Deckungskapital oder Prämienreserve

  • Alfred Loewy

Zusammenfassung

Selbst wenn eine V’sanstalt ohne Spesen arbeiten und ihr Geschäftsgang sich genau nach dem rechnungsmäßigen Zins und der Sterbetafel abwickeln würde, so fände doch im Laufe eines einzelnen Jahres bei Lebens- und Leibrentenv’sanstalten kein Gleichgewicht zwischen den Einnahmen an Nettoprämien und den Auszahlungen versicherter Summen statt. Versichert sich z. B. jemand durch Zahlung einer einmaligen Prämie auf eine lebenslänglich zahlbare Leibrente, so geht die V’sanstalt dem Versicherten gegenüber eine Verpflichtung ein, die nicht ein Jahr währt, vielmehr erst mit dem Tode des Versicherten ihr Ende nimmt. Läßt man bei einer Todesfallv. den Versicherten eine gleichbleibende Jahresprämie entrichten, so zahlt derselbe in den ersten V’sjahren zu viel für die Deckung des jährlichen Risikos der V., in den späteren Jahren zu wenig; denn je älter das versicherte Leben, desto größer ist, wenn man von den ersten Kinderjahren absieht, die Todesgefahr. Von dem Versicherten wird nur alljährlich eine solche Durchschnittssumme als Prämie erhoben, daß, wenn man ihn als Mitglied einer großen Anzahl gleichaltriger, mit ihm gleichzeitig auf dieselbe Weise versicherter Personen betrachtet, die Gesamtsumme der von ihm und seinen Genossen zu erzielenden Einnahmen nebst ihren Zinsen für den ganzen Zeitraum der V., nicht aber immer während eines einzelnen Jahres, die Ausgaben der V’sanstalt für ihn und seine Genossen deckt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Hinweise

  1. 1).
    Wir ziehen mit dem Eidgenöss. V’samt (vgl. die von ihm herausgegebenen Berichte) die Bezeichnung „Deckungskapital“ vor, obgleich die deutsche Reichsgesetzgebung von „Prämienreserve“ (vgl. oben S. 5) spricht; mit der Bezeichnung „Prämienreserve“ entsteht bei dem Unkundigen leicht die Idee einer Sicherheitsreserve, wohingegen das Deckungskapital oder die Prämienreserve eine Verpflichtung des Versicherers ist und auch in der Bilanz unter den Passiven steht.Google Scholar
  2. 1).
    Die Auszahlungen der Sterbegelder sollen immer, wie auf S. 42 angenommen ist, am Schlusse des V’sjahres, in dem der Tod eintritt, stattfinden.Google Scholar
  3. 1).
    0 V x, das Deckungskapital zu Beginn der V., ist wie 0 D x (vgl. S. 83) Null.Google Scholar
  4. 1).
    Dies ist natürlich auch das Deckungskapital für die Postnumerandoleibrentenv. (S. 37) des xjährigen, ehe ihm die zu Beginn des (m + l)ten V’sjahres fällige Rente C ausgezahlt ist; denn am Schlusse seines mten V’sjahres ist der nunmehr x + m jährige im Besitz einer Pränumerandoleibrente des Jahresbetrages C.Google Scholar
  5. 1).
    Der Ausgangswert ist 0VX = 0.Google Scholar
  6. 1).
    Hierbei ist 0 V x durch seinen Wert 0 ersetzt worden.Google Scholar
  7. 2).
    Weiteres über die hier angeschnittene Frage bei v. Bortkiewicz in seinem Aufsatz: „Risiko-und Sparprämie bei Lebensv’en auf eine Person“, Assekuranzjahrbuch, Jg. 24. 1903; ferner Böhmer: Zeitschr. f. d. ges. V’swissenschaft Bd. 10, S. 71. 1910. Rothauge: V’swissenschaftliche Mitteilungen Bd. 6, S. 131. 1911. — Ich spreche im Texte von Sparbetrag und Risikoausgabe statt von Spar-und Risikoprämie, weil man an „negativen“ Prämien Anstoß genommen hat.Google Scholar
  8. 1).
    Da die ganze positive Zahl m < t ist, so gelten die Formeln (152), (153) und (154) und alle weiteren Formeln des Textes, für die m < t ist, nur für V’en mit mehrfacher Prämienzahlung, also t ≧ 2; hingegen treffen alle für mt gültigen, mit einem Akzent versehenen Formeln auch für V’en mit einmaliger Prämienzahlung (t = 1) zu.Google Scholar
  9. 1).
    Von A. Zillmer sind zu nennen: Beiträge zur Theorie der Prämienreserve. Stettin 1863. Die rationelle Deckung der Abschlußkosten in der Lebensv. Assekuranzjahrbuch Jg. 2. 1881; ferner seine Erwiderung zur Widerlegung eines Artikels von Heym in den Jahrbüchern f. Nationalökonomie u. Statistik Bd. 5 der neuen Folge, Jg. 1882.Google Scholar
  10. 2).
    Vgl. hierzu die schon oben S. 68 zitierten Schriften von Höckner und Altenburger; ferner den historischen und kritischen Aufsatz von Engelbrecht: Das Deckungskapital in der Lebensv. Zeitschr. f. d. ges. V’swissenschaft Bd. 7 S. 611. 1907.Google Scholar
  11. 1).
    Vgl. S. 5.Google Scholar
  12. 1).
    So der Standpunkt des Eidgenössischen V’samts in dessen Bericht: Die privaten V’sunternehmungen in der Schweiz im Jahre 1919. S. 20. Bern 1921.Google Scholar
  13. 2).
    Dies trifft auch für die Anstalten in Deutsch-Österreich zu, denen das Zillmern durch die Verordnung vom 7. März 1921 „betreffend die Neufassung des V’sregulativs“ gestattet ist.Google Scholar
  14. 3).
    Ausführungsbestimmungen des Reichsaufsichtsamts für Privatv. vom 30. Mai 1921. Veröffentlichungen des Reichsaufsichtsamts, Bd. 20, S. 144, 1921.Google Scholar
  15. 1).
    Es wird sogar von guten Kennern des V’swesens auch die entgegengesetzte Ansicht vertreten, daß zumeist finanziell heruntergekommene Personen, die infolge ihrer schlechten Vermögensverhältnisse erhöhte Sterblichkeit aufweisen, zurücktreten.Google Scholar
  16. 2).
    Weiteres über Rückkauf sowie Literaturangaben in des Verfassers Artikel „Rückkauf“, Manes’ V’s-Lexikon, Ergänzungsband 1913, S. 559; ferner Bericht des Eidgenössischen V’samtes: Die privaten V’sunternehmungen in der Schweiz im Jahre 1918. S. XXIff. Bern 1920.Google Scholar
  17. 1).
    Bericht des Eidgenössischen V’samtes: Die privaten V’sunternehmungen in der Schweiz im Jahre 1919. S. 29. Bern 1921.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1924

Authors and Affiliations

  • Alfred Loewy
    • 1
  1. 1.Universität Freiburg I. B.Deutschland

Personalised recommendations