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Hippokrates pp 54-55 | Cite as

Von den Krankheiten der Jungfrauen (πєρì παρθєνíων)

  • Arnold Sack

Zusammenfassung

Mir scheint die ärztliche Forschung erst dort zu beginnen, wo der Versuch der Zusammenfassung des Ewigunwandelbaren einsetzt. Denn es ist nicht möglich, in das Wesen der Krankheiten einzudringen — was schließlich der letzte Sinn der Forschung ist —, wenn man nicht bis zu den Anfängen des nicht mehr Teilbaren in der Natur vordringt, aus dem ihr Wesen hervorgeht. — Ich wende mich zunächst der sogenannten „heiligen Krankheit“ (Hysterie, Psychosen?) zu, bei der die Kranken das Bewußtsein verlieren und Gespenster zu erbhcken glauben, die so furchtbar sind, daß sie wie irrsinnig werden und — bei Tag wie bei Nacht oder gar ohne Unterlaß — böse Geister vor sich zu sehen wähnen. Diese Wahngebilde haben schon manche Kranke — es sind vornehmlich Weiber — zum Selbstmord getrieben. Denn die Frauen sind in ihrem Gemüt furchtsamer und widerstandsloser als die Männer. Heiratsfähige Mädchen sind, wenn sie nicht heiraten, solchen Zuständen am meisten unterworfen, und zwar jeweils beim Eintreten der Regel, während sie bis dahin sie keineswegs hatten. Denn mit dem Beginn der Regel strömt das ganze Blut der Gebärmutter zu, um einen Abfluß nach außen zu finden. Ist aber der Muttermund nicht genügend geöffnet und fließt immer mehr Blut zur Gebärmutter hin — da ja auch die Nahrungsaufnahme und das Wachstum das ihre dazia beitragen —, so steigt infolgedessen das Blut, das keinen Ausweg nach außen findet, rasch und mächtig zum Herzen und zum Zwerchfell hinauf…

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1927

Authors and Affiliations

  • Arnold Sack

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