Experimentelle Untersuchungen zur Bromcarbamid-Intoxikation

  • Ch. Mittermayer
  • H. Neuhof
  • K. D. Pohl
Conference paper
Part of the Aktuelle Probleme der Intensivmedizin / Current Topics in Intensive Care Medicine book series (AEMB, volume 195B)

Zusammenfassung

Die Lungen der an einer Bromcarbid-Vergiftung verstorbenen Patienten zeigen schwere interstitielle und perivasculäre Oedeme sowie Endothelläsionen und Mikrothroben. Auch im Tierversuch kommt es zu einem Thrombocytensturz mit signifikantem Abfall von Faktor V. Während die Plättchenaggregation durch Heparin und ein Persantin-Derivat verhindert werden kann, sind die Endothelläsionen und der Kreislaufverfall nicht zu beeinflussen. Im akuten Vergiftungsversuch kommt es beim Kaninchen zu einem Abfall des arteriellen Mitteldrucks im großen Kreislauf, während der Druck im kleinen Kreislauf leicht ansteigt. Das Herzzeitvolumen nimmt in der Regel zunächst zu und fällt praefinal ab. Bei Relaxation und künstlicher Beatmung kommt es gleichfalls zu einem Abfall des peripheren Strömungswiderstandes, während der Widerstand in der Lungenstrombahn zunächst abfällt und erst gegen Versuchsende zunimmt. In diesem Falle sind die Änderungen des Kreislaufs nicht durch Hypoxämie oder Hypercarbie zu erklären.

Der Mechanismus der Bromcarbid-Intoxikation unterscheidet sich deutlich von der Barbiturat-Intoxikation. Die Bromcarbamide sind schwer loslich; bei massiven, suicidalen Vergiftungen ist die Tablettenmasse oft nach mehr als 12 Stunden noch als schattengebender Kontrast im Magen rontgenologisch nachweisbar. Toxisch wirksam sind wahrscheinlidi die bromfreien Metaboliten. Ihre Serum-Konzentration steht in einem gewissen Gleichgewicht zu der Konzentration der entgifteten Endprodukte, so dafi ein stetiger aber langsamer Nachstrom aus dem enteralen Depot stattfindet. Sofern man fiir freie Luftwege und kiinstliche Beatmung sorgt, ist diese langsame, spontane Elimination letaler Bromcarbamiddosen weniger riskant als grofie Infusionen (mit dem Ziel einer forcierten renalen Aussdieidung).

Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag, Darmstadt 1974

Authors and Affiliations

  • Ch. Mittermayer
    • 1
  • H. Neuhof
    • 2
  • K. D. Pohl
    • 3
  1. 1.Institut der Med. Univ.-KlinikFreiburg i. Br.Deutschland
  2. 2.Medizin. Univ.-KlinikGießenDeutschland
  3. 3.Institut für gerichtl. MedizinMed. Univ.-KlinikFreiburg i. Br.Deutschland

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