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Zusammenfassung

Jedem Versuche, eine Erklärung der Entwicklung unseres Sonnensystems aufzustellen, liegt natürlicherweise die Voraussetzung zugrunde, daß das System in seinem gegenwärtigen Zustande auch wirklich das Endprodukt einer natürlichen Entwicklung sei. Daß diese Voraussetzung zutrifft, kann als feststehend betrachtet werden. Die astronomische Forschung hat gezeigt, daß die Sonne ein Stern unter Sternen ist. Das heiße Innere der Erde deutet darauf hin, daß auch sie einstmals selbstleuchtend gewesen sei; dasselbe gilt dann von den übrigen Planeten. Die Entwicklung der Sonne und der Planeten stimmt also mit der der Sterne überein. Welchen Gang die Entwicklung eines Sternes nimmt, hat uns das Spektroskop gelehrt. Es dürfte kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß der früheste Zustand durch die Spektralklasse I charakterisiert wird, daß die Entwicklung dann die Klassen II und III durchläuft1), und daß der Stern endlich erlischt. Im Gegensatze hierzu steht jedoch nicht mit Sicherheit fest, was der antestellare Zustand der Sternmaterie sei. Am verbreitetsten ist die Annahme, daß die echten kosmischen Nebel oder kosmische Staubwolken die Vorstufe der Sternentwicklung bedeuten (Nebularhypothese im weiteren Sinne). Die Nebularhypothese2) läßt hiernach über die physische Konstitution der Urmaterie zwei Annahmen zu.

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Literature

  1. 1).
    Vgl. Newcomb.-Eng., Pop. Astr. 5. Aufl., S. 732ff.Google Scholar
  2. 2).
    Wenn wir bei der obigen Begriffsbestimmung auch die kosmischen Staubwolken zu den Nebeln (im weiteren Sinne) rechnen, so folgen wir damit einem in neuerer Zeit mehr und mehr sich festsetzenden Brauche, nach welchem man z. B. die Spiralnebel, trotzdem man sie als Anhäufung von Sternen betrachtet (Hypothese von Fath, vgl. § 119), doch als Nebel bezeichnet. Nach einigen Forschern sind sogar die echten Nebel als Ansammlungen von Meteoren zu betrachten, die, in heftiger Bewegung durcheinander schwirrend, bei den notwendig erfolgenden Zusammenstößen einen Teil ihrer Materie zum Verdampfen und zum Leuchten bringen (vergl. Emden, Gaskugeln, XIV. Kap., §§ 3, 7).Google Scholar
  3. 1).
    Für manche Anhänger eines Kreislaufes des kosmischen Geschehens bilden Nebular- und Stellarhypothese keinen logischen Gegensatz, sondern umfaßt die Stellarhypothese auch die Nebularhypothese, da das Nebelstadium nach ihnen nur als Zwischenstufe zwischen dem zerstörten und einem neuen stellaren Zustande zu betrachten ist (vgl. § 169).Google Scholar
  4. 2).
    Schwarzschild in Newcomb-Engelmanns Populärer Astronomie, 5. Auf 1. S. 714. Gegen die Annahme, daß eine Meteorwolke sich in Sterne umbilden könne, lassen sich übrigens weit ernstere Bedenken erheben (vgl. § 88 β).Google Scholar
  5. 1).
    Astrophysical Journal 1910, Aprilheft.Google Scholar
  6. 2).
    Lick Observatory Bulletin, vol. VI, Nr. 196.Google Scholar
  7. 1).
    Auch Emden macht darauf aufmerksam, daß bei dem System der Milchstraße die statistische Behandlungsweise nicht zulässig sei (Gaskugeln, Kap. XIV, § 16).Google Scholar
  8. 1).
    Nach E. C. Pickering (Annals H. C. O. 56, Nr. II, 37, 1905) gehört von den helleren Sternen einer von vieren zur Klasse B, von den Sternen 6. Größe aber nur noch einer von 20, und es gibt nur sehr wenige, die schwächer als 7. oder 8. Größe sind.Google Scholar
  9. 2).
    Zum Durchlaufen eines Weges von der Größe des Milchstraßendurchmessers (nach Seeliger 10 000 Lichtjahre) sind, bei einer translatorischen Geschwindigkeit von 30 km/sec, ungefähr 100 Millionen Jahre erforderlich. Soll die gegenseitige Annäherung der Sterne bis zur Berührung erfolgen, so erhält man für die mittlere Wegzeit den Wert 1020 Jahre. Die durch die gegenseitige Anziehung der Sterne verursachte Bahnkrümmung reduziert diesen Wert, wenn man die Masse der Sterne gleich der Sonnenmasse annimmt, nach Arrhenius auf 1017 Jahre (vgl. § 101). Damit das Maxwellsche Gesetz der Geschwindigkeitsverteilung bei den Sternen zur Ausbildung käme, müßten also Trillionen von Jahren zur Verfügung stehen (siehe Emden, a. a. O. Kap. XIV, § 16).Google Scholar
  10. 3).
    Über die Verteilung der Sterne von verschiedenen Spektraltypen. Astr. Nachr. Bd. 194, Nr. 4640.Google Scholar
  11. 4).
    Über die Abhängigkeit der Geschwindigkeit der Sterne von ihrer Masse: Astr. Nachr. Bd. 194, Nr. 4648.Google Scholar
  12. 1).
    Die obigen Angaben sind zutreffend, wenn über die Gestalt der Sternbahnen keine besonderen Annahmen gemacht werden. Da in die Nähe der Sonne, d. i. in die Nähe des Zentrums des Milchstraßensystems, aus den peripherischen Gebieten desselben nur solche Sterne gelangen können, die sich ungefähr in der Richtung der Durchmesser des Systems bewegen, so entsprechen sie einer Hypothese Turners, nach welcher die bei vielen Sternen nachgewiesene, in zwei verschiedenen Richtungen stattfindende Triftbewegung dadurch zu erklären ist, daß die Sterne des Milchstraßensystems langgestreckte Bahnen um das Anziehungszentrum beschreiben (vgl. Newcomb-Eng., Pop. Astr., 5. Aufl. S. 566). Schwarzschild erklärt die doppelte Triftbewegung durch die Annahme, daß sich die Sterne der Milchstraße in ungefähr kreisförmigen Bahnen um das Zentrum bewegen, aber in entgegengesetzter Richtung. Uns scheint die Turnersche Hypothese die wahrscheinlichere zu sein, weil eine kreisförmige Bewegung bei den zu derselben Trift gehörenden Sternen fast genau übereinstimmende Geschwindigkeiten erfordern würde. Außerdem verdient beachtet zu werden, daß die Schwarzschildsche Annahme jeder auf der Nebularhypothese aufgebauten Kosmogonie des Milchstraßensystems, da sie die Voraussetzung einander durchdringender Nebelmassen erforderlich macht, sehr große Schwierigkeiten bereiten würde (vgl. jedoch Anmerkung S. 233).Google Scholar
  13. 1).
    The integrated spectrum of the Milky Way. Astroph. Journ. XXXVI, 5, 1912.Google Scholar
  14. 1).
    Diese Annahme, die außerdem noch den Vorzug haben würde, den Versuch einer Kosmogonie der Milchstraße auch auf Grund der Schwarzschildschen Hypothese (vgl. Anmerkung S. 231) nicht als aussichtslos erscheinen zu lassen, ist übrigens keineswegs als gänzlich undiskutabel zu bezeichnen. Sie scheint allerdings dem physikalischen Prinzip der Konstanz der Masse zu widersprechen. Da aber die neuere Physik, indem sie die träge Masse des Atoms auf die Atomenergie zurückführte (siehe Planck in den Berichten der Berl. Akad. 29, 1907), imstande gewesen ist, das Gesetz der Erhaltung der Masse dem Gesetze der Erhaltung der Energie unterzuordnen, und da es ferner dem Menschen wohl immer verborgen bleiben wird, welche Kräfte im Weltraume beim Werden des Weltenstoffes wirksam sind, so wäre es immerhin möglich, daß die Materie, aus denen die einzelnen Sterne der Milchstraße hervorgingen, nicht von vornherein fertig vorlag, sondern, wenigstens als chemischer, der Gravitation unterliegender Stoff, erst nach und nach in die Erscheinung trat. Auf diese Weise würde sich die Tatsache, daß im Milchstraßensystem gegenwärtig alle Stufen der Entwicklung vertreten sind, daß erlöschende Sterne neben feinen, erst am Anfänge der Entwicklung stehenden Nebelmassen vorkommen, sehr einfach erklären.Google Scholar
  15. 1).
    v. Seeliger sagt: „Das Newtonsohe Gesetz ist eine rein empirische Formel, deren Genauigkeit als eine absolute anzunehmen, eine neue und duroh nichts gestützte Hypothese wäre. Man wird deshalb, glaube ich, nicht zweifelhaft sein können, daß man richtig handelt, wenn man die absolute Genauigkeit des Newtonschen Gesetzes nicht anerkennt, vielmehr annimmt, dasselbe habe solche Ergänzungsglieder zu erhalten, daß die erörterten Schwierigkeiten von selbst fortfallen, andrerseits aber selbstverständlich den in unserem Planetensystem beobachteten Tatsachen entsprochen wird.” (Über das Newtonsohe Gravitationsgesetz. Sitzungsberichte der math. phys. Klasse der Kgl. Bayr. Akad. d. W. 1896, Heft 3).Google Scholar
  16. 2).
    Sur la formation des soleils. Comptes rendus 1911, Bd. 153, Nr. 18.Google Scholar
  17. 1).
    Über die Entwicklung der kosmischen Nebel. Astron. Nachr. Bd. 188, Nr. 4509.Google Scholar
  18. 1).
    On the Radiative Equilibrium of the Stars, Monthly Notices of the Roy. Astr. Soo., vol. 77, S. 16 und S. 596. The Interior of a Star, Seientia, vol. XXIII, Jan. 1918.Google Scholar
  19. 1).
    Die Verkleinerung der Dimensionen der Nebel und die damit zusammenhängende Vergrößerung der Geschwindigkeiten der Teilmassen auf den Einfluß eines widerstehenden Mittels zurückzuführen, wie See es tut, ist nicht gut angängig, da als Mittel doch nur die zwischen den größeren Nebelmassen fein verteilte Nebelmaterie in Frage kommen könnte, diese aber bei allen Nebeln, die durch ihre äußere Form eine ausgesprochene einseitige Bewegungstendenz ihrer Massen verraten (fast alle Nebel haben spiralige Struktur), in ihrer Bewegungsrichtung den Hauptmassen folgt, eine wesentliche Verkürzung der Bahndimensionen also nicht bewirken kann (rotierendes Mittel, vgl. §§ 18 ff.).Google Scholar
  20. 1).
    Vogel, Eberhard u. a. (vgl. § 157) haben beobachtet, daß im Orionnebel die Geschwindigkeit der Massen nach Größe und Richtung vielfach variiert, so daß der Eindruck erweckt wird, als wenn die Nebelteilchen, von lokalen Strömungen erfaßt, sich gegenseitig schieben, drängen und hemmen. Diese Bewegungen lassen sich nicht befriedigend als Wirkung der gegenseitigen Anziehung der Massen betrachten. Wollte man dies tun so würde man die Beantwortung der Frage nur eine Stufe zurückschieben. Denn da man bei der Bestimmung der Bahnkurven die Anfangsbedingungen so wählen müßte, daß die gegenwärtigen Bewegungen daraus hervorgehen, so würde die neue Frage nach der besonderen Art der wirkenden Ursachen zu beantworten sein. Die andere Annahme, daß die Bewegung der Nebelmassen im großen und ganzen durch Strömungsvorgänge bestimmt sei, macht es jedoch ohne weiteres verständlich, daß sich die strömenden Massen, unterstützt durch die allmählich in ihnen erwachende Gravitation, um Stellen größerer Dichte herum anhäufen, gleichsam um sie zusammenfließen. Da die Materie in den Nebeln sich vielleicht noch in embryonalem Zustande, in einem Zustande des Werdens und Umbildens befindet, worauf ihr Leuchten, das wahrscheinlich elektrischer Art ist, hindeutet, so ist es auch möglich, daß bei der Zusammenballung elektrische Kräfte eine Rolle spielen.Google Scholar
  21. 1).
    The Spectra of some Spiral Nebulae and Globular Star Clusters. First Paper Lick Observ. Bull. 5, Nr. 149. Second Paper Astroph. Journ. 33, 58–63.Google Scholar
  22. 1).
    Vgl. W. Trabert, Lehrbuch der kosmischen Physik, Teubners Verlag, 1911, S. 480, oder Newcomb-Eng., a. a. O. S. 670 ff.MATHGoogle Scholar
  23. 1).
    N. Lockyer, Researches in Spectrum Analysis in connection with the Spectrum of the Sun. Phil. Trans. of the Roy. Soc., Bd. 163, 1873; Bd. 164, 1874.Google Scholar
  24. 2).
    Wer, noch ohne Kenntnis der Wärme- und Lichtwirkungen des elektrischen Stromes, bei Betrachtung einer elektrischen Lampe schließen wollte, „die einzige mir bekannte Lichtquelle ist die Verbrennung, folglich ist das Leuchten des Metalldrahtes in der Birne die Begleiterscheinung eines Verbrennungsvorgangs”, würde nicht mehr zu tadeln sein als einer, der auf Grund des Spektrums der Spiralnebel ihren Sternhaufencharakter für erwiesen hält.Google Scholar
  25. 1).
    Vgl. Elis Strömgren u. Bj. Drachmann, Über die Verteilung der Sterne in kugelförmigen Sternhaufen, mit besonderer Rücksicht auf Messier 5. Publ. fra Kobenhavns Observ., N. 16, 1914.Google Scholar
  26. 1).
    Hiernach ist die Eastonsche Hypothese über die Struktur der Milchstraße, wenn man in der vorausgesetzten Anordnung der Sterne nicht nur eine zufällige, vorübergehende Erscheinung sehen will (vergl. Emden, a. a. O. Kap. XIV, § 16), als sehr problematisch zu bezeichnen.Google Scholar
  27. 2).
    ‚Über die Gestalten einiger Spiralnebel‘. Astr. Nachr. Bd. 188.Google Scholar
  28. 1).
    See führt die Entstehung der Spiralnebel auf die Begegnung zweier streifenförmiger kosmischer Wolken zurück (Researches on the Evol. of the Stellar Syst., vol. II, Kap. XIX). Poincaré macht auf die Unwahrscheinlichkeit dieser Annahme aufmerksam (a. a. O. Nr. 201). Außerdem ist zu beachten, daß schon die Annahme der Existenz einzelner streifenförmiger Wolken für die Erklärung der Entstehung der Spiralnebel genügen würde, vorausgesetzt, daß die Bewegungsrichtung der Teilchen der Wolke nicht genau in derselben Richtung erfolgt (vgl. § 123). Auf die phantastische Erklärung von Belot, nach welcher die Spiralnebel durch Eindringen von Wirbeln in kosmische Wolken entstehen (Essai de cosm. tourb., chap. XII), wollen wir nur kurz hinweisen (vgl. § 108f.).Google Scholar
  29. 2).
    Graf von Pfeil erklärt die Entstehung der Spiralnebel durch die Annahme, daß in weit ausgedehnte kosmische Nebelmassen Meteorströme eindringen und, durch den Widerstand der Nebelmaterie gezwungen, sich in spiralförmiger Bahn dem Schwerpunkte des Nebels nähern (Kometische Strömungen, § 36). Diese Annahme, die auf den ersten Blick etwas für sich hat, besonders deswegen, weil sie für das kontinuierliche Spektrum der Spiralnebel eine einfache Erklärung geben würde, ist aus folgendem Grunde nicht haltbar. Wenn der Widerstand, den Meteore beim Eindringen in einen Nebel erleiden, so groß ist, daß sie ins Leuchten geraten, so würde, bei der Kleinheit ihrer Masse, ihre Geschwindigkeit schon in sehr kurzer Zeit vernichtet werden und ihr Leuchten aufhören. Eine der Geschwindigkeitsverkleinerung entgegenwirkende, durch die Anziehung der Nebelmassen bewirkte Bewegungsbeschleunigung darf nicht angenommen werden, da, wenn sie vorhanden wäre, auch die Nebelmaterie selbst ihr folgen und mit den eingebetteten Meteoriten gleichen Schritt halten würde.Google Scholar
  30. 1).
    Die obige Bemerkung bezieht sich auf Mittel, deren Teilchen eine bevorzugte Bewegungsrichtung besitzen, und auf durchschrittene Mittel irgendwelcher Art (vgl. §§ 40–47, 52, 60). Daß ein Mittel mit ruhenden oder in beliebigen Richtungen laufenden Teilchen die Exzentrizitäten der Planetenbahnen verkleinert habe, ist nicht völlig ausgeschlossen, aus mehreren Gründen aber ebenfalls als sehr wenig wahrscheinlich zu bezeichnen (vgl. §§ 52, 124).Google Scholar
  31. 1).
    In diesem und den folgenden Paragraphen ist die Bezeichnung „Nebel” im weiteren Sinne zu verstehen (vgl. § 112). Es bleibt vorläufig unausgemacht, ob die Nebelmassen als Gase oder als Meteorwolken zu betrachten sind. Die Entscheidung darüber, welche von diesen beiden Annahmen festzuhalten ist, enthält § 126.Google Scholar
  32. 2).
    Falls noch ein oder mehrere transneptunische Planeten entdeckt werden sollten (vgl. H. E. Lau, La planète transneptunienne, Bull. de la Soc. Astr. de France; 28, 276), deren Bahnen größere Neigungen gegen die Ekliptik besäßen, so hätte man dem Urnebel in seinen äußeren Teilen auch eine ausgeprägte seitliche Krümmung beizulegen.Google Scholar
  33. 1).
    Da der Strahlungsdruck in demselben Sinne wie die Expansion des Gasea wirkt, so vergrößert er die auf der Expansion beruhende, von Jeans untersuchtes Gravitationsinstabilität rotierender Gasmassen (vgl. §§ 77 β, 90 β).Google Scholar
  34. 1).
    Bei der Materie der völlig durchstrahlbaren Kometenschweife beträgt die Strahlungswirkung ein Vielfaches der Gravitation. Vielleicht sind auch noch andere uns bis jetzt unbekannt gebliebene Kräfte in demselben Sinne wie der Strahlungsdruck wirksam. P. E. Shaw glaubt festgestellt zu haben (Nature, 96, 1915, S. 143), daß von gleichen Massen die heißere kräftiger anziehe als die kältere, daß die Giavitation also eine Funktion der Temperatur sei. Diese überraschende Angabe bedarf natürlich der Nachprüfung. Wenn sie sich bestätigen sollte, so würde die Kapteyn-Campbellsche Hypothese der Gravitationsvergrößerung eine neue physikalische Stütze gefunden haben. Doch erscheint es fraglich, ob Laboratoriumsversuche das Dunkel, in das die Vorgänge bei der Umbildung der kosmischen Materie gehüllt sind, jemals ganz erhellen werden.Google Scholar
  35. 1).
    Die Bahn der von Olbers 1802 entdeckten Pallas besitzt eine Neigung von 35°, die Bahn des von Palisa 1911 entdeckten Planetoiden Albert (719) die Exzentrizität 0,54. Die von Olbers aufgestellte Hypothese, daß die Planetoiden aus einem einzigen, durch Explosion oder Zusammenstoß zerstörten Planeten hervorgegangen seien, besitzt nur geringe Wahrscheinlichkeit (vgl. Newc.-E., Pop. Astr., 5. Aufl., S. 404).Google Scholar
  36. 1).
    In diesem Falle ist die Bahn des Planeten die von v. d. Pahlen diskutierte logarithmische Spirale (‚Über die Gestalten einiger Spiralnebel‘. Astr. Nachr., Bd. 188, 249).Google Scholar
  37. 1).
    Vgl. Winkelmanns Handbuch der Physik, 2. Aufl., Bd. 3, S. 320ff.Google Scholar
  38. 2).
    Emden berechnet die Größe der Absorption auch für adiabatische Kugeln (Gaskugeln, XV. Kap., §§3–5). Er findet, daß für ϰ = 5/3 (einatomige Gase) die Absorption ungefähr 2,8, für ϰ = 7/5 (zweiatomige Gase) ungefähr 6,5 mal so groß ist als im Falle homogener Dichte.Google Scholar
  39. 1).
    Vgl. H. Kobold, Der Bau des Fixsternsystems, 3. Abschnitt, 3. — K. Schwarzschild, Das System der Fixsterne, III. Vortrag.Google Scholar
  40. 1).
    Ann. d. Phys. u. Chemie, Bd. V, 1878; Gaskugeln, 5. Kap., § 9, Tabelle 6.Google Scholar
  41. 2).
    Wird angenommen, daß die Planeten aus einem dissoziierten einatomigen Gase bestehen (ϰ = 5/3), so erlangt J′, da in diesem Falle die Mittelpunktsdichte nur das 6-fache der mittleren Dichte beträgt (Emden, a. a. O., 5. Kap., § 9, Tab. 4), feinen größeren Wert; man findet J′ = 0,57 J. Die Rotationsgeschwindigkeit einer solchen Kugel nähert sich also der einer homogenen Kugel.Google Scholar
  42. 1).
    Dies Resultat entspricht ungefähr dem Werte, den Emden auf Grund der Voraussetzung eines sehr langsamen Temperaturabfalls (Polytrope n = 3599) für R + 0,01 R, d. h. für eine Atmosphärenhöhe von 7000 km, bestimmt (a. a. O. Tabelle 32).Google Scholar
  43. 2).
    Auch Emden macht mehrfach darauf aufmerksam, daß bei den im Innern der Weltkörper vorliegenden Drucken und Temperaturen die auf Grund der Gasgesetze hergeleiteten Gleichungen ihre Bedeutung verlieren. Er betrachtet sie dann nur noch als Symbole (vgl. a. a. O., 6. Kap., § 2 A; 19. Kap., § 10). W. H. Julius legt bei einer Untersuchung über die Brechung des Lichtes in der Sonnenatmosphäre die Voraussetzung, daß die Dichte der Sonnengase nach dem Mittelpunkte hin weit langsamer zunehme, als es die Gravitation erfordere, ebenfalls als zulässig zugrunde (Physik. Zeitschr., 15. Jahrg., Nr. 1, 1914). Endlich gelangt auch G. Gouy zu dem Schlusse, daß sich in der Sonnenatmosphäre die Gase zu weit größeren Höhen erheben, als es unter der Wirkung der Gravitation der Fall sein dürfte, und gibt dafür den der Gravitation entgegenwirkenden Strahlungsdruck als mögliche Ursache an (Comptes rendus, Bd. 157, Nr. 23, 1913).Google Scholar
  44. 1).
    G. K. Burgeß und H. Le Chatelier, Die Messung hoher Temperaturen. Jul, Springer, Berlin 1913.Google Scholar
  45. 1).
    Daß in einer weit ausgedehnten rotierenden Gasmasse die Rotation nicht gleichförmig bleibe, sondern ein zentraler Wirbel zur Ausbildung komme, der von langsamer bewegten Teilen umgeben sei, ist bereits von Darwin als Vermutung ausgesprochen worden (Ebbe u. Flut, 2. Aufl., S. 392). Einige Beispiele ungleichförmig rotierender Atmosphären bringt Poincaré (a. a. O. Nr. 26 bis 28); vgl. auch Emden, Gaskugeln, XVIII. Kap. B. Auf die die Rotation zusammendrückbarer Flüssigkeiten behandelnden Untersuchungen von Jeans (vgl. § 77 β) brauchen wir an dieser Stelle nicht einzugehen, da sie auf der Voraussetzung beruhen, daß die ganze rotierende Masse der Gasexpansion unterliege, und die aus ihnen sich ergebende eigenartige Spaltungserscheinung in der Hauptmasse selbst vor sich geht, während in unserem Falle die anziehende Hauptmasse die hinsichtlich ihrer physikalischen Rotationseigenschaften gar nicht in Betracht kommende Planetenkernmasse ist, der gegenüber die Masse der von uns allein betrachteten Planetenatmosphäre wegen ihrer Kleinheit vernachlässigt werden kann.Google Scholar
  46. 1).
    Vgl. P. Guthnick, Die veränderlichen Satelliten des Jupiter und Saturn. Astr. Nachr. 198, Nr. 4741.Google Scholar
  47. 2).
    Von Ristenpart ist für den Durchmesser des Jupitersmondes III aus der Zeit, während welcher ein von dem Monde verfinsterter Stern unsichtbar blieb, sogar ein noch größerer Wert berechnet worden (7200 km), als Barnard durch direkte Messung gefunden hat (5700 km); vgl. ‚Die Bedeckung des Sternes T M 588 durch den Jupitersmond Ganymed am 13. August 1911‘. Astr. Nachr. Bd. 193, Nr. 4621.Google Scholar
  48. 1).
    Die von mehreren Astronomen beobachtete schwache Veränderlichkeit der Jupiters- und Saturnsmonde glaubt Guthnick (a. a. O.) durch Annahme eines auf die Monde einwirkenden interplanetarischen (nicht interlunaren) Mittels erklären zu können.Google Scholar
  49. 1).
    ‚Die Entwicklung der Doppelsternsysteme‘. Verlag von Schade, Berlin 1892.Google Scholar
  50. 2).
    ‚Über die Entwicklung der Doppelsternsysteme‘. Abh. Nat. Ver. Bremen 1911, Bd. XX, Heft 2.Google Scholar
  51. 1).
    Aus der Tatsache, daß das Verhältnis der Massen der Monde zu der Planetenmasse bei keinem Planeten so klein ist wie beim Mars (bei der Erde 1:80, bei Neptun 1:1400, bei Saturn 1:4700, bei Jupiter 1: 6000, bei Uranus 1: 60000, bei Mars 1:1500000), kann gefolgert werden, daß die Dichte der Maisatmosphäre zur Zeit der Entstehung der Monde sehr gering war. Auch jetzt besitzt Mars nur eine dünne Atmosphäre (vgl. Newcomb-E., a. a. O., S. 395).Google Scholar
  52. 1).
    Aus der Größe und Anzahl der täglich fallenden Sternschnuppen (Dichte 10-9 bis 10-11 g im km3) würde sich eine noch viel längere Entwicklungszeit ergeben.Google Scholar
  53. 2).
    Darwin, Ebbe und Flut, Teubner, 2. Aufl., S. 288.Google Scholar
  54. 3).
    Von manchen Geologen und Biologen ist die Meinung geäußert worden, daß die Erde anfangs noch einen zweiten Mond gehabt habe, der später auf die Erde niederstürzte und nunmehr das Massiv des Erdteils Afrika, oder den Boden des Stillen Ozeans bilde. Daß bei einem Monde, der sich um die Erde in kreisförmiger oder elliptischer Bahn bewegte, von einem senkrechten Niederstürzen auf die Erde keine Rede sein kann, versteht sich von selbst. Es wäre nur denkbar, daß er, durch ein widerstehendes Mittel oder durch die Anziehung der von ihm selbst auf der Erde erzeugten Gezeitenwelle gezwungen, seinen Bahnradius mehr und mehr verkürzte. In diesem Falle würde ein Mond sich aber, sobald er seine Bahn ins Innere der Rocheschen Grenze verlegte, in kleine Bruchstücke auflösen. In einem widerstehenden Mittel (nicht mehr durch Gezeitenreibung) würden diese Teilmassen gezwungen werden können, ihre Bahndimensionen soweit zu verkürzen, daß sie, endlich in tangentialer Richtung die Erdoberfläche streifend, mit der Erde zur Vereinigung kämen; dann aber würde die oben erwähnte Folgerung, die auf der Annahme beruhte, daß der Mond bei der Vereinigung mit der Erde noch ein zusammenhängender Körper war, hinfällig werden. Auch die mechanisch zulässige Annahme, daß nicht ein zweiter Mond, sondern irgend ein großes Meteor, vielleicht ein Planetoid, senkrecht auf die Erde gestürzt sei, ist zurückzuweisen, weil in diesem Falle die Erdachse durch den seitlichen Stoß zu einer Präzessionsbewegung gezwungen worden wäre (vgl. §88 β h), die noch jetzt, wegen Fehlens entgegenwirkender Kräfte, vorhanden sein müßte.Google Scholar
  55. 1).
    Ein neuer stichhaltiger Grund dafür, daß das Erde-Mond-System nicht durch Zerfallen einer homogenen Rotationsfigur entstanden sein könne, ergibt sich aus dem Massenverhältnis der Erde und des Mondes. Der Verfasser hat gezeigt (‚Über die Entwicklung der Doppelsternsysteme‘, Abh. Nat. Ver. Brem. 1911, Bd. XX, Heft 2; § 3), daß die beim Zerfallen einer instabil werdenden Rotationsfigur entstehenden Teilmassen in einem Verhältnisse zueinander stehen, das den Wert 1: 3 nicht übersteigt. Die Mondmasse beträgt aber nur den 80. Teil der Erdmasse.Google Scholar
  56. 1).
    Das einzige wirklich ernst zu nehmende, der Hypothese entgegenstehende Bedenken läßt sich aus der erforderlichen Entwicklungszeit herleiten, die den von Darwin berechneten Minimalwert von rund 60 Millionen Jahren ohne Zweifel bedeutend übersteigt. Darwin selbst ist allerdings der Meinung, daß, „wenn die Gezeitentheorie schließlich verworfen werden sollte, dies nicht wegen Mangels an dem erforderlichen Zeitraume geschehen würde” (a. a. O., S. 312). Doch würden sich für die Entwicklungszeit auch kleinere Werte ergeben, wenn man dem Erdradius größere Werte beilegte. Darwin legt seiner Rechnung die gegenwärtige Größe des Erdradius zugrunde; zur Zeit der Zusammenballung der Mondmasse war dieser nach dem Früheren wahrscheinlich größer. Die Entwicklungszeit ist, wenn alle sin 2 ε = 1 gesetzt werden, der 3., bei kleinen Phasenverzögerungswinkeln sogar der 7. Potenz des Erdradius umgekehrt proportional (vgl. § 39).Google Scholar
  57. 1).
    See hat aus der Lage von parallelen Streifen auf der Neptunsscheibe auf die Richtung der Rotationsachse geschlossen und ebenfalls gefunden, daß die Mondbahn gegen die Äquatorebene geneigt ist; Astr. Nachr. Nr. 4656, Bd. 194. Umlauf ausführen. Die Rochesche Grenze liegt etwas innerhalb der Grenze des Ringsystems.Google Scholar
  58. 1).
    Die von Darwin in bezug auf Mars ausgesprochene Hypothese, daß der Planet seine Rotation verzögert habe (vgl. § 149), würde auf Saturn nicht anwendbar sein. Bei seiner geringen Dichte besitzt Saturn noch eine beträchtliche Kontraktionsmöglichkeit und erfährt aus diesem Grunde wahrscheinlich eine Rotationsbeschleunigung.Google Scholar
  59. 2).
    Fys. Säll. Hand. N. F. 19, Nr. 4. schieden schnell verkleinern. Auf diese Weise ergeben sich günstige Gelegenheiten für die Entstehung der eigenartigen Konstellationen, wie sie bei den angeführten Planetoiden Vorliegen.Google Scholar
  60. 1).
    Vgl. des Verfassers Aufsatz: ‚Eine neue Erklärung des Ursprungs der Kometen‘. Astr. Nachr. Ergänzungsheft 17, Mai 1910; oder ‚Neue Erklärung des Ursprungs der Kometen‘, Abh. Nat. Ver. Bremen Bd. XX, Heft 1, 1909.Google Scholar
  61. 1).
    H. Bourget, H. Buisson und Ch. Fabry haben (Comptes rendus, 158, p. 1269, 1914) im Innern des Orionnebels außer turbulenten Strömungsvorgängen auch eine große gemeinsame Bewegung festgestellt, die als eine Art Rotationsbewegung um die Achse SO—NW gedeutet werden kann, da auf der einen Seite dieser Linie die Geschwindigkeit der Nebelmassen ihre mittlere Geschwindigkeit um ungefähr 5 km/sec übersteigt, auf der anderen Seite um ebensoviel hinter ihr zurückbleibt.Google Scholar
  62. 2).
    Pole sind die Endpunkte der auf den Bahnebenen im Anziehungsmittelpunkte errichteten Senkrechten.Google Scholar
  63. 1).
    Vgl. die Karte der Perihelörter in den Abh. Nat. Ver. Brem., a. a. O. S. 60 und 61.Google Scholar
  64. 1).
    The motion of the Solar system relatively to the interstellar absorbing medium. Monthly Notices of R. A. S. vol. 72, Nr. 9.Google Scholar
  65. 1).
    Der Schweif und die Hülle bleiben bestehen, wenn die Sonne auch bereits nicht mehr von feiner Nebelmaterie umgeben ist; denn sie erfahren von Massen, die beim Durchschreiten der inneren Gebiete des Nebels im Rücken der Sonne kollidierten, noch längere Zeit beständigen Zuwachs.Google Scholar
  66. 2).
    Vgl. Newcomb-Engelmann, Pop. Astr., 5. Aufl., S. 657 ff.Google Scholar
  67. 1).
    Comptes rendus 158, p. 1017–1019, 1914.Google Scholar
  68. 1).
    E. Freundlich, Über die Erklärung der Anomalien im Planetensystem als die Gravitationswirkung interplanetarer Massen. Astr. Nachr., Bd. 201; Nr. 4803.Google Scholar
  69. 2).
    H. v. Seeliger, Über die Anomalien in der Bewegung der inneren Planeten. Astr. Nachr., Bd. 201; Nr. 4815.Google Scholar
  70. 1).
    B. Fessenkoff, Sur l’origine de la Lumière Zodiacale, Astr. Nachr. 198; Nr. 4752.Google Scholar
  71. 2).
    Comptes rendus 158, p. 541–544; 1914.Google Scholar
  72. 1).
    Vgl. Fessenkoffs Bestimmung des Dichtegesetzes, Comptes rendus, 158; p. 1001–1003; 1914.Google Scholar
  73. 2).
    Auf Grund von Helligkeitsschätzungen kommt Freundlich (a. a. O.) zu dem Werte 7·10-9 kg im km3.Google Scholar
  74. 3).
    In der Entfernung einer halben Merkursweite ist die Umlaufszeit eines Planeten ungefähr gleich der gegenwärtigen Rotationszeit der Sonne. Die von der Sonne abgeschleuderten Massen mußten sich also ursprünglich in einer Zone, die von der Merkursbahn bis ungefähr zu der Hälfte ihres Radius reichte, bewegen.Google Scholar
  75. 1).
    Das Aufleuchten der Novae hat wahrscheinlich ganz andere Ursachen als den Zusammenstoß zweier Sterne; vgl. hierüber §§ 101 und 119.Google Scholar
  76. 2).
    Man sehe hierüber die sehr interessanten Ausführungen von Poincaré, a. a. O. Nr. 189–193 und préf. S. XXII–XXIII, ebenso die von Schwarzschild, Abschnitt Kosmogonie in Newcomb-E., Pop. Astr., 5. Aufl. S. 732. Man vergleiche auch die schönen, klaren Darlegungen von A. Kopff in dem Handwörterbuch der Naturwissenschaften, Artikel Kosmogonie. Kopff hebt die Schwierigkeiten, die der Annahme eines ewigen Kreislaufs im Weltgeschehen entgegenstehen, deutlich hervor, räumt aber am Schlusse trotzdem ein, daß sich ihre wissenschaftliche Zulässigkeit nicht bestreiten lasse. Wer die Gründe, mit denen er dieses Zugeständnis zu rechtfertigen sucht, mit den vorher von ihm angeführten Gegengründen vergleicht, dürfte sich jedoch kaum des Eindrucks erwehren können, daß hier in einem Kampfe zwischen Elefanten und Mücken den letzten der Sieg zugeschrieben wird, bloß weil nicht zu umgehende Konsequenzen, denen man gern ausweichen möchte, dies wünschenswert erscheinen lassen.Google Scholar
  77. 1).
    An der Möglichkeit einer wissenschaftlichen Lösung des Problems verzweifelnd, hat man gelegentlich auch zu der Religion seine Zuflucht genommen; man sehe z. B. Fr. Pfaff, Die Entwicklung der Welt auf atomistischer Grundlage; Erlangen, 1883, S. 120, und Joh. Riem, Unsere Weltinsel, ihr Werden und Vergehen; Godesberg, S. 85.Google Scholar

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© Verlag von Julius Springer Berlin 1919

Authors and Affiliations

  • Friedrich Nölke

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