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Mißhandlung und sexueller Mißbrauch

  • R. Lempp

Zusammenfassung

Während die körperliche Mißhandlung von Kindern diese zunächst nicht zum Kinderpsychiater, sondern in der Regel eher zum Kinderarzt oder Chirurgen führt und auch zunächst in Kindergarten oder Schule an den äußeren Zeichen körperlicher Mißhandlung festgestellt wird, ist der sexuelle Mißbrauch von Kindern ein sehr verdecktes Symptom, das wegen seiner meist fehlenden sichtbaren, aber unter dem Bild sehr verschiedener Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatischen Störungen sich verbergenden Folgen meist am ehesten in der kinderpsychiatrischen Sprechstunde festzustellen ist. Sowohl die körperliche Mißhandlung des Kindes, wie aber noch viel mehr der sexuelle Mißbrauch unterlag lange Zeit einem Tabu, und es bedurfte gerade bei der letzteren einer intensiven Aufklärung und Information, um überhaupt verdächtige Hinweise und Situationen erkennen zu können und die Diagnose zu stellen. Eine intensive Aufklärung hat hier einen beachtlichen Wandel geschaffen, aber auch in überschießender Weise da und dort ein paranoides Klima geschaffen, das nicht nur einer Hilfe für das Kind oft im Wege steht, sondern vor allem einer therapeutischen Aktivität für dieses Syndrom einer gestörten Familie. Wie in kaum einem anderen Fall liegt die entrüstete und mitleidvolle Identifikation mit dem gequälten Kind und eine verfolgende Haltung gegenüber den quälenden Eltern nahe, sie führt aber eher zu einer Zerstörung der Familie, die letztlich auch das Kind belastet und mehr Trümmer hinterläßt, als tatsächliche Hilfe bieten kann.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • R. Lempp

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