Zusammenfassung

Bei einer großen Anzahl von Organismen im Tier und Pflanzenreich ist die Ausprägung des Geschlechtes offenbar nicht durch genetische Faktoren, sondern durch andere physiologische Verhältnisse oder (ökologische) Außenbedingungen verursacht. Bestimmter ausgedrückt würde das bedeuten, daß hier nicht die im genetischen Experiment erfaßbaren Geschlechtsrealisatoren, wie sie der haplogenotypischen Geschlechtsbestimmung zugrunde gelegt wurden, in der Méiose auf die Gonen verteilt werden, sondern in allen Stufen des Entwicklungscyclus gegenwärtig sind, die Organismen daher als genetische Zwitter angesehen werden müssen (s. Fökster, S. 31 ff., in diesem Band). Es würde demnach hier gefordert werden, daß bei den hier zu betrachtenden Algen, die in der Haplooder Diplophase die Potenz besitzen, beide Sorten von Geschlechtsorganen oder Geschlechtszellen zu bilden, jeweils beide Geschlechtsfaktoren vorhanden seien. Diese Art der Geschlechtsbestimmung wird als phänotypische oder modifikatori-sche Geschlechtsbestimmung bezeichnet. Die entscheidenden Faktoren, die einen ganzen Organismus, einen Teil desselben oder auch nur eine einzelne Zelle in weiblicher oder männlicher (bzw. Plus- oder Minus-)Richtung differenzieren, können Umwelts- und Kulturbedingungen oder innere physiologische Zustände wie Alter oder Lage eines Teiles im Gesamtorganismus usw. sein. Während bei den Metazoen und den höheren Pflanzen genauere genetische und physiologische Analysen vorliegen, sind unsere Kenntnisse bei den Algen und Pilzen bescheiden.

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© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1967

Authors and Affiliations

  • Kurt Köhler

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