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Die sittlich - staatliche Entwicklung

  • Georg Mehlis

Zusammenfassung

Der Gegensatz, in dem das sittliche Bewußtsein lebt, ist durch den Dualismus von Sein und Sollen gekennzeichnet. Das Individuum ist niemals das, was es sein soll, es hat unendlich viele Bildungsmöglichkeiten, die ausgereift und gestaltet werden sollen. Sein zuständliches Sein steht immer im Gegensatz zu gewissen Forderungen, die an das Individuum ergehen, und deren Erfüllung ihm zur Pflicht gemacht ist. Das bedeutet also schließlich, daß die Individualität, wenn wir den Wert des sittlichen Lebens anerkennen, nicht tun und lassen darf, was sie will, sondern durch Anerkennung des Sollens eine bestimmte Gemütsverfassung, die wir moralische Gesinnung nennen, in sich kultivieren soll. Wenn nun der Mensch als Persönlichkeit die Fähigkeit besitzt, diesen wünschenswerten und vorbildlichen Zustand in sich zu realisieren, so bezeichnen wir ihn als frei. Frei ist der Mensch, der durch das Sollen bestimmt wird. Das ist die Idee der autonomen Moral, wie sie Kant gedacht hat, und gleichzeitig diejenige Auffassung, an der wir am besten das sittliche Leben orientieren können. Abgelehnt wird von diesem Standpunkt einer hochkultivierten Moral jede fremde Bestimmung. Das Individuum soll sich selbst Gesetzgeber sein. Es darf sich nie und nimmer einer fremden Gesetzgebung unterwerfen. Sei es nun, daß dieses Gesetzgebende und Bestimmende eine andere Person sei, oder die Macht unserer Triebe oder die Fremdheit eines anderen Wertes.

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© Julius Springer in Berlin 1915

Authors and Affiliations

  • Georg Mehlis

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