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Zusammenfassung

Euer Hochwohlgeboren Schreiben vom 6. Juni habe ich erhalten. So sehr erwartet mir sein anderweitiger Inhalt kam, so sehr erstaunt, ja entrüstet war ich darüber, an der Spitze desselben zu finden, „mein Gnadengesuch (!) an des Königs Majestät sei abschläglich beschieden worden und es hätten auch keine Gründe vorgelegen, mich der allerhöchsten Gnade zu empfehlen“. Es wird rein unerklärlich bleiben müssen, wie Eure Hochwohlgeboren oder der Sie mit jener Antwort beauftragende Justizminister einem so gewaltsamen Mißverständnis meiner an den König gerichteten Immediateingabe sich hingeben konnten. Jene Immediateingabe war nichts weniger als ein Gnadengesuch, Herr Generalprokurator, sie war vielmehr, wie es allenthalben in der Eingabe und ihrem motivierten Nachtrag heißt: ein Gesuch um authentische Interpretation der Amnestieordre vom 20. März 1848. Die Rechtsforderung, ein Gesetz auf sich angewandt zu sehen, ist aber, wie Eure Hochwohlgeboren bekannt sein wird, kein Gnadengesuch. Ich habe allenthalben in dem Nachtrage vom 1. Juni zu meiner Eingabe selbst ausdrücklich hervorgehoben, daß ich durchaus auf keine Gunst von des Königs Majestät Anspruch mache, daß ich die Anwendung der Amnestie als mein peremtorisches Recht fordere. Wie konnten also Eure Hochwohlgeboren von einem Gnadengesuch, Allerhöchster Gnade etc. sprechen? Abgesehen davon, daß die Amnestie vom 20. März viel zu benachbart ist den Barrikaden vom 18. bis 19. März, um als ein Gnadenakt ausgegeben werden zu können, so ist doch jedes-mal, selbst wenn der Erlaß der Amnestie ein Akt der Gnade war, die, Anwendung der einmal erlassenen Amnestie eine Rechtsnotwendigkeit, eine de droit zu stellende Forderung. Wie konnte man also eine ausdrücklich auf authentische Interpretation des Ediktes vom 20. März 1848 gerichtete Forderung als ein Gnadengesuch auffassen und als solches behandem wollen ? Man konnte meine Forderung, so gerecht sie war, abschlagen; aber man hat wenigstens dazu kein Recht, den Charakter meiner Eingabe mir ins Antlitz hinein zu denaturieren.

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References

  1. 1).
    Für Cantador vgl. unter Nr. 29.Google Scholar
  2. 1).
    Lassalle schreibt in der Eile irrig: durch, den Novemberereignissen. Mayer, Lassalle-Nachlass. IIGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

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