Physiologie der Bewegungen IV: Weitere Bewegungsvorgänge

  • Hans Mohr
  • Peter Schopfer

Zusammenfassung

Seit der Entdeckung, daß bei den meisten Gymnospermen und bei allen Angiospermen der Pollenschlauch die ♂ Geschlechtszellen transportiert und in den Embryosack geleitet (→ Abb. 614), hat man sich darum bemüht, herauszufinden, welche Faktoren den Pollenschlauch bei seinem Wachstum steuern. Zur Erinnerung: Das Drüsengewebe der Narbe ist mit dem Hohlraum des Fruchtknotens durch ein Gewebe verbunden, das ebenfalls den Charakter eines Drüsengewebes hat. Durch dieses stigmatoide Gewebe wachsen die Pollenschläuche. Hat der Griffel einen Kanal, so kleidet das stigmatoide Gewebe den Stylarkanal aus, ist der Griffel solide, so bildet das stigmatoide Gewebe einen oder mehrere Stränge, die in das Grundgewebe eingebettet oder mit den Leitbündeln verbunden sind. Die Pollenschläuche durchdringen in diesem Fall das stigmatoide Gewebe in den Interzellularen. Stylarkanal oder Interzellularen sind von einer viscosen Flüssigkeit erfüllt, die hauptsächlich Pektine und Proteine enthält. Diese Interzellularsubstanz,besonders der Kohlenhydratanteil, dient der Ernährung des Pollenschlauchs. Die Proteine sind, so glaubt man, auch an der Inkompatibilitätsreaktion beteiligt (→ S. 552). Wie wird ein Pollenschlauch auf seiner Bahn gehalten? Experimente deuten darauf hin, daß man sich das stigmatoide Gewebe nicht als ein mechanisches Leitsystem vorstellen darf; man muß vielmehr annehmen, daß die typischen Drüsenzellen des stigmatoiden Gewebes (dichtes Cytoplasma, große Zellkerne) Substanzen sezernieren, die chemotropisch die Pollenschläuche lenken.

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Weiterführende Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1978

Authors and Affiliations

  • Hans Mohr
    • 1
  • Peter Schopfer
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für BotanikBiologisches Institut II der UniversitätFreiburg i. Br.Deutschland

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