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Allgemeine Konstruktion des universalhistorischen Prozesses

  • Georg Mehlis

Zusammenfassung

Der Anfang des Menschengeschlechts ist für die Geschichtsphilosophie ein undurchsichtiges Dämmergrau, der Nebel der Vorzeit. Das Vorzeitige ist das Unhistorische, das Bewegungslose, das Unvernünftige. Mit ihm verbindet sich die Seligkeit des tierischen Daseins, das bloße Gegenwartsleben ohne Vergangenheit und Zukunft. Es ist der Naturzustand des Menschen, ein durch die Bedürfnisse des Augenblicks ausgefülltes Leben, reich vielleicht an Gefahren, reich vielleicht aber auch an primitiver Lust. Der Naturzustand ist das Glück des primitiven Menschen, eine einfache, homogene Lebenswelt. Ein stilles Leben ohne Tat und Ereignis, ohne starke innere Erschütterungen. Ein Leben unter Vorherrschaft der Phantasie oder vielmehr ein Leben, das haltlos hin- und herschwankt zwischen dem herben Bewußtsein der Realität und den Ankündigungen und Verheißungen einer imaginären Traumwelt. Ein reiches, volles, ausschweifendes Leben, das noch keine Ordnung und Gesetzmäßigkeit kennt. An diesem Leben hatte der Geist noch keinen Anteil. Er hatte noch nicht an ihm geformt und gebildet, sein Denken und Verstehen noch nicht in die Natur hineingelegt, um das Schöne, das er geschaffen, aus ihr herauszulesen. Der Mensch ist ja selber nur Natur und steht als Natur in dem natürlichen Zusammenhang der Dinge. Noch vermag sich seine Reflexion nicht über sie zu erheben, noch reichen seiner Seele Kräfte zur bildenden Tat nicht aus. Er ist Gegenstand unter Gegenständen, Stein unter Steinen. Noch geht kein Leben von ihm aus in die Dinge, sondern das Leben wohnt in ihm still in sich zurückgezogen.

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© Julius Springer in Berlin 1915

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  • Georg Mehlis

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