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Der Verfall der therapeutischen Bedeutungen

  • Helmut Junker
  • Theo Waßner

Zusammenfassung

Psychotherapeutische Praxis verdiente den Namen Spannungsfeld nicht, wenn das eindeutige Verfolgen sinnhafter Wege im Verstehen, Erleben, in der Einsicht, der therapeutischen Beziehung, der Übertragung/Gegenübertragung und im Leidensdruck sicher und immer zum Ziel, der Heilung, führte. Viele Erfahrungen sprechen dafür, daß es die geradlinig erzeugte Heilung nicht gibt. Wer sich nicht einlassen kann auf die Bewegungen, die von den Grundfiguren in den Therapien eingeleitet werden, wird ihre Sinnzusammenhänge nicht erkennen, wird sie entstellen, mißverstehen, nicht wertschätzen, umgehen, fallen lassen. Gibt es Patienten, die Psychotherapie so verwenden, daß nichts geschieht — und dennoch formulieren können: „Ich habe alles mir Mögliche getan und bin sogar in Therapie gegangen?“ In diesem Fall konnte Therapie nicht als Mittel der Leidensverminderung erfahren werden. Eine Therapie einzugehen bedeutete dann geradezu, sie zu vermeiden. Viel häufiger sind einzelne, inhaltliche Bereiche der Therapie betroffen, wenn ein Thema so stark besetzt ist, daß der Patient die Infragestellung nicht erlaubt. Gebraucht wird der Begriff Abwehr, wenn eine Vorstellung nicht zugelassen werden darf, weil sie das ohnehin labile Gleichgewicht zu sehr nach einer unerwünschten Richtung hin verändern würde. Widerstand, die vielfältigen Formen der Abweisung der Äußerungen des Therapeuten durch den Patienten, gehört zur Alltäglichkeit der Therapie.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1984

Authors and Affiliations

  • Helmut Junker
    • 1
  • Theo Waßner
    • 1
  1. 1.Gesamthochschule KasselUniversität des Landes HessenKasselDeutschland

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