Pressrecht pp 88-105 | Cite as

Viertes Kapitel

  • H. Mannheim
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 22)

Zusammenfassung

Der Begriff des Verwaltungsstrafrechts, wie ihn vor allem JAMES GOLDSCHMIDT1 herausgearbeitet hat, ist hier nicht zu erörtern, sondern vorauszusetzen. Im Preßrecht hat er eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Hier wird der Gegensatz zwischen Kriminal- und Administrativdelikt besonders bedeutsam: neben die eigentlichen Preßdelikte, die durch den geistigen Gehalt der Druckschrift begangen werden (§§ 16, 17, 20/1), treten die Preßpolizeidelikte, die sich in der Unterlassung der gesetzlich verlangten Förderung des öffentlichen Wohls erschöpfen2). Der unterscheidende Gesichtspunkt ist nicht etwa die Schwere des Delikts: Verwaltungsstrafrecht bedeutet nicht Bagatellstrafrecht. Andernfalls wäre lediglich der eine Übertretungsstrafe vorsehende § 19 hierher zu zählen. Dagegen führt das oben erörterte sachliche Merkmal dazu, den Kreis der Verwaltungsdelikte über den § 19 hinaus auf die §§ 18 Nr. 1 (soweit durch Zuwiderhandlung gegen § 14 begangen), 18 Nr. 2 und 28 auszudehnen, obwohl diese Tatbestände mit einer Vergehensstrafe bedroht sind. Denn die §§14 und 28 verbieten die Verbreitung bzw. den Wiederabdruck nicht mit Rücksicht auf den — vielleicht harmlosen — Inhalt der Druckschrift, sondern lediglich auf Grund gewisser außerhalb liegender Vorgänge. Das wird besonders deutlich, wenn man berücksichtigt, daß eine Beschlagnahme nach § 23 Nr. 1 aus Gründen erfolgen kann, die mit dem gedanklichen Inhalt der Druckschrift nichts zu tun haben.

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Literature

  1. 2.
    Unrichtig Feiedenthal, S. 49 ff., der auch die Möglichkeit strafbarer Teilnahme leugnet. Mißverständlich freilich auch RGSt. 40, S. 360.Google Scholar
  2. 3.
    Vgl. auch Goldschmidt-Anders, S. 58.Google Scholar
  3. 4.
    Vgl. Kitzinger, S. 100/1.Google Scholar
  4. 5.
    So auch Kitzinger, S. 101.Google Scholar
  5. 1.
    Ebensowenig für Ansprüche wegen unbefugten Nachdrucks (RGSt. 20, S. 430).Google Scholar
  6. 2.
    Vgl. Conrad 8 zu § 20; Häntzschel, S. 59 u. 61; ZV. 1924, Sp. 194 ff.Google Scholar
  7. 3.
    Über den Begriff des Geschäftsherrn vgl. Staudinger-Engelmann 2 a zu § 831).Google Scholar
  8. 4.
    Näheres bei Ebner, Bd. 3, S. 47 ff.Google Scholar
  9. 6.
    Vgl. Staudinger-Engelmann 4a zu § 824 u. bes. RGZ. 115, S. 74 ff.Google Scholar
  10. 7.
    Vgl. Reichel, Verh. d. 34. Deutschen Jur.Tags 1926, Bd. I, S. 162.Google Scholar
  11. 8.
    Staudinger-Engelmann II, A 2, eβ zu § 823; ZV. 1924, Sp. 194.Google Scholar
  12. 9.
    Vgl. die ausführliche Übersicht bei Häntzschel, S. 267–293.Google Scholar
  13. 2.
    Berner, S. 324 ff.Google Scholar
  14. 4.
    Auslegen einer Zeichnungsliste unter einer Glasplatte auf einem Ladentisch genügt RGSt. 57, S. 379).Google Scholar
  15. 5.
    Bay.ObLG. JW. 1927, S. 1385, Nr. 1.Google Scholar
  16. 1.
    Vgl. § 21 österr.PG. (recht weitgehend bes. Abs. II, Satz 2 u. 3). Der Vorschlag Kitzingers (ZStW. 46, S. 119), den Verleger bei teueren Werken wenigstens teilweise zu entschädigen, ist hier bereits verwirklicht.Google Scholar
  17. 4.
    Vgl. Tönnies S. 179.Google Scholar
  18. 1.
    Vgl. aber auch Adolf Braün, Annalen S. 460 ff.: „Der Gegensatz zwischen Verleger und Redakteur besteht innerhalb der ganzen Presse. Er kann auch in der Parteipresse zu äußerster Schroffheit gedeihen und er kann in der Geschäftspresse nur dem Schärfstblickenden erkennbar sein.“Google Scholar
  19. 2.
    Gegen die obige Klassifizierung wendet sich J. F. Wollf, (ZV. 1927, Sp. 1518): eine Zeitung, die einer Wirtschaftsgruppe gehöre, brauche deshalb doch nicht einseitig nur deren Interessen zu vertreten. „Es ist nicht entscheidend für eine Zeitung, wer sie besitzt, sondern wie dieser Besitz ausgeübt wird.“Google Scholar
  20. 3.
    Veröffentlicht z. B. von Freund, Schriften des Ver. f. Soz. Pol. Bd. 152, II, S. 107.Google Scholar
  21. 1.
    Vollständig nebst dem Muster des Normaldienstvertrages abgedruckt in ZV. 1926, Nr. 3 Sp. 131 ff.Google Scholar
  22. 2.
    Das Urteil 1. Instanz ist in ZV. 1923, Sp. 245/6 wiedergegeben.Google Scholar
  23. 3.
    Über sonstiges ausländisches Journalistenrecht vgl. ZW. 1926, S. 80 (Belgien), S. 128 u. 173 (Tschechoslowakei), S. 60 (Chile), Doleschall, S. 180 (Ungarn), Ostrechtl927, S. 154 ff. (Jugoslawien).Google Scholar
  24. 4.
    Vgl. ZV. 1926, Sp. 135 ff.; Egloff, S. 171.Google Scholar
  25. 1.
    Bücher, S. 27 u. 405.Google Scholar
  26. 2.
    Garr, Die Inseratensteuer, Wiener Staatswissenschaftliche Studien 9. Bd., 2. Heft 1909 S. 20. Umgekehrt ist das Verhältnis bei der sozialdemokratischen Presse (Kantorowicz, S. 62).Google Scholar
  27. 2.
    Jede Nummer des ZV. und der DP. legt Zeugnis hiervon ab.Google Scholar
  28. 4.
    Prof. J. F. Wollf (l.stellv. Vors. d. Vereins Deutscher Ztgs.-Verleger) in ZV. 1926, Sp. 1527.Google Scholar
  29. 5.
    Der folgende Text stützt sich auf die Wiedergabe der Urteilsgründe in ZV. 1926, Sp. 1033 und ZW. 1926, S. 79. Vgl. ferner ZV. 1926, Sp. 2103 und 1927, Sp. 127.Google Scholar
  30. 3.
    Zeitungsanzeigen unterhegen nur der allgemeinen Umsatzsteuer. Die in den §§25 ff. des Ges. vom 24. XII. 19 (RGBl. S. 2157) enthaltene Erhöhung ist jetzt fortgefallen (Ges. vom 10. VIII. 25, Art. IV, § 1, Nr. 13, (RGBl. I S. 241).Google Scholar
  31. 4.
    Hierüber besonders M. Garr, Inseratensteuer, S. 64. Daher bestimmte § 26 Nr. 1 des Ges. vom 24. XII. 19: „Steuerpflichtig sind auch geschäftliche Empfehlungen, die in den redaktionellen Teil aufgenommen werden.“Hier wird also die Existenz einer versteckten Reklame im red. Teil vom Gesetzgeber ausdrücklich vorausgesetzt.Google Scholar
  32. 5.
    Vgl. den Überblick bei Bücher, S. 393–416; Garr, S. 16 ff.Google Scholar
  33. 2.
    Aufzählung bei Stenglein, Anm. 3 zu § 12 Unl.WG.Google Scholar
  34. 1.
    ZW. 1926, S. 61. Inzwischen ist der Entwurf nach Zeitungsberichten bereits abgeändert worden (Voss. Ztg. vom 3. VIII. 27, Nr. 363).Google Scholar
  35. 1.
    Die Literatur und Judikatur zu dieser Frage sind unübersehbar. Vgl. besonders Frank III, 2b zu § 193; Kitzinger, S. 145/6; Häntzschel, S. 253 ff.; Ebner, ZV. 1926, Sp. 2055 ff.; Engelhard, Mitt. JKV., Neue Folge, 2. Bd. (1927), S. 159; Löwenstein, daselbst, S. 178; Grünhut, ZStW. 47, S. 79 u. Begriffsbildung u. Rechtsanwendung im Strafrecht 1926, S. 9; Elly Marcuse, JW. 1925, S. 1474; Posse, S. 35; RGSt. 56, S. 380; 59, S. 414; LG. I, Berlin, JW. 1925, 8.83, Nr.l.Google Scholar
  36. 2.
    Literatur: Keller, S. 34ff.; Ritter, DP. 1925, Nr. 15; Häntzschel, S. 156 ff. und DP. 1926, Nr. 28; Hartung: Das Recht der Untersuchungshaft (1927), S. 26ff.; Rosenberg, JW. 1926, S. 2718; Bretholz, ZV. 1926, Sp. 1617ff. Reiches historisches Material bieten die Geschichten der verschiedenen Zeitungen. Vgl. auch Marianne Weber, Max Weber (1926), S. 435–445.Google Scholar
  37. 2.
    Vgl.z. B. Kohlrausch, StPO. (21. Aufl.), Anm. 10 zu §53; Frank II, 2 zu § 42 StGB.Google Scholar
  38. 3.
    Unzutreffend ist übrigens die Ansicht Hartüng’s (Anm. 7b zu § 53), eine zur Zeit der Veröffentlichung bestehende Geisteskrankheit beseitige die Eigenschaft als ver. Red. (vgl. Kitzinger I zu § 8).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1927

Authors and Affiliations

  • H. Mannheim
    • 1
  1. 1.Universität BerlinDeutschland

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