Zusammenfassung

Dafs dem Staat obliege, die Kinder zur Gottesfurcht erziehen und die Erwachsenen darin befestigen zu lassen, ist keinem Griechen eingekommen; das Tiefinnere des Göttlichen zu erfassen und festzuhalten, blieb jedem anheimgestellt. Die Gesetze hielten nur die äufseren Bräuche des Kultus aufrecht, und dafs alles, was die Götter besafsen, ihnen verblieb, dafs die Ehren, welche ihnen zukamen, ihnen auch erwiesen wurden, dafs ihnen die gebührenden Opfer, Gebete und Weihgeschenke dargebracht wurden. Somit beschränkte sich der Staat auf die Überwachung des rein Gesetzlichen und strafte die Übertretung hart. Wer sich am Eigentum der Götter vergreift, wird als Tempelräuber mit dem Tode, mit Verweigerung des Begräbnisses in heimischer Erde und mit Vermögenseinziehung bestraft. Niemand, der von einer heiligen Stätte ausgeschlossen ist, darf sie dadurch entweihen, dafs er sie betritt, niemand dadurch, dafs er daselbst entweihende Handlungen vornimmt. Ebenso verfällt dem Arm der Gerechtigkeit, wer sich eigenmächtige Änderungen am Kultus erlaubt, oder wer gar den Volksglauben antastet. Lang ist die Reihe der in Athen wegen Gottlosigkeit (ẚσέβεια) vor den Heliastengerichten Angeklagten und Verurteilten. Man denke nur an Protagoras, weil er die Äusserung gethan: „Man kann nicht wissen, ob es Götter giebt oder nicht“, an Anaxogoras, weil er lehrte: „Die Sonne ist eine glühende Masse von der Gröfse des Peloponnes“, an die Anklage des Sokrates: „Er sündigt, da er nicht an die Staatsgötter glaubt, sondern neue Gottheiten einführen will; er sündigt ferner auch, da er die Jugend verdirbt“(Xen. Memm. I. 1; Plat. Apol. 3).

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1881

Authors and Affiliations

  • W. Kopp

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