Soziologie der Nervosität

  • Ewald Stier

Zusammenfassung

Die erheblichen Differenzen, die bei der Beurteilung nervöser Zustände zwischen dem großen Publikum und dem modernen Psychiater immer von neuem auftauchen und die alle Beratungen der Nervösen und ihre Begutachtung für die Behörden heute so sehr erschweren, haben ihren letzten Grund in der Verschiedenartigkeit der prinzipiellen Stellungnahme zum eigentlichen Wesen der Nervosität. Nach der auch bei unseren Gebildeten im allgemeinen herrschenden Auffassung handelt es sich bei der„Neurasthenie“, wie die fraglichen Zustände meist benannt werden, um eine Erkrankung, die, ebenso wie jede echte Krankheit, den bis dahin gesunden Menschen erfaßt, gleichsam überwältigt und nun sein Wohlbefinden stört und seine Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Als die Ursache dieser vermeintlichen Krankheit werden die als störend empfundenen starken Reize des Lebens angesehen, vor allem also übermäßige berufliche oder sonstige Arbeitsanspannung, schlechte und ungenügende Ernährung, affektive Erschütterungen oder einfache Erregungen.

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© Julius Springer in Berlin 1927

Authors and Affiliations

  • Ewald Stier
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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