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Die Reaktionsgefüge der Feldspäte

  • F. K. Drescher-Kaden
Part of the Mineralogie und Petrographie in Einzeldarstellungen book series (MINERALOGIE, volume 1)

Zusammenfassung

Im folgenden sollen die Reaktionsgefüge zwischen Plagioklas- Quarz gegen Kalifeldspat einerseits und Kalifeldspat-Quarz gegen beliebige Intergranular-wand andererseits behandelt werden. Es wird sich zeigen, daß die erstgenannte Verwachsungsart — der Myrmekit — zu dem im vorigen Abschnitt definierten Typ 1 gehört, während das Korngefüge Kalifeldspat- Quarz als Schriftgranit zum allgemeinen Fall mit nur einer reagierenden Kornart gegen beliebige Intergranularwand (Typ 2, Einkorn-Heaktionsgefüge) gerechnet werden muß, bei welchem der Quarz die neu entstehende Kornart ist. Auch beim Myrmekit ist der Quarz das durch den Reaktionsvorgang entstehende Produkt.

Literatur

  1. 1.
    Sederholm schlägt (1916, 2) vor, diese von Geijer aufgefundene Verwachsungsart in Analogie zur normalen Plagioklas-Orthoklas-Verwachsung Myrmekit-Anti perthit zu nennen und den Ausdruck Myrmekit-Perthit für die Verwachsung von Mikroklin und wurmförmigem Plagioklas zu reservieren, ein Vorschlag, der sehr zu begrüßen ist.Google Scholar
  2. 1.
    Ich möchte hierfür lieber das Wort „pneumatophag“vorschlagen, vorausgesetzt, daß man einmal mit wirklicher Sicherheit Korrosionswirkung von Gasen nachweisen kann.Google Scholar
  3. 1.
    Vgl. dagegen R.Vogel (1923, 1) welcher aus der Erfahrung des Metallographen ausführt, daß Kornvergrößerung bei Metallen stets zugunsten der konkav begrenzten (also die andern umfassenden) Kornarten vor sich geht!— Siehe auch Einleitung S.2 und 3Google Scholar
  4. 1.
    Die Bezeichnungsweise „granitisches Gestein” umfaßt Granite, granitische Gangbildungen, sowie jede Art metamorpher Abkömmlinge saurer Gesteinstypen des Grundgebirges und seiner metamorphen Rahmengesteine.Google Scholar
  5. 1.
    Es ist jedoch nicht in allen Fällen leicht, das Alter des Kalifeldspates sicher zu bestimmen. Seine oft ganz unregelmäßige, xenomorphe Begrenzung, die oft dünnen, häutigen Formen, die Längserstreckung in Richtung der Schieferungsebene deuten zunächst widerspruchsfrei auf spätere Zuführung hin. Man findet aber auch Kornformen, die nicht nur bei flüchtiger Betrachtung den Schluß auf höheres Alter des Kalifeldspates gegenüber dem Plagioklas zu rechtfertigen scheinen. In manchen Vorkommen kristalliner Schiefer (Muretto-Serie, Forno-Gebiet, Tessiner Gneise aus dem Maggiatal, von Osogna und Bellinzona usw.) enthalten die Plagioklase kleine, zerrissene Kalifeldspatfetzen, welche allseitig im Plagioklaswirt eingeschlossen, zuerst den Eindruck von Resten aufgefressener oder korrodierter Kalifeldspäte machen. (Die Unregelmäßigkeit der Konturen unterscheidet sie von echten Antiperthiten.) — Wenn auch prinzipiell die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, daß meinem in Ausgestaltung begriffenen Gefüge das vorhandene Gleichgewicht Kalifeldspat: Plagioklas zugunsten des letzteren durch Eindringen CaO-haltiger Lösungen wieder gestört und ein Teil der Geschichte des Gesteins wiederholt wird, so scheinen mir doch in diesem Fall die folgenden Beobachtungen dagegenzusprechen.Google Scholar
  6. 1.
    Die Kalifeldspatfetzen liegen häufig den Plagioklaskörnern nur auf, werden also nicht ringsum eingeschlossen;Google Scholar
  7. 2.
    sie erfüllen mitunter durch Spaltrisse begrenzte Hohlräume in den Plagioklasen. Aus beiden Beobachtungen ergibt sich, daß der Kalifeldspat nicht als älterer Rest anzusehen ist; der Einschlußcharakter des Kalifeidspat-Interngefüges ist vielmehr durch die Schnittlage vorgetäuscht. Das häufige Vorkommen dünner Kalifeldspathäute auf Plagioklas-korngrenzen, das Auftreten späterer, wohlbegrenzter Kalifeldspat-Kristalloblasten, welche zum Teil sichtbar mit den xenomorphen Kalifeldspatbildungen des Grundgewebes zusammenhängen, macht es so gut wie sicher, daß in den vorliegenden Beispielen die gesamte Kalifeldspatisierung des Gefüges erst nach der Plagioklasbildung eingesetzt hat.Google Scholar
  8. 1.
    Vgl. R. Vogel, 1923, 1 u. S.2.Google Scholar
  9. 1.
    Korrosionsquarzbildungen in Plagioklas von geradezu klassischer Schönheit in Form dünner gebogener Stengel von tentakelähnlichem Aussehen bildet Per H. Lundegårdh (1943, 3, S. 358) ab.Google Scholar
  10. 1.
    Als Gegensatz dazu möge die Granophyrstruktur erwähnt sein. Dort findet man häufig die dünnen und zarten Quarzstengel in der Mitte des Kristallkorns. Anscheinend hat hier die Ausbreitung der Quarzstengel von der Mitte nach außen stattgefunden (s. S. 164).Google Scholar
  11. 1.
    Häufig bis zu einer gemeinsamen Frontlinie („Infiltrationsfront“).Google Scholar
  12. 1.
    Ältere Autoren, die den höchstwahrscheinlich sekundären Charakter der Perthitbildung betonen, sind F. Klockmann (1882), J. Lehmann (1884, 1885) und J. Romberg (1892, 1). Der letztere hält die Perthitisierung vor allem deswegen für sekundär, weil die Albitschnüre über die Zwillingsgrenzen ihrer Wirte hinwegsetzen und häufig auf Spaltflächen liegen.Google Scholar
  13. 2.
    H. Seifert, (1937, 8).Google Scholar
  14. 1.
    O. H. Erdmannsdörffer hat für derartige späte Gefüge, welche aus Reaktionen zwischen Korngrenzen hervorgehen, die treffende Bezeichnung „Intergranularsymplektit“vorgeschlagen (1946).Google Scholar
  15. 1.
    Über Experimente auf diesem Gebiet vgl. F. Stöber (1931, 3).Google Scholar
  16. 1.
    Schnaebele, M.: Dissertation. Straßburg 1944.Google Scholar
  17. 2.
    Herrn Kollegen Dr. E. Schnaebele möchte ich für seine aufschlußreiche Führung im Hohwaldgebiet auch an dieser Stelle herzlichst danken.Google Scholar
  18. 1.
    Bei Anwendung der Begriffe „älter“oder „jünger“sollte genau darauf geachtet werden, ob damit das Alter der Einsprenglinge gegenüber der magmatischen Schmelzlösung, welche sie aufgenommen hat, oder gegenüber anderen Gefügegenossen gemeint ist. Der von einer noch flüssigen Gangfüllung neu aufgenommene Einsprengling ist gegenüber dieser „jünger“. Wird er bei der folgenden Verfestigung korrodiert und seine Korrosionsbuchten und -schlauche mit Feldspatsubstanz ausgefüllt, so ist er gegenüber dieser „älter“.Google Scholar
  19. 1.
    Auf die Tatsache, daß in Verbindung mit Myrmekit-Plagioklas niemals „Überschuß-quarz“angetroffen wird, wurde schon S. 71 hingewiesen.Google Scholar
  20. 1.
    Im Original nicht ausgezeichnet.Google Scholar
  21. 1.
    Außer den bereits im 1. Teil erwähnten Arbeiten Beckes und Sederholms über den Myrmekit seien an wichtigen Spezialarbeiten über Reaktionsgefüge diejenige Gorno-stajews über die Mikropegmatite der Quarzdiorite aus der Kirgisensteppe, Popoffs über die Rapakiwiverwachsungen, Michots über den Symplektit und Erdmannsdörffers über Granitstrukturen des Schwarzwaldes erwähnt (s. Literaturverzeichnis).Google Scholar
  22. 1.
    Nicht erklärbar ist auf diese Weise die Verschiedenheit der lateralen Grenzflächen des Quarzkörpers, wegen seiner an einen Fisch erinnernden Form „Ichthyo“genannt. Während die Außenseite zumeist glatt und scharf ist, wird die Innenseite häufig von einer ganz unregelmäßigen, buchtig zerteilten Grenzfläche gebildet. Das eigentliche Innere der Quarzstengel besteht in diesem Fall nicht aus Quarz, sondern ist mit Feldspatsubstanz ausgefüllt,Google Scholar
  23. 1.
    Zur leichteren Vergleichung mit der Originalarbeit sind die Flächenzeichen Fersmanns verwendet worden.Google Scholar
  24. 1.
    Im Original nicht ausgezeichnet. — Die Streifen aller Pseudoflächen eines „Ichthyos“liegen in einer Ebene.Google Scholar
  25. 1.
    Daneben gibt es noch eine jüngere Albitphase (vgl. die beim Myrmekit beschriebene Albitkornbildung!), gut kenntlich an den Vorkommen von Striegau und der Lausitz, die ihrerseits wieder auf den Kristallflächen des „Köpfchen“-Quarzes aufsitzt. (Das Altersverhältnis Kalifeldspat-Albit-Quarz im Innern einer derartigen Verwachsung zeigt Abb. 98. Quarz ist hier zweifelsfrei die jüngste Bildung.) Vielleicht meinte Fersmann solche Bildungen und wollte zeigen, daß sie mit Entmischungsvorgängen der Kalifeldspäte nichts zu tun haben, sondern aus späteren Lösungen auf die schon fertig gebildeten Feldspat- Quarz-Gruppen abgesetzt wurden.Google Scholar
  26. 1.
    Die Art und Weise, wie die Anordnung des Quarzes im Feldspat erfolgt, macht eine echte Wachstumsregelung (Wachstumsvorgang im offenen Bereich) nicht wahrscheinlich.Google Scholar
  27. 1.
    Quarz zeigt in der Gefügetracht, Form und gegenseitigen Begrenzung der Kornarten eine ganz bestimmte, messend schwer zu erfassende, aber subjektiv leicht zu erkennende, charakteristische Form individueller Rekristallisation. Typische Rekristalli-sationsgefüge — wenn auch im großen von durchaus anderer Genese als schriftgranitische Quarzstengel —, sind die rekristallisierten Quarzite und Pseudokonglomerate Südafrikas und Krummendorfs. Die Datteln der letzteren sind, trotz des Einspruchs Scheumanns, der u.a. wegen der Nachbarschaft von Konglomerathorizonten auch für den Quarzit selbst Konglomeratnatur annimmt, in ihrer heutigen Form als Rekristallisationsgebilde aus einem ehemals einheitlichen Gestein hervorgegangen anzusehen, da die Korngröße der Quarze sich als Funktion der Abmessungen der Dattelkörper darstellen läßt. Die Pseudokonglomerate Südafrikas wurden von Percy Wagner als solche nachgewiesen. Sie stimmen mit den Krummendorfer Vorkommen bis in geringe Einzelheiten überein, wie denn auch schon C. F. Naumann die Krummendorfer Datteln mit den ähnlichen von Hitchkock erwähnten Vorkommen von Middletown vergleicht und für dieses die Konglomeratnatur ablehnte.Google Scholar
  28. 1.
    Wenn hier von mechanischen Deformationen als Ursache der Rekristallisationserschei-nungen gesprochen wird, so können damit keineswegs etwa nur auf Scherbeanspruchungen rückführbare Differentialbewegungen gemeint sein. Es gibt nämlich Drusenfeldspäte, welche ebenfalls Rekristallisationserscheinungen — oder sehr ähnliche Gefüge — zeigen. Auf diese kann aber keinesfalls eine direkte mechanische Deformation eingewirkt haben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich hier um thermische Spannungen handelte, welche den Quarzkorninhalt des Kalifeldspates zum Rekristallisationszerfall brachten, im Abklingen den weniger empfindlichen Feldspat bei noch erhöhter Temperatur aber wieder homogenisierten.Google Scholar
  29. 2.
    Diese summarische Ausdrucksweise bedeutet nicht, daß der Quarz selbst als Lösender auftritt. Es bleibt vielmehr offen, ob durch voraufgehende Lösungen Primäreinschlüsse im Feldspat bloßgelegt, die entstandenen Defekte unmittelbar gleichaktig oder später durch Quarz ausgefüllt oder ob der Quarz selbst als Relikt aus der Feldspatsubstanz bei der Herauslösung des Primäreinschlusses übrigblieb.Google Scholar
  30. 1.
    Man kann hier die Frage aufwerfen, ob die Porenflächen der Bergkristalle frühverheilte Haarsprünge sind, die durch mechanische Erschütterung (Labilität der Kluft- und Gangwandungen) angelegt wurden. — Für die Annahme thermischer Sprünge ergeben sich vorderhand keinerlei Anhaltspunkte.Google Scholar
  31. 1.
    Ist hieraus auf Verwendung feldspateigener SiO2 zur Quarzbildung zu schließen ? (s. S. 198).Google Scholar
  32. 1.
    Ein vergrößertes Teilgebiet, Abb. 133, zeigt einwandfrei das jüngere Alter des Quarzes, der zu seiner Ausbreitung die Plagioklas-Kalifeldspat-Grenze benutzt und mit einzelnen Körnern aus dem Kalifeldspatwirt in den Plagioklaseinschluß hinübergreift.Google Scholar
  33. 1.
    Möglicherweise hängt die Verteilung der Quarze von der Regelmäßigkeit des Inter-truncularnetzes ab!Google Scholar
  34. 1.
    Der Ausdruck „endcleptonisch“= inr erfeinbaulich wurde gewählt, um eine kurze, adjektivisch verwendbare Bezeichnung für die im Innern des feinbaulichen Bereichs sich abspielenden Vorgänge zu haben.Google Scholar
  35. 1.
    Da dieser auf der Spaltfläche angesiedelte Quarz in benachbarte Quarzrosetten übergeht und mit diesen zum Teil gleiche Auslöschung hat, ist die sekundäre Bildungsweise der Quarzrosetten und Flammen sichergestellt (s. S. 167).Google Scholar
  36. 1.
    Keineswegs alle Steinsalzvorkommen nehmen Wasser in sichtbarer Form auf. Messungen über die Wasseraufnahme von NaCl durch Bestimmung der Absorption im Ultraroten s. bei R. W. Pohl, 1941, 1, § 111.Google Scholar
  37. 1.
    Auf jeden Fall ist daher die Ubiquität der Oszillationsstreifung der Quarzkörper (= „Abgußformen“von Ätzschläuchen) leichter zu erklären, als durch Wachstumswirkung. Beim Abbau der Kristallsubstanz erwartet man von vornherein rhythmisch gegliederte Formen — etwa gestufte Ätzpyramiden. Beim Aufbau eines Kristalls dagegen sind streng rhythmische Substanzabscheidungen etwas Unerwartetes und bedürfen — solange es sich nicht um erkannte Lösungsschübe handelt — eingehender Sonderbegründung!Google Scholar
  38. 1.
    Es möge hier daran erinnert sein, daß die Ungleichwertigkeit der Quarzstengel-querschnitte keineswegs etwa regellos auftritt. In Schnitten senkrecht zur Stengelachse sind alle konvexen oder von geraden Flächen begrenzten Teile der Querschnitte überwiegend nach der einen Seite, die konkaven und unregelmäßigen, mitunter zerfetzt aussehenden Teile nach der anderen Seite gerichtet (Abb. 150). Wenn, wie es die beim Myrmekit erwähnte Arbeitshypothese darlegt, die Stengelbildung auf metasomatischen Austausch in den Lockerstellen des Gitters beruht, so müssen diese eine irgendwie geartete (symmetrieabhängige ?) Regelmäßigkeit in ihrer Anordnung zeigen oder auch nur den abbauenden Lösungen in der einen Richtung größeren Widerstand entgegensetzen als in der anderen.Google Scholar
  39. 1.
    Die Orientierung des Quarzgitters würde in diesem Fall in Abhängigkeit vom Feldspatgitter, also gesetzmäßig gegen dieses erfolgen (s. die Bevorzugung des 42°-Kreises durch die optischen Achsen des Quarzes S. 110).Google Scholar
  40. 2.
    Vgl. die Einschränkungen hierzu S. 108.Google Scholar
  41. 1.
    Dichte des Kalifeldspates 2,55, des Quarzes 2,65.Google Scholar

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© Springer Verlag OHG., Berlin, Göttingen and Heidelberg 1948

Authors and Affiliations

  • F. K. Drescher-Kaden

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