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Notwendigkeit und Verantwortung im Umweltschutz

Überlegungen aus der Sicht der Moraltheologie
  • Gerhard Höver
Chapter
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Zusammenfassung

In seiner Erzählung „Langsame Heimkehr“ berichtet Handke (1984, S. 9) von einem Geologen namens Sorger, der alles zurückgelassen hat, was ihn an Heimat und Familie bindet. Im fernen Alaska von den Realitäten bald wieder eingeholt, erfährt er seine Verlorenheit; er will aber, so heißt es gleich zu Anfang, die Verantwortung und ist „durchdrungen von der Suche nach Formen, ihrer Unterscheidung und Beschreibung über die Landschaft hinaus“. In dieser Suche nach Formen strebt er nach Halt und Orientierung. Die Landschaftsbeschreibung, die Erfassung von Räumen ist für ihn so etwas wie „Religion“ (Handke 1984, S. 16). Dabei ist es nicht allein die unberührte Natur, die ihn fesselt, auch die stadtgeprägten Räume mit ihrer Fülle kaum wahrnehmbarer Buckel und Mulden, mit den Hebungen und Senkungen im Straßenpflaster, mit den durch die Jahrhunderte eingetretenen Kirchenböden und Steintreppen vermögen Orientierung, lebensnotwendigen Atem und damit Selbstvertrauen zu geben (vgl. Handke 1984, S. 13f.)- Immer wieder erfährt Sorger in der Erfassung der Physiognomie eines Ortes, wie er dabei ins Philosophieren gerät. „Vor Ort“, so heißt es, wird er eins mit sich und der Landschaft — aber nur tagsüber durch seine Arbeit (vgl. Handke 1984, S. 42). Denn die Zustände der Harmonie, die Sorger erlebt, erweisen sich als unstet und bedroht.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1992

Authors and Affiliations

  • Gerhard Höver
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

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