Man stirbt

Zum Verständnis des Todes im dramatischen Werk Ionescos
  • Fränzi Maierhöfer

Zusammenfassung

So klagt Macbeth, nachdem er Duncan, seinen Gast und König, und dann auch den der Mitwisserschaft verdächtigen Banquo ermordet hat, um selbst den Thron zu besteigen und sein verbrecherisches Königtum in vermeintlicher Sicherheit genießen zu können. Seinem Ehrgeiz, seiner Machtgier und schließlich seinem Sicherheitsbedürfnis opfert er sein „unsterblich Kleinod“ (III, 1), seine Seele. Der kinderlose Macbeth setzte das ewige Leben seiner Seele im Jenseits — woran er unerschütterlich glaubt — gegen eine knappe Frist der Herrscherherrlichkeit im Diesseits. Aber er kann die Gewissensqualen, die ihn nun pausenlos foltern, nicht ertragen. Ohne wohltuende Unterbrechung durch den Schlaf, „den Tod von jedem Lebenstag“ (II, 1), martert ihn das Bewußtsein der Schändlichkeit und der verderblichen Folgen seines Tuns. Er leidet an Schlaflosigkeit, einer „großen Zerrüttung der Natur“, und sehnt sich nach der Ruhe des Vergessenkönnens, die er im Tod zu finden glaubt. Als er schließlich seine Machtstellung, den Preis für die Hoffnung auf ein ewiges Leben und Frieden der Seele, verliert, versteht er rückwirkend sein Leben und sein Verbrechen als ein „Märchen . .., erzählt von einem Dummkopf, voller Klang und Wut, das nichts bedeutet“ (V, 5).

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Literature

  1. 1).
    Eugène Ionesco, Macbett, München 1973 (Reihe Hanser 128).Google Scholar
  2. 3).
    Choubert in „Opfer der Pflicht“ und Behringer, der in vier Stücken auftritt („Mörder ohne Bezahlung“, „Die Nashörner“, „Der König stirbt“, „Fußgänger der Luft“), zeigen gewisse Ansätze zur Persönlichkeitsentwicklung. Diese Nuancen sind jedoch für die vorliegende Untersuchung nicht von Bedeutung.Google Scholar
  3. 4).
    Anspielung auf folgendes Zitat: „Ach, ein Witz! Kein Rost erforderlich, die Hölle, das sind die anderen“, aus: Jean-Paul Sartre, „Bei geschlossenen Türen“ (Huis clos), in: Bei geschlossenen Türen / Tote ohne Begräbnis / Die ehrbare Dirne (Reinbeck 1965) (rororo 788), S. 42.Google Scholar
  4. 5).
    Vgl. Fränzi Maierhöfer, Moderne Totentänze, in: Stimmen der Zeit, Heft 3 (1974), Bd. 192, S. 181–191.Google Scholar
  5. 6).
    Ionesco geht auf „dieselbe Quelle der Inspiration“ zurück wie Albert Camus mit dem Roman „Die Pest“ und dem Theaterstück „Belagerungszustand“, nämlich auf Daniel Defoes „Journal of the Plague Year“ (1722), vgl. GM 63.Google Scholar
  6. 7).
    Eugène Ionesco, zitiert nach Martin Esslin, Das Theater des Absurden (Frankfurt 1965) (rowohlts deutsche enzyklopädie 234/235/236), S. 147.Google Scholar
  7. 8).
    Eugène Ionesco, In Angst versinken, in: FAZ vom 6.6.1978.Google Scholar

Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag GmbH & Co. KG, Darmstadt 1978

Authors and Affiliations

  • Fränzi Maierhöfer
    • 1
  1. 1.NürnbergDeutschland

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