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Einfache Modelle für deterministische und probabilistische Erklärungen: Diskrete Zustandssysteme

  • Wolfgang Stegmüller
Part of the Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie book series (STEGMUELLER, volume 1)

Zusammenfassung

Für die Zwecke des Studiums der Logik der naturwissenschaftlichen Erklärung wäre es außerordentlich wertvoll, wenn man alle relevanten Begriffe anhand einfacher physikalischer Modelle studieren könnte. Die meisten verfügbaren Modelle sind leider verhältnismäßig kompliziert und ihre genaue Untersuchung setzt die Beherrschung eines mehr oder weniger umfangreichen mathematischen Apparates voraus. N. Rescher hat gezeigt, daß es einen Typus von Modellen gibt, welche leicht zu durchschauen und mit größter Präzision zu beschreiben sind, ohne daß man dafür anderweitige theoretische Hilfsmittel benötigte. Die Analyse dieser Systeme wird sich aus drei Gründen als zweckmäßig erweisen: Erstens läuft man hier nicht Gefahr, daß die Aufmerksamkeit unnötigerweise auf solche Details abgelenkt wird, die im gegenwärtigen Zusammenhang ohne Relevanz sind, eine Gefahr, die um so größer ist, je schwieriger die Handhabung des technischen Apparates ist. Zweitens zieht die Verwendung von Hilfsmitteln der höheren Mathematik spezielle philosophische Probleme sui generis nach sich, mit denen die Diskussion der wissenschaftlichen Erklärung nicht belastet werden sollte. Zu diesen speziellen Problemen würde z. B. die Frage nach der Natur und nach der Rechtfertigung jener Idealisierungen gehören, die man vornimmt, wenn man physikalischen Zustandsgrößen Merkmale wie die Stetigkeit zuschreibt, die in der Sprache der Analysis formuliert sind; ferner etwa das Problem, ob und in welchen Grenzen die nichtkonstruktive klassische Mathematik in den empirischen Wissenschaften angewendet werden darf oder ob wir uns für die Anwendung auf den konstruktiv interpretierbaren Teil zu beschränken hätten. Drittens wird sich zeigen, daß durch die Betrachtung dieser einfachen Systeme gewisse Vorurteile, z. B. über die angebliche Symmetrie von Prognosen und Retrodiktionen in streng deterministischen Welten, leicht und überzeugend zu beseitigen sind, Vorurteile, die nicht nur unter philosophischen Laien, sondern sogar unter Naturforschern und Naturphilosophen verbreitet sind.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1969

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Stegmüller
    • 1
  1. 1.Philosophisches Seminar IIUniversität MünchenDeutschland

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