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Die Psychobiologie des Verbrechers

Allgemeine Orientierung
  • Karl Birnbaum

Zusammenfassung

Konnte die Kriminalanthropologie in ihrem wissenschaftlichen Cha rakter im wesentlichen durch ihre Anknüpfung an Psychiatrie, Entartungs- und Entwicklungslehre gekennzeichnet werden, so erhält die sie ablösende psychobiologische Verbrecherkunde ihre wissenschaftliche Eigenart durch ihren inneren Zusammenhang mit der neueren medizinischen Psychologie und speziell der medizinischen Persönlichkeitslehre. Damit wird die moderne Verbrecherlehre von vornherein auf eine breitere Grundlage gestellt. Diese Disziplinen sehen im Menschen zunächst die psychophysische Einheit, und sie gehen darum an seinen Erscheinungsformen und Lebensäußerungen auch dem Zusammenhang mit seinen körperlichen und naturhaften Grundlagen nach. Sie erkennen weiter die komplizierte Struktur, den vielseitig zusammengesetzten Aufbau jeder Einzelpersönlichkeit und sie suchen diese daher aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Bestandteile: der körperlichen und seelischen, der anlagegegebenen und -erworbenen, der ursprünglichen und der im Leben hinzugekommenen usw. zu erfassen. Sie sind dabei auf die verschiedensten Forschungsrichtungen biologischer wie psychologischer Art angewiesen und sie entnehmen speziell von Struktur- und Gestaltspsychologie, Erb- und Konstitutionsbiologie, Körperbau- und Ausdruckskunde, Sozialbiologie und -psychologie u. a. m. das Material für ihren Ausbau.

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Literatur

  1. Eine allen naturwissenschaftlichen Auffassungen und Erfahrungen Rechnung tragende umfassende und allgemeine Psychobiologie des Verbrechers gibt es nicht. Lenz,Kriminalbiologie. Wien 1928 berücksichtigt zwar medizinisch-biologische und -psychologische Gesichtspunkte, kann aber wegen der weitgehenden Heranziehung allgemeinphilosophischer und naturphilosophischer Anschauungen nicht als naturwissenschaftliche Verbrecherkunde im eigentlichen Sinne gelten. Vorerst muß man sich im wesentlichen damit begnügen, sich an gewissen vorwiegend psychiatrisch-charakterologischen Arbeiten zu orientieren, die nur z. T. verbrecherkundliche Fragestellungen und Untersuchungen mit heranziehen. In diesem Sinne seien ganz allgemein angeführt: für die körperlichen Grundlagen der psychischen Persönlichkeit: Ewald, Charakter und Temperament und ihre körperliche Grundlage. Erg. Med. 10; für die erbbiologische: Hoffmann, Das Problem des Charakteraufbaues. Berlin 1926; für den Zusammenhang von Körperkonstitution Körperbau und Charakter: Kretschmer,Körperbau und Charakter. 7./8. Aufl. Berlin 1929. Weiter Artikel ,,Charakter„biologische Verbrecherkunde“ und andere einschlägige Stichworte in Birnbaum,Google Scholar
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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1931

Authors and Affiliations

  • Karl Birnbaum

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