Nachbehandlung nach Verletzungen und Operationen an der unteren Extremität

  • Paul Reichel

Zusammenfassung

Wie nach den Brüchen des Schädels und der Wirbelsäule, so beansprucht auch nach Beckenfrakturen weniger der Knochenbruch als solcher unsere Aufmerksamkeit und Sorgfalt, als die häufig ihn begleitenden Weichteilverletzungen. Bei Abbrüchen einzelner Knochenvorsprünge, der Spina anterior sup., Stücken der Crista ilei, des Tuber ossis ischii sind wir außerstande, die Fragmente auch nur einigermaßen sicher gegeneinander durch Verbände zu fixieren; sie werden durch den Muskelzug immer wieder etwas verschoben. Die Heilung kommt daher oft nur durch feste bindegewebige Narbe, aber doch ohne Funktionsstörung zustande. — Auch bei den Beckenringbrüchen können wir nach möglichstem Ausgleich etwaiger Verschiebungen durch direkten Druck auf die Fragmente oder Zug an den Beckenschaufeln kaum etwas anderes tun, als die Patienten Bettruhe einhalten zu lassen und das Becken durch einen festen Beckengurt aus Leder oder straff angezogene Tücher einigermaßen zu stützen. Die Beine, im Hüft- und Kniegelenk leicht gebeugt, unterstützt man durch eine quer unter beide Kniee gelegte Polsterrolle und beiderseits durch lange Sandsäcke oder Spreukissen, oder man bandagiert das ohne Verband meist nach außen rotierende Bein auf eine lange Volkmannsche Halbrinne aus Blech oder Draht. Noch besser fixiert man es für die ersten 3–4 Wochen durch einen Heftpflasterextensions-verband mit freilich nur geringer Belastung von etwa 5–10 Pfund. Die Konsolidation erfolgt in der Regel zwar recht langsam, doch meist mit knöchernem Callus, erfordert durchschnittlich 8–14 Wochen. Ein gewisser Grad von Dislokation bleibt oft bestehen, ohne jedoch die Funktion wesentlich zu stören. Bei Frauen kann freilich eine durch Verschiebung der Beckenknochen bedingte Beckenverengerung im Falle späterer Schwangerschaft ein schweres Geburtshindernis abgeben.

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Copyright information

© J. F. Bergmann in München 1936

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  • Paul Reichel

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