Erstes Kapitel

  • H. Mannheim
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 22)

Zusammenfassung

Zum Preßrecht im objektiven Sinne gehören alle Rechbssätze, die sich mit der Druckschrift wegen ihrer eigentümlichen Stellung im staatlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben beschäftigen. Das Kennzeichen dieser Stellung ist: Macht über den Menschengeist. Diese Macht kann segensreich, sie kann aber auch unheilvoll wirken. Daher will das Preßrecht teils fördernd und schützend, teils aber hemmend und bekämpfend eingreifen. Die Mittel dieses Eingreifens sind den verschiedensten Rechtsgebieten entnommen1: so z.B. dem Staats- und Verwaltungsrecht der Gedanke der Preßfreiheit und eine Reihe preßpolizeilicher Vorschriften, dem Gewerberecht die §§ 4/5 RPG., dem Strafrecht die §§ 20/1 RPG., dem Strafprozeßrecht die §§ 23ff. RPG, und 7II und 53 Nr. 4 StPO., dem Privatrecht endlich § 13II Nr. 1 Satz 2 UnlWG. und (was allerdings streitig) der Berichtigungsanspruch des § 11 RPG., dessen Durchführung wiederum auf zivilprozessualem Wege zu geschehen hat. Wenngleich hiernach auch privates Preßrecht möglich ist, so darf doch der öffentlich-rechtliche Grundzug des gesamten Preßrechts nicht übersehen werden, der sich aus der Machtstellung der Druckschrift im öffentlichen Leben ergibt; er verleiht auch den an sich privatrechtlichen Bestimmungen sozusagen einen öffentlich-rechtlichen Schimmer (vgl. z. B. unten § 9).

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Literature

  1. 1.
    Hauptquelle des geltenden Preßrechts ist das — gemäß Art. 178 RV. in Kraft gebliebene — Reichspreßgesetz vom 7. V. 1874, an dessen durchgreifender Reform z. Zt. gearbeitet wird.Google Scholar
  2. 1.
    So formuliert es der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Dr. Krumbhaar, in ZV. 1926, Sp. 2796.Google Scholar
  3. 2.
    Vgl. zum folgenden Löbl, S. 269 ff.Google Scholar
  4. 3.
    In Frankreich waren z. B. im 15. und 16. Jahrhundert die Drucker und Buchhändler Beamte der Sorbonne, die den Ort ihrer Niederlassung und die Auswahl der zu verkaufenden Bücher bestimmte (vom Hövel, ZW. 1926, S 152).Google Scholar
  5. 4.
    Über sie vgl. Berner, S. 71 ff.; Kloeppel, S. 13ff.Google Scholar
  6. 5.
    Julius Ferdinand Wolle, ZV. 1924, Sp. 1274. Es gab freilich auch schon z. Zt. des geschriebenen Buches eine Art Zensur; doch blieb ihre Bedeutung gering.Google Scholar
  7. 1.
    Kloeppel, S. 14; Berner, S. 12.Google Scholar
  8. 2.
    Berner, S. 8; Kloeppel, S. 14.Google Scholar
  9. 3.
    Kloeppel, S. 62; Berner, S. 19.Google Scholar
  10. 4.
    Berner, S. 40; Kloeppel, S. 45. Vom Hövel a. a. O. S. 153 dagegen meint, Franz I. sei weitblickend genug gewesen, diesen Vorschlag abzulehnen.Google Scholar
  11. 5.
    Kloeppel, S.67; besonders Dilthey, Ges. Schriften, Bd. 4 (1925), S. 235ff.: Der Streit Kants mit der Zensur über das Recht freier Religionsforschung.Google Scholar
  12. 6.
    Hierüber wie überhaupt über die Berliner Preßzensur bis 1819 vgl. bes. Erich Widdecke, ZW. 1926, S. 102, 117, 134 und 150, mit sehr reichem Material.Google Scholar
  13. 7.
    Abgedruckt bei Schletter, S. 145 ff.Google Scholar
  14. 1.
    Berner, S. 61, 91, 114, 119. — Als Baden es durch sein berühmtes PG. von 1831 wagte, die Zensur abzuschaffen, da wurde es sehr bald wieder (1832) auf den rechten Weg gebracht (Bebneb, S. 130).Google Scholar
  15. 2.
    Berner, S. 37; Kloeppel, S. 22; Wollf, ZV. 1924 Sp. 1277; W. Bauer, S. 288; Oetker, Jahrb., S. 402, Note.Google Scholar
  16. 3.
    Kloeppel, S. 38/9.Google Scholar
  17. 4.
    Loening, S. 57, Note 2; Wettstein, S. 15.Google Scholar
  18. 5.
    Im Rahmen des Vorbehalts im Art. 118 II sind das Lichtspielgesetz vom 12. V. 1920 und das Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften vom 18. XII. 1926 ergangen.Google Scholar
  19. 6.
    So Kitzinger, S. 203; preuß. OVG. Bd. 77, S. 512; Conbad 1 zu § 1.Google Scholar
  20. 7.
    Häntzschel, Arch. öff. Recht, N. F., Bd. 10 (1926), S. 232 ff. u. Anm. 9 zu § 1.Google Scholar
  21. 8.
    Mit Ausnahme Kitzingers, S. 202/211.Google Scholar
  22. 1.
    Oder in Re5chtsverordnungen, die auf gesetzlicher Grundlage ergehen (RGSt. 55, S. 88).Google Scholar
  23. 3.
    Anläßlich des Falles Hau wurde die Frage erörtert, ob einem Verurteilten bedingte Begnadigung unter der Voraussetzung gewährt werden darf, daß er bestimmte Personen nicht in der Presse angreife od. dgl. (dafür Pich, DRZ. 1926, S. 49 ff.; dagegen Häntzschel 4b zu § 1).Google Scholar
  24. 4.
    Gegen die Zulässigkeit z. B. Fuld, ZV. 1927, Sp. 159 und das dort zit. Urteil des LG. Mainz sowie Ebner, Bd. 5, S.53/4 (Grund: die Preßfreiheit verbiete alle vorbeugenden Maßnahmen; dann müßte aber auch das im ordentlichen Zivilprozeßverfahren ergehende Unterlassungsurteil unzulässig sein). Für Zulässigkeit mit Recht Kitzinger, S. 6; Häntzschel, S. 20 unter Berufung auf den lediglich öffentlich-rechtlichen Charakter der Preßfreiheit.Google Scholar
  25. 5.
    Näheres über preßzivilrechtliche Fragen vgl. unten § 22.Google Scholar
  26. 1.
    Bei wörtlicher Auslegung des § 2 würden durch die Buchdruckerpresse hergestellte Musikalien (im Gegensatze zu den auf mechanischem oder chemischem Wege hergestellten) stets unter den Begriff der Druckschrift fallen. So ist § 2 aber wohl nicht gemeint (anders § 2 österr. PG).Google Scholar
  27. 3.
    Vgl. Ebermayer bei Stenglein, Ann. 4 zu § 18 Lit. Ges.Google Scholar
  28. 4.
    Vgl. auch Ebner, ZV. 1926, Sp. 1339.Google Scholar
  29. 1.
    Im Gegensatz zu § 21 Rep.Schutzges., der ein Eingreifen der Verw. Behörde ohne vorherigen Richtersprueh gestattet.Google Scholar
  30. 2.
    Über den Begriff des Erscheinungsortes vgl. unten §§6 I u. 12 IV.Google Scholar
  31. 3.
    Dieser ist gemäß § 5 des Ges. vom 4. III. 1919 (RGBl. S. 285) an die Stehe des Reichskanzlers getreten.Google Scholar
  32. 4.
    Nach § 28 österr. PG. nur bis zu 1 Jahr.Google Scholar
  33. 5.
    Berner, S. 243 ff.Google Scholar
  34. 6.
    Kloeppel, S. 151.Google Scholar
  35. 7.
    Vgl. Seibert, ZV. 1927, Sp. 23. Das RG. war in einer älteren Entsch. a. M. (RGSt. 11, S. 406), würde aber jetzt vermutlich mit der herrschenden Meinung wie oben entscheiden.Google Scholar
  36. 1.
    So Kitzinger S. 18 u. 123; Kern, S. 38: a. A. RG (z. B. RGSt. 36, S. 145 und Häntzschel, S. 30/1 u. 144, der die Möglichkeit eines Versuchs der Verbreitung überhaupt leugnet. Vgl. auch unten § 12 I.Google Scholar
  37. 2.
    RGSt. 30, S. 330; so auch § 3 österr. PG. Das RG. begnügt sich mitunter aber auch mit einer Dreizahl oder gar mit einer Einzahl (so JW. 1925, S. 987, Nr. 41 mit berechtigter Kritik Kitzingers). — Es g’bt sehr zahlreiche per. Druckschriften, die nicht an das Publikum verbreitet werden, z. B. dıe Hauszeitschriften kaufmännischer u. omdistrieller Firmen (vgl. Wolff ZW. 1927, Nr. 1 ff.), Verbands-, Gefangenenzeitschriften u. dgl. (über die Gefangenenzeitung „Der Leuchtturm“vgl. ZW. 1926, S. 124; DRZ. 1927, S. 161).Google Scholar
  38. 1.
    Anders § 3 österr. PG.Google Scholar
  39. 2.
    Eine Ausnahme bildet z. B. der ZV., der die Angabe trägt: „Eigentum und Verlag des Vereins Deutscher Zeitungsverleger“.Google Scholar
  40. 3.
    Kl. Schriften z. Strafrecht und Strafprozeß, 2. Aufl., S. 374.Google Scholar
  41. 5.
    Zitiert nach Tönnies, S. 183.Google Scholar
  42. 1.
    Vgl. ZV. 1923, Nr. 26, Sp. 557 ff. und Nr. 27, Sp. 594).Google Scholar
  43. 3.
    Über die in Frankreich gebräuchliche noch gefährlichere Form der stillen Kapitalsaufnahme (die Presse sucht „Anlehnung an Kapitalgruppen, wodurch sie unsichtbaren Kräften unterworfen wird“) vgl. Heuss S. 49.Google Scholar
  44. 4.
    Kantorowicz, S. 49 ff.; Dovifat, S. 85 ff.Google Scholar
  45. 5.
    Borchardt, Schriften d. Ver. f. Soz. Pol. Bd. 152, Teil 1, S. 4.Google Scholar
  46. 1.
    v. Liszt, Reichspreßrecht § 9 I; Beenee, S. 197.Google Scholar
  47. 2.
    RGSt. Bd. 5, S. 358; Kloeppel, S. 166.Google Scholar
  48. 3.
    Vgl. unten § 6 II u. § 16 II 1 sowie RGSt. 5, S. 358/9; 19, S. 357.Google Scholar
  49. 2.
    Ebner bei Voigtländer-Fuchs S. 61.Google Scholar
  50. 3.
    Über die Verdeutschung „Schriftleiter“vgl. ZV. 1924, Sp. 28 u. 83 und Österr. JAB. bei Lohsing zu § 18.Google Scholar
  51. 1.
    Miricka GA. 57, S. 290 meint zwar, in abstracto sei eine per. Druckschrift ohne Redakteur denkbar, setzt aber doch hinzu, daß sein Fehlen aber zu einem anarchischen Zustande führen müsse.Google Scholar
  52. 2.
    Die Chefredaktion der Deutschen Allg. Zeitung erklärt ZV. 1924, Sp. 29: „Nur ein kleiner Teil unserer Redaktion ist mit der Tätigkeit des Redigierens beschäftigt, während der größere Teil andere Aufgaben hat.“Nach Dovifat (DP. 1925, Nr. 22, S. 2, Anm. 2) tragen in England nur der Chefredakteur und die Ressortredakteure den Namen editor, alle anderen heißen sub-editors. Häntzschel (5 B zu § 7) unterscheidet einen preßrechtlichen und einen weiteren arbeitsrechtlichen Begriff des Redakteurs.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1927

Authors and Affiliations

  • H. Mannheim
    • 1
  1. 1.Universität BerlinDeutschland

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