Die akute Blutungsanämie

  • Ludwig Heilmeyer
Part of the Handbuch der Inneren Medizin book series (INNEREN, volume 2 / 2)

Zusammenfassung

Die akute Blutungsanämie ist ein schönes Beispiel dafür, daß eine sichtbar werdende Krankheitserscheinung bereits der Ausdruck einer reaktiven Heilmaßnahme des Organismus ist. Denn die Anämie tritt erst dann in Erscheinung, wenn durch Einstrom von Gewebsflüssigkeit die zunächst verminderte Blutmenge aufgefüllt wird. Sie ist der Ausdruck des ersten ReparationsVorgangs. Die unmittelbare Folge des Blutverlustes ist nicht die Anämie, sondern dieOligämie. Von ihr droht die schwere Gefahr, und sie verursacht die ersten stürmischen Symptome: Verfall der Gesichtszüge, enorme Blässe der Haut, Flimmern und Schwarzsehen, Ohrensausen, Schwindel, kleiner und frequenter Kollapspuls, Absinken des Blutdrucks, Umnebelung des Bewußtseins und schließlich Atemnot, Pupillenweitung, Gähnen, Erbrechen, motorische Unruhe, Krämpfe und tiefe Bewußtlosigkeit mit Abgang von Harn und Stuhl, Exitus. Wenn die Blutungsanämie in Erscheinung tritt, ist die akute Gefahr häufig schon vorüber: der Organismus ist dem Leerlaufen des Kreislaufs durch Einstrom von Gewebswasser bereits begegnet. Natürlich kann durch Fortdauer das Blutverlustes auch jetzt noch das tödliche Ende eintreten; aber dieses erfolgt im akuten Falle immer durch Versagen des Kreislaufs infolge mangelnder Gefäßfüllung und nicht durch die abnorme Verminderung der Erythrocyten und des Hb. Die Mobilisierung von Gewebsflüssigkeit und deren Einstrom in die Blutbahn erzeugt ein weiteres Symptom der akuten Blutung, den beträchtlichen Durst, dessen Stillung nur dann Sinn hat, wenn die Blutung sicher steht. Nicht selten beobachtet man im Anschluß an eine akute schwere Blutung eine leichte Fiebersteigerung; auch vorübergehende ein- oder doppelseitige Erblindung wurde mehrfach gesehen (Mittelstrass und Kreibig), sie tritt meist erst mehrere Tage nach dem Blutverlust auf. Der Augenhintergrund kann dabei ganz normal sein; manchmal sieht man Netzhautblutungen oder Papillenödem (Røe, Schwaber u. Blumberg 1961). Overhof sah sogar symmetrische Gehirnerweichungsherde im Putamen und Pallidum nach schwerer akuter Magenblutung.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1970

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  • Ludwig Heilmeyer

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