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Die Rechtswissenschaft

  • Leopold Wenger
  • Wolfgang Kunkel
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 2/3)

Zusammenfassung

Nach der Überlieferung, an der zu zweifeln wir keinen Anlaß haben, steht am Beginn der römischen Rechtswissenschaft die geheime Rechtskunde einer priesterlichen Behörde, des Kollegiums der pontifices. Das eigentliche Wirkungsgebiet dieses Kollegiums war zu allen Zeiten die Pflege und Auslegung der sakralrechtlichen Normen, die nach römischer Anschauung den Verkehr des Menschen und namentlich des menschlichen Gemeinwesens mit der Gottheit in peinlicher Genauigkeit regelten. Wenn die gleiche Behörde noch in einer Zeit, in der das Sakrairecht bereits zu einer gesonderten Disziplin entwickelt war2, auch das weltliche Recht durch ihre Kenntnis und Auslegungstätigkeit beherrschte, so erklärt sich diese Tatsache aus den mannigfachen Zusammenhängen, die auch damals noch zwischen der Sphäre des Magisch-Religiösen und der Rechtsordnung bestanden: nicht nur insofern, als sakralrechtliche Tatbestände an zahlreichen Punkten in das weltliche Recht hineinragten3. Der für das altrömische Recht charakteristische Formalismus der Rechtsgeschäfte sowohl wie der Rechtsverfolgung beruhte in seiner Gesamtheit auf Vorstellungen, die der religiösen Magie urverwandt waren. Wie Gebet und Opfer konnte auch die feierliche Rede und Widerrede im Rechtsverkehr nur dann wirksam sein, wenn der Sprecher die rechten Worte fand und die rechten Handlungen dazu vornahm. Kenner aller Formulare (carmina), auch der privatrechtlichen, waren die pontifices. An sie wandte sich darum auch der Privatmann in seinen Rechtsangelegenheiten mit der Bitte um ein Gutachten (responsum).

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag / Berlin · Göttingen · Heidelberg 1949

Authors and Affiliations

  • Leopold Wenger
  • Wolfgang Kunkel
    • 1
  1. 1.UniversitätHeidelbergDeutschland

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