Zusammenfassung

Die Beziehungen Rußlands zu feinen Nachbarstaaten waren, wie dies schon in der Geschichte des Deutschen Reiches erwähnt worden ist, ziemlich gespannt. Von der früheren Herzlichkeit war keine Rede mehr, wohl aber von zunehmender Entfremdung, von feindseligen Kundgebungen in der Presse und in Regierungsmaßregeln, welche eine Solche Schärfe annahmen, daß gegen das Ende dieses Jahres die Politiker der beiden Nachbarreiche ihre mißtrauischen Augen mehr nach Osten als nach Westen richteten. In der russischen Presse, besonders in der von dem panslawistisch gesinnten Geheimrat v. Katkow redigierten „Moskauer Zeitung“, war unaufhörlich davon die Rede, daß Deutschland der hauptsächliche Feind Rußlands sei; daß Deutschland im Bund mit Östreich und mit den englischen Tories auf Schritt und Tritt in der perfidesten Weise Rußlands Politik durchkreuze; daß nur Frankreich uneigennützig und offenherzig die Interessen Rußlands im Auge habe; daß also Rußland die Klugheit gebiete, die bulgarische Frage vorderhand in den Hintergrund treten zu lassen, durch keine Allianz und durch keinen Krieg sich die Hände zu binden, um, wenn der erwartete deutsch-französische Krieg ausbreche, Herr feiner Entschlüsse zu fein, denselben zur Verwirklichung feiner orientalischen Pläne zu benutzen und andererseits die völlige Besiegung Frankreichs durch Deutschland nicht zu dulden; denn dann wäre Deutschland allmächtig und Rußland würde einer unseligen Zukunft entgegengehen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1888

Authors and Affiliations

  • Wilhelm Müller
    • 1
  1. 1.TübingenDeutschland

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