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Die Übertragung

  • Fritz Wittels

Zusammenfassung

Die Regel der Analyse, alles als Material aufzufassen, gehört eigentlich schon ins Kapitel der Übertragung. Die Theorie der Übertragung fällt außerhalb des Rahmens dieses Buches und in den Rahmen fällt nur, was man seinen Patienten von der Übertragung im Laufe der Besprechungen mitteilen muß. Man hat den Analytikern aufgebracht, sie behaupteten, daß jeder Patient sich in sie verlieben müsse, sonst könnten sie ihn nicht heilen. Der Analytiker wird durch diese Unterstellung zu einer lächerlichen Figur und die Patienten werden abgeschreckt. Man könnte beinahe sagen, das Gegenteil sei wahr und was ein Patient zum Analytiker empfinde, sei niemals ein echtes Gefühl, sondern immer nur die Übertragung eines Gefühles, das ursprünglich einer anderen Person gegolten habe. In dem letzten Beispiel des vorigen Kapitels wurde klar, daß die Dame auf mich Gefühle übertrug, die ihrem Bruder gegolten haben, und solche, die von ihrem Vater stammen. Die Übertragung ist keine Besonderheit und keine Zauberei, die der Psychoanalyse eigentümlich wäre. Sie spielt die breiteste Rolle in allen Beziehungen der Menschen zueinander, so besonders in den Be-Ziehungen zwischen Arzt und Patient. Der Arzt lebt davon, daß ihm der Patient Vertrauen entgegen bringt und der Arzt tut, was er kann, um dieses Vertrauen zu erhalten und zu verstärken. Sein würdevolles Benehmen, sein langer Bart soll den Eindruck eines Aldermann erwecken und um desto leichter den Vater spielen zu können, legt er in seinen Tonfall ein beruhigendes Register, wie es in Kinderstuben gewöhnlich ist. Er beruhigt seinen Patienten, indem er ihn zum Kinde macht. Die Besonderheit der Psychoanalyse liegt aber darin, daß sie diese Übertragung, von der jeder andere Arzt und auch jeder andere Psychotherapeut profitiert, zuungunsten des Analytikers aufdeckt und womöglich auf die frühere Situation, von der sie stammt, zurückführt. Ich muß als Analytiker meiner Patientin sagen, daß ich nicht ihr Bruder bin und Freud nicht ihr Vater ist. Sie erkennt so, daß die maßlose Kränkung, die sie scheinbar von Freud erfahren hat, in Wirklichkeit auf eine andere Kränkung zurückgeht, die vom Vater ausging und ihre Kindheit vergiftet hat

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Copyright information

© J. F. Bergmann, München 1926

Authors and Affiliations

  • Fritz Wittels
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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