Zur Geschichte der ununterbrochenen Kühlung bei der Destillation

  • Edmund O. von Lippmann

Zusammenfassung

In meinem Aufsatze „Beiträge zur Geschichte des Alkohols“2) erwähnte ich, daß gleich so manchen anderen, anscheinend ganz einfachen und naheliegenden Erfindungen und Verbesserungen, auch der Kunstgriff einer ununterbrochenen Kühlung bei der Destillation erst nach Ablauf einer verhältnismäßig langen Frist bekannt wird und an die Stelle der älteren unvollkommenen Verfahren tritt, nämlich des zeitweiligen Aufgießens von kaltem Wasser auf die den Helm und Schnabel der Retorte bedeckenden Tücher, oder des öfteren Entleerens und Füllens der Kühlgefäße, in die anfangs nur der „Rezipient“, später auch das schlangenförmige Ableitrohr eingelegt wurde; weder Alderotti (= Florentinus, 1223–1303), der, wie ich nachwies, das Schlangenrohr zuerst beschreibt3), noch die Hervorragenden unter seinen nächsten Nachfolgern führen die ununterbrochene Kühlung an, Michael Savonarola (1384–1462) erwähnt sie nicht bei Aufzählung der „neuesten Vervollkommnungen der Destillation“ und ebenso wenig gedenken ihrer Biringuccio in der „Pirotechnia“ (Venedig 1540), Ruscelli (= Pedemontanus) in „De secretis libri septem“ (Basel 1563; Verfaßt um 1559 ?), sowie B. Porta (1539–1615) in seiner Jugendschrift „Magia naturalis“ (verfaßt 1559 ?) und in dem späteren ausführlichen Werke „De Distillatione“ (Rom 1608).

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Literatur

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    1. Seite Titel, 2. Seite weiß, 3.–11. Seite Text, 12. Seite weiß.Google Scholar
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    Diese Beobachtung ist natürlich schon uralt; die Anekdote erinnert an die von der Erfindung der Dampfmaschine durch Watt beim Betrachten eines kochenden Teekessels.Google Scholar
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    Derartige Öfen waren aber schon seit Jahrhunderten wohlbekannt, siehe meinen eingangs erwähnten Aufsatz.Google Scholar
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    Über die mannigfaltige pharmazeutische Benutzung von Skorpionen, Vipern usf., seit alter Zeit her, sowie über den Glauben, daß sie außerordentlich kräftige „Antidota“ (Gegenmittel) enthalten, s. Peters: Aus pharmazeutischer Vorzeit. Bd. 2, S. 41 ff. und 30 ff. Berlin 1899. Mit vielen, sehr interessanten Abbildungen.Google Scholar
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    Auf diesen Umstand geht wohl die irrtümliche Bemerkung Jöchers zurück, daß man das „Compendium“ ebenfalls dem Calceolarius zuschreibe.Google Scholar
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    Daß der angeblichen Herausgabe durch Oliva u. a. auch Besteigungen des Monte Baldo und botanische Studien zusammen mit I. und C. Bauhin vorausgegangen seien, ist wenig wahrscheinlich, denn noch 1560 (als mittlerem Termin zwischen 1554 und 1566) zählte I. Bauhin (1541–1613) erst 19 Jahre, C. Bauhin aber (1560–1624), sein später so hochberühmter Bruder, war damals ein neugeborenes Kind!Google Scholar
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Copyright information

© Berlin · Verlag von Julius Springer 1923

Authors and Affiliations

  • Edmund O. von Lippmann
    • 1
    • 2
  1. 1.Technischen HochschuleDresdenDeutschland
  2. 2.Zuckerraffinerie HalleHalle A. S.Deutschland

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