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Farbensehen

  • Werner D. Bockelmann

Zusammenfassung

Vorweg — hier ist der Mensch mit dem nach ihm benannten Affen weit im Vorteil, beide sehen Farben. Pferde, Hunde, Schweine, Frösche und alles andere Gelurch dagegen sind farbenblind. Dafür können aber Klapperschlangen das Infrarot, die Wärmestrahlung, „sehen“. Deshalb sollten Sie bei Ihrer nächsten Fotosafari im afrikanischen Busch also besser mit „Eisbeinen“ herumlaufen! Die Schlange sieht, hört, riecht oder fühlt Sie nicht, sondern reagiert auf Ihre Körperwärme, die Infrarotstrahlung! Auch wir Menschen sind mit unserer Haut wärme-, d. h. infrarotempfindlich. Bei der Schlange konzentriert sich diese Empfindlichkeit aber auf zwei kleine Grübchen am Kopf mit 150000 solcher Zellen, während wir pro Quadratzentimeter nur drei davon besitzen. Die Klapperschlange hat an diesen ihren „Infrarot-Augen“ fünfmal mehr solcher Zellen zur Verfügung als der Mensch auf seiner gesamten Körperoberfläche! Folgender Versuch, den der Amerikaner T. H. Bullock 1952 durchführte, brachte den Beweis: Er sperrte eine Klapperschlange und eine Maus zusammen in ein kleines Terrarium, nachdem er dem Reptil beide Augen mit Leukoplast absolut lichtdicht verklebt hatte. Zudem spritzte er ihm zur Blockierung der Geruchsnerven eine chemische Flüssigkeit ins Maul. Die Klapperschlange jedoch dachte gar nicht daran, mit der Maus „Blinde Kuh“ zu spielen. Zielstrebig folgte sie ihr, spannte sich wie eine Stahlfeder und schnappte nach ihr. Innerhalb von Minuten war alles vorbei. Nachdem der Klapperschlange aber die beiden muldenartigen Vertiefungen zwischen Nasenöffnung und Auge, in denen sich die infrarot-empfindlichen Zellen befinden, ebenfalls zugeklebt wurden, konnte ein Dutzend Mäuse noch tagelang im gleichen Terrarium herumlaufen, ohne daß auch nur eine einzige von der Schlange erwischt worden wäre. Diese wurde durch das Zukleben der beiden Grübchen im wahrsten Sinne des Wortes blind. Man vermutet heute, daß die Schlangen nicht die einzigen Tiere mit derartigen „Wärmestrahlaugen“ sind, daß z. B. auch die Stechmücken nicht vom Geruch der Menschen oder Tiere angelockt werden, sondern nach deren Wärmestrahlung „peilen“. Auch Nachtschmetterlinge finden ihre Partnerin mit Hilfe dieses Ultrasinnes notfalls gegen den Wind und den Geruch.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • Werner D. Bockelmann
    • 1
  1. 1.Frankfurt a. M. 50Deutschland

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