich nicht behaupten, daß dieselbe den pathogenetischen Einfluß sexueller Exzesse aus den Augen verloren oder gering geschätzt hat. Insbesondere in den Werken über Impotenz und Spermatorrhöe ist ihm die eingehendste Berücksichtigung zuteil geworden. Trotz alledem müssen wir zugestehen, daß unsere Kenntnisse über die Wirkungen, welche geschlechtliche Ausschweifungen auf das Nervensystem ausüben, noch in mehrfacher Hinsicht lückenhaft sind. Was aber noch auffallender ist, ist der Umstand, daß noch nicht entfernt irgend eine Übereinstimmung unter den Schriftstellern darüber besteht, was als „sexueller Exzeß“ aufzufassen ist.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1).
    Kraepelin, Psychiatrie. 8. Aufl. 1909. I. Bd. S. 110 legt sexuellen Exzessen in der Ätiologie der Psychosen offenbar nur sehr geringe Bedeutung bei. Nach seiner Ansicht läßt sich die Möglichkeit einer gelegentlichen Schädigung des Nervensystems durch geschlechtliche Ausschweifungen und Onanie nicht ganz in Abrede stellen. Dabei erachtet er die Masturbation für gefährlicher als den natürlichen Geschlechtsverkehr.Google Scholar
  2. 2).
    Auch einige neuere Autoren (Roubaud, Hammond, Kowalewsky und selbst Féré) wollen eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Koitus und dem epileptischen Anfalle finden. Ich kann nur Christian (Epilepsie, Folie épileptique 1890, S. 91) beipflichten, wenn er erklärt: „Rien, absolument rien, à mons sens n’autorise à rapprocher ces deux ordres de faits“.Google Scholar

Copyright information

© J. F. Bergmann, München und Wiesbaden 1922

Authors and Affiliations

  • L. Löwenfeld
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

Personalised recommendations