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Die sogenannte Organhaftung und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Versuch einer Analogiebildung zu Richterrecht

  • Burkhard Schmiedel
Conference paper

Zusammenfassung

Das Wort „Organhaftung” ist ein abstrakter und zudem ein dogmengeschichtlich sehr befrachteter Begriff. Spricht man überdies von der „sogenannten Organhaftung”, so will man sich offenbar von diesem Begriff distanzieren, will ihn sich nicht in seiner eigentlichen Bedeutung zu eigen machen. So wäre es recht mühsam, mit einer Begriffsklärung zu beginnen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    BGHZ45, 311.Google Scholar
  2. 2.
    Diese Einschränkung macht auch der BGH; siehe a.a.O. S. 313 („in der Regel”).Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. etwa: Kornblum, Udo, Die Haftung der Gesellschafter für Verbindlichkeiten von Personengesellschaften (= Sammlung Athenäum, 3), 1972, S. 41 ff.Google Scholar
  4. Nitschke, M., Die Anwendbarkeit des im § 31 BGB enthaltenen Rechtsgedankens auf alle Unternehmensträger, NJW 1969, 1737, S. 1738 (Ausschluß des § 831 allerdings wohl nur bei atypischen Gestaltungen); Esser, J., Schuldrecht II, 4. Aufl. 1971, § 95 V, S. 290.Google Scholar
  5. Sellert, W., Zur Anwendung der §§ 831, 31 BGB auf die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, AcP 175 (1975) 77 ff.; Nicknig, Paul-Georg, Die Haftung der Mitglieder einer BGB-Gesellschaft für Gesellschaftsschulden (= Abhandlungen zum deutschen und europäischen Handels- und Wirtschaftsrecht, 6), 1972, S. 37 f.; Schmidt, Karsten, Gilt § 5 HGB im „Unrechtsverkehr”?, DB 1972, 959 ff., S. 959; Soergel/Zeuner, BGB Bd. 3, 10. Aufl. 1969, § 831 Anm. 176. — Schon vor BGHZ 45, 311, u.z. mit besonders sorgfältiger Begründung, Fabricius, F., Zur Haftung der BGB-Gesellschaft für unerlaubte Handlungen aus der Geschäftsführung von Gesellschaftern, in: Gedächtnisschrift f. Rudolf Schmidt, 1966, 171, S. 172 ff. — Wenige Jahre nach Inkrafttreten des BGB bereits Marcus, Haftung von Gesellschaften des bürgerlichen Rechts für Wettbewerbsdelikte ihrer Geschäftsführer, DJZ 1906, 78 f.Google Scholar
  6. 4.
    Zu der vor BGHZ 45, 311 herrschenden Auffassung: Fabricius, a.a.O.; Kornblum, a.a.O., S. 11 f. (mit Nachweisen).Google Scholar
  7. 5.
    So BGHZ 45, 311, S. 313 und alle in N. 3 Genannten außer Sellert (der das herkömmlicherweise für die Geschäftsherren Stellung geforderte „Weisungsrecht” insgesamt durch andere Kriterien zu ersetzen sucht).Google Scholar
  8. 6.
    BGH, a.a.O.Google Scholar
  9. 7.
    Ob § 831 BGB als Zurechnungsnorm für den Regelfall wirklich ausscheiden muß, soll hier dahingestellt bleiben; ich hoffe, darauf in einer späteren Arbeit zurückkommen zu können.Google Scholar
  10. 8.
    So: Fabricius, a.a.O. (N. 3), S. 179 ff.; Kornblum, a.a.O. (N. 3), S. 44 ff; Nitschke, a.a.O. (N. 3) (allerdings für „alle Unternehmensträger”); Sellert, a.a.O. (N. 3), S. 98 ff.; Nicknig, a.a.O. (N. 3), S. 34 ff.; Westermann, Harry, Personengesellschaftsrecht, 2. Aufl. 1973, Rdnr. 380 (zumindest dazu neigend); Flume, W., Die Gesamthand als Besitzer, in: Freundesgabe f. Hans Hengeler, 1972, 76 ff., S. 85; ders., Schuld und Haftung bei der Gesellschaft des bürger-lichen Rechts, in: Festschrift f. Harry Westermann, 1974, 119 ff., S. 142 f.; Esser, a.a.O. (N. 3), § 95 V, S. 290; Beuthien, V., Die Haftung von Personengesellschaften, DB 1975, 725 ff., 774 ff., S. 775; Wiedemann, Herbert, Juristische Person und Gesamthand als Sondervermögen, Sonderbeitrag Nr. 4/1975 zu Nr. 34 der WM vom 23.8.1975; Reinhardt, Rudolf, Gesellschaftsrecht, 1973, S. 46; Schmidt, Karsten, a.a.O. (N. 3), S. 959 u. 962.Google Scholar
  11. 9.
    Vgl. von den in der vorstehenden Nota Genannten vor allem Fabricius, Nitschke, Kornblum und Nicknig.Google Scholar
  12. 10.
    Heck, Philipp, Grundriß des Schuldrechts, 1929, S. 377.Google Scholar
  13. 11.
    Vgl. den Leitsatz der Entscheidung des BGH vom 8.2.1952, LM Nr. 1 zu § 126 HGB= NJW 1952,537.Google Scholar
  14. 12.
    Dieser Ansatz findet sich schon bei Marcus, a.a.O. (N. 3), und, jedenfalls im Prinzip, jetzt auch bei Ernst, a.a.O. (N. 3), S. 144 ff. (nach ausführlich begründeter Zurückweisung der Argumente von Fabricius für die Analogie zu § 31 BGB auf S. 139 ff.).Google Scholar
  15. 13.
    Vgl. etwa: BGH, a.a.O. (N. 11); Hueck, Alfred/Hueck, Götz, Gesellschaftsrecht, 17. Aufl. 1975, S. 41; Hueck, Alfred, Das Recht der offenen Handelsgesellschaft, 4. Aufl. 1971, S. 274; Soergel/Schultze-v. Lasaulx, BGB Bd. 1, 10. Aufl. 1967, § 31 Anm. 11. — Anders jedoch insbesondere: Nitschke, a.a.O. (N. 3) S. 1740; Rittner, Fritz, Die werdende juristische Person, 1973, S. 258 f.; Ernst, a.a.O. (N. 3), S. 144/145.Google Scholar
  16. 14.
    BGHZ 45, 311, S. 312.Google Scholar
  17. 15.
    Nachweise sogleich unter IV.Google Scholar
  18. 16.
    Vgl. Gierke, Otto, Deutsches Privatrecht I, 1895, S. 472.Google Scholar
  19. 17.
    v. Tuhr, Andreas, Der Allgemeine Teil des Deutschen Bürgerlichen Rechts I, 1910, S. 464; v. Tuhrs glanzvolle Widerlegung der Organtheorie beginnt auf S. 461.Google Scholar
  20. 18.
    Zu dieser Gleichsetzung Schmiedel, Burkhard, Deliktsobligationen nach Deutschem Kartellrecht I, Zivilrechtsdogmatisehe Grundlegung: Untersuchungen zu § 823 Abs. 2 BGB, 1974, S. 201 ff.; siehe auch Rödig, Jürgen, Die Theorie des gerichtlichen Erkenntnisverfahrens, 1973, § 64 (S. 279 ff.), explizit zum Verhältnis „Gesetzgeber”-„Gesetzesverfasser” S. 299 N. 58.Google Scholar
  21. 19.
    Siehe in diesem Zusammenhang vor allem: Zur Gesetzgebungstechnik, in: Festschrift f. Justus Wilhelm Hedemann, 1938, S. 75 ff. (zur Analogie S. 80 f.).Google Scholar
  22. 20.
    RGZ 15,121 (5.2.1886).Google Scholar
  23. 21.
  24. 22.
    Siehe v. Lutz, J. (Hrsg.), Protokolle der Kornmission zur Berathung eines allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuches [„Nürnberger Protokolle”], Beilagenband I,1861, S. 162, Art. 116.Google Scholar
  25. 23.
    Nürnberger Protokolle, a.a.O., S. 151, Art. 52 und S. 180, Art. 211.Google Scholar
  26. 24.
    Nürnberger Protokolle, IX. Theil, S. 4518 f.Google Scholar
  27. 25.
    Ibd. S. 4582 und S. 4544.Google Scholar
  28. 26.
    RGZ 15, 121, S. 123.Google Scholar
  29. 27.
    In RGZ 10, 301 (29.6.1883).Google Scholar
  30. 28.
    RGZ 15,121, S. 123 ff.Google Scholar
  31. 29.
    Ibd. S. 127.Google Scholar
  32. 30.
    A.a.O. (oben N. 22 mit N. 24), S. 4518.Google Scholar
  33. 31.
  34. 32.
    RGZ 15,121, S. 127/128.Google Scholar
  35. 33.
    Ibd. S. 129.Google Scholar
  36. 34.
    Unten unter 3.Google Scholar
  37. 35.
    35. RGZ 17, 93 (21.3.1887).Google Scholar
  38. 36.
    RGZ 20,190 (21.4.1888).Google Scholar
  39. 37.
    RGZ 32, 32(2.11.1893).Google Scholar
  40. 38.
    A.a.O. S. 35.Google Scholar
  41. 39.
  42. 40.
  43. 41.
    Siehe §714 BGB.Google Scholar
  44. 42.
    Das bedeutet in der praktischen Konsequenz, daß BGB-Gesellschaften, die wirtschaftlich ohne oder von geringer Bedeutung sind, für das die offenen Handelsgesellschaften treffende Haftungsprinzip ausscheiden, denn bei solchen Gesellschaften besteht regelmäßig kein Anlaß, sich über die Regelung von Geschäftsführung und Vertretung auch nur Gedanken zu machen. Damit kommt es zu einer auch unter Billigkeitsgesichtspunkten wünschenswerten Differenzierung, die doch bei klaren, spezifisch juristischen Tatbestandskriterien ansetzen kann und nicht auf einen so unsicheren Maßstab wie „wirtschaftliche Größe” zu rekurrieren braucht.Google Scholar
  45. 43.
    Vgl. oben N. 32 und das zugehörige Zitat.Google Scholar
  46. 44.
    Bei Hahn, C./Mugdan, B., Die gesammten Materialien zu den Reiehs-Justizgesetzen VI, Materialien zum Handelsgesetzbuch, 1897.Google Scholar
  47. 45.
    RGZ 46, 18, S. 20.Google Scholar
  48. 46.
    RGZ 76, 35 (13.2.1911), S. 48.Google Scholar
  49. 47.
    Siehe Rittner, a.a.O. (N. 13).Google Scholar
  50. 48.
    Nachweise oben N. 13.Google Scholar
  51. 49.
    So Soergel/Schultze v. Lasaulx, a.a.O. (N. 13); Sellert, a.a.O. (N. 3), S. 98;Hueck, A., a.a.O. (N. 13).Google Scholar
  52. 50.
    Die „Zwischenschaltung” des Gewohnheitsrechts, wonach erst „die allgemeine Rechtsüberzeugung, die sich in einer konstanten Übung manifestiert”, einer ständigen (höchstrichterlichen) Rechtsprechung normativen Charakter verleihen soll (so Larenz, Karl, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, 3. Aufl. 1975, S. 425), dürfte auch sonst in aller Regel auf eine bloße Fiktion hinauslaufen.Google Scholar
  53. 51.
    Aus der — allmählich schwer überschaubar werdenden — Literatur zu Richterrecht seien genannt (alle mit weiteren Nachw.): Fischer, Robert, Die Weiterbildung des Rechts durch die Rechtsprechung, 1971; Kruse, Heinrich Wilhelm, Das Richterrecht als Rechtsquelle des innerstaatlichen Rechts, 1971 (= Recht und Staat, 396), Schneider, Hans-Peter, Richterrecht, Gesetzesrecht und Verfassungsrecht, 1969; Coing, Helmut, Zur Ermittlung von Sätzen des Richterrechts, JuS 1975, 277 ff.Google Scholar
  54. 52.
    So von den in N. 8 Genannten insbesondere Fabricius, Nitschke, Harry Westermann, Flume (1974), Beuthien.Google Scholar
  55. 53.
    In der Festschrift f. Harry Westermann, 1974, S. 143.Google Scholar
  56. 54.
    Der Rekurs auf die „Analogie zu § 31 BGB”, die nur die Haftung mit dem Gesellschaftsvermögen trage (a.a.O.), übersieht — wie dargelegt — Ursprung und Geltungsgrund des fraglichen Haftungsprinzips schon bei der offenen Handelsgesellschaft.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1978

Authors and Affiliations

  • Burkhard Schmiedel

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