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Zusammenfassung

Über die krankhaften Störungen, die zum Vagabundieren der Jugendlichen führen, soll ich Ihnen hier einen kurzen Überblick geben. Die Aufgabe ist nicht ganz leicht. Gewiss läßt sich eine große Anzahl der hierhergehörigen Fälle unschwierig unter bekannte Krankheitsbilder einreihen. Welche Störungen da in Frage kommen, darüber ist in den letzten beiden Jahrzehnten eine reichliche Literatur entstanden, seit Heilbronner in seiner bahnbrechenden Arbeit aus dem Jahre 1903 nachgewiesen hat, wie vielgestaltig die pathologischen Zustände sein können, die die Grundlage zum triebartigen Davonlaufen abgeben. Doch wird damit nur ein kleiner Teil der jugendlichen Vagabundage umschrieben. Denn so sehr Schulschwänzen, Herumtreiben u. dgl. m. in vielen Fällen Ausdruck abnormer Veranlagung oder Äußerung krankhafter Störungen sind, generell läßt sich das Vagabundieren bei Jugendlichen nicht als Krankheitssymptom auffassen. Vielfach kommt damit nur zum Ausdruck der sich in jedem Jugendlichen regende Trieb, die Welt zu ergründen, Neues zu erfahren und das Leben in allen seinen Gestalten von Grund aus zu erfassen, der mit zunehmender Selbständigkeit erwacht und überall dort als zielloses Umhervagieren in Erscheinung treten muß, wo aus irgendwelchen Gründen die Einordnung in das pedantische Gleichmaß häuslichen Geschehens und den engen Zwang der Schuldisziplin ausbleibt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • Reiß
    • 1
  1. 1.TübingenDeutschland

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