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Weitere Anwendungsgebiete der Handschriftenkunde. Hilfsmittel zur Aufklärung strittiger Urkundentatbestände

  • Hans Schneickert
Chapter

Zusammenfassung

Wenn ich weiß, daß ein Mensch, dessen Handschrift mir vorgelegt wird, wiederholt wegen schwerer Straftaten vorbestraft oder ein Berufsverbrecher ist, so ist diese Schriftprobe eine „Verbrecherhandschrift“. Ich kann diese Behauptung aber nicht aufstellen, wenn ich die eben genannte Voraussetzung nicht kenne und daher ohne jeden Anhaltspunkt eine Handschrift nach ihren verbrecherischen Eigenschaften prüfen soll. Gewiß wird ein erfahrener und nach wissenschaftlichen Grundsätzen arbeitender Graphologe es fertig bringen können, verschiedene Eigenschaftsgruppen und -Verbindungen zu erkennen, die im gewöhnlichen Leben als Voraussetzungen eines verbrecherischen Charakters gelten, sich auch tatsächlich bei gewissen Verbrechergruppen mehr oder weniger häufig finden werden, um daraus Schlüsse auf verbrecherische Veranlagung ziehen zu dürfen. Niemals aber wird er aus der Handschrift lesen können, daß der Schreiber ein Verbrechen dieser oder jener Art begangen hat oder noch begehen wird. Ich wiederhole, was ich an anderer Stelle über Verbrecherhandschriften gesagt habe1. Sicher ist, daß sich in der Handschrift eines Menschen auch mancherlei unangenehme und verachtungswürdige Charaktereigenschaften erkennen lassen, die bis zu einem gewissen Grade zur Vorsicht mahnen, für den Fall, daß man mit einem solchen Menschen Vertrauenssachen zu erledigen hätte… Aber wer wollte es wagen zu urteilen: Seine Handschrift sagt mir, daß er ein Verbrecher ist?

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1939

Authors and Affiliations

  • Hans Schneickert
    • 1
  1. 1.Universität BerlinDeutschland

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