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Über das Verhalten des Chlorophylls gegen Kohlensäure

  • Richard Willstätter
  • Arthur Stoll

Zusammenfassung

Das Chlorophyll ist aus zahlreichen und den verschiedensten Pflanzen, von den Algen bis zu hochentwickelten Dicotyledonen, für die Analyse isoliert und das Pigment beliebiger Herkunft ist als übereinstimmend in seiner Zusammensetzung erkannt worden. Die Chlorophyllkörner enthalten in allen Fällen ein Gemisch der zwei einander nahe verwandten eigentlichen Chlorophyllfarbstoffe mit den Carotinoiden. Das blaugrüne Chlorophyll a und das gelbgrüne Chlorophyll b sind sehr ähnlich zusammengesetzt; sie sind MagnesiumVerbindungen, in denen das Metall nicht in elektrolytisch dissoziierbarem Zustand, sondern in eigentümlicher, komplexer Bindungsweise enthalten ist. Die wesentlichen Eigenschaften der magnesiumhaltigen Gruppe sind ihre große Empfindlichkeit gegenüber Säure und ihre Beständigkeit gegen Alkalien. Während das Metall schon bei der Einwirkung organischer Säuren quantitativ abgespalten wird, bleibt der Magnesiumkomplex bei tiefgreifender Zersetzung des Moleküls durch Alkalien unversehrt; dabei werden zunächst die Estergruppen des Chlorophylls verseift, und es gelingt weiterhin, eine Carboxylgruppe nach der anderen abzuspalten. Daher ist die magnesiumhaltige Gruppe in der Stammsubstanz noch erhalten, bis zu welcher der Abbau des Chlorophylls geführt worden ist, in dem Ätiophyllin1). Dieses ist aus dem Chlorophyll, das 55 Kohlenstoffatome enthält, durch eine wesentliche Vereinfachung des Moleküls hervorgegangen, wie seine Formel C31H34N4Mg zeigt. Die viel einfachere Verbindung besitzt zwar nicht mehr die Löslichkeitsverhältnisse und die Wachsähnlichkeit des Blattfarbstoffes, aber sie zeigt in der Farbe, der Fluorescenz, in den chemischen Eigenschaften, besonders in dem Verhalten der gegen Säure empfindlichen, gegen Alkalien beständigen magnesiumführenden Gruppe noch die Eigenart des Chlorophylls.

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Hinweise

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1918

Authors and Affiliations

  • Richard Willstätter
  • Arthur Stoll

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