Zusammenfassung

Überall da, wo die Medizin Krankheiten zu heilen versucht, deren Ätiologie sie noch nicht kennt — es handelt sich dabei heute vorwiegend um chronisch verlaufende Leiden, auf welche sekundär eine Fülle pathogenetischer Momente einwirkt — muß sie den Erfolg ihrer Bemühungen am Symptom registrieren. Das bedeutet in der Regel den Verzicht auf eine „rationale Therapie“ in dem von Martini [127, 128] gemeinten Sinne. Es sei denn, es gelingt, das Prüfverfahren des „Vergleichs verschiedener Perioden in der gleichen Erkrankung des gleichen Kranken“ zur Anwendung zu bringen. Ein derartiger Vergleich scheitert in der Psychotherapie an einer Reihe von Schwierigkeiten. Wenn wir demzufolge anschließend unsere Erfolgsbeurteilung am Symptom vornehmen werden, so stehen wir einigen grundsätzlichen Problemen gegenüber. Da ist zunächst die Schwierigkeit, daß das Symptom bei den Neurosen den sehr beweglichen Teil — bei den verschiedenen Neurosen zwar mehr oder weniger beweglich — eines Oberflächengeschehens darstellt. Die Tatsache einer Symptombeseitigung sagt nichts darüber aus, ob es sich um eine bloße Manifestationsänderung der Grundkrankheit oder eine Besserung derselben handelt. Es gibt das Verschwinden des Symptoms bei Fortbestehen der Grundkrankheit und umgekehrt die Heilung der Grundkrankheit bei fortbestehendem Symptom. Aber auch noch andere Faktoren sind hier im Spiele. Ich nenne nur die Spontanheilung als eine der Möglichkeiten, in welcher sich die Eigengesetzlichkeit der Krankheit ausdrücken kann (siehe das Kapitel über Spontanheilung S. 68).

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Copyright information

© Springer-Verlag OHG / Berlin-Göttingen-Heidelberg 1962

Authors and Affiliations

  • Johannes Cremerius
    • 1
  1. 1.Medizinische PoliklinikUniversität MünchenDeutschland

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