Die Stiftungen für die Toten in Recht, Religion und politischem Denken der Römer

  • Eberhard F. Bruck

Zusammenfassung

Wenn im 2. Jahrhundert v. Chr. ein Wanderer die Via Appia entlangzog und wenn er sich einer Landstadt, etwa Minturnae, näherte, dann sah er schon von weitem eine Menge Menschen, die um ein Grab herumsaßen, fröhlich essend und trinkend und aus voller Kehle singend — ein Volksfest im italienischen Stil. Wenn der Wanderer fragte: „Liebe Leute, was feiert ihr denn da?“, dann kam die Antwort: „Wir feiern das Gedächtnis des alten Plutius Epaphroditus. Wir kannten ihn nicht mehr, denn er ist schon lange tot. Aber der Gute hinterließ 500 000 Sesterzen der Stadt Minturnae mit der Auflage, daß wir jedes Jahr an seinem Geburtstage ein Gedächtnismahl an seinem Grabe veranstalten sollten. Das tun wir gewissenhaft.“ Wenn unser Wanderer seinen Marsch fortsetzte und etwa nach Terracina kam, dann stieß er schon wieder auf eine vergnügte Menge um ein Grab herum. Wohin unser Wanderer auch kam, es war überall dasselbe, in ganz Italien, im ganzen römischen Weltreiche. Überall aß man und trank man vergnügt um die Gräber herum. Und all das wurde bezahlt, für die Ewigkeit bezahlt, durch die — Stiftungen.

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© Springer-Verlag 1954

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  • Eberhard F. Bruck

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