Allgemeine Sinnesphysiologie

  • Wolf D. Keidel
Part of the Heidelberger Taschenbücher book series (HTB, volume 97)

Zusammenfassung

Für den Naturforscher ist die Frage sehr schwer zu entscheiden, ob der Mensch in erster Linie ein handelndes oder ein empfindendes Lebewesen sei. Am Menschen wie am Tier lassen sich ohne Frage Verhaltensweisen beobachten, die Reaktionen auf Reize aus seiner Umwelt darstellen. Derartige Reize lösen zunächst Stoffwechseländerungen im Inneren der Organismen aus, die man als Erregung bezeichnet. Solche Stoifwechseländerungen lassen sich als Wirkungen von Reizen, d. h. von Änderungen in der Umwelt eines Lebewesens, mit Hilfe elektro- physiologischer Verfahren objektivieren. Es gibt also grundsätzlich zwei Verfahrensweisen, den handelnden und empfindenden Menschen deskriptiv zu beschreiben und an ihm sinnesphysiologische Messungen vorzunehmen, nämlich erstens die Verhaltensforschung und zweitens die Elektrophysiologie. Da sich aber außer den Reaktionen auf Umweltreize auch die Bewußtseinsinhalte einer anderen Person durch Erfragen und die der eigenen Person durch Introspektion ermitteln lassen, müssen außer den beiden genannten Untersuchungsmethoden zwei weitere berücksichtigt werden, nämlich drittens die sogenannte psychophysische Methode und viertens die Introspektion. Man hat sich angewöhnt, die beiden letzteren Verfahren als „subjektive“ Meßmethoden zu bezeichnen und ihnen die beiden erstgenannten Methoden, die Verhaltensforschung und die Elektrophysiologie, als „objektive“ Methoden gegenüberzustellen. Wie Abb. 9 erkennen läßt, setzen aber alle vier genannten Verfahrensweisen mindestens ein Subjekt voraus, nämlich den Beobachter. Ohne den Naturforscher ließe sich keine Einzelbeobachtung durchführen, ohne seine Abstraktion und seine denkende Auswertung der Einzelergebnisse kein Naturgesetz aufstellen. Daran ändert auch der Einsatz von Apparaturen, Meßgeräten, Oszülographen etc. nichts.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1971

Authors and Affiliations

  • Wolf D. Keidel
    • 1
  1. 1.I. Physiologischen InstitutsFriedrich-Alexander-UniversitätDeutschland

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