Zusammenfassung

Glas wird in tausenderlei Formen täglich im häuslichen Gebrauch, in der Industrie, für wissenschaftliche Zwecke usw. benutzt, es kommt aber nicht fertig gebildet in der Natur vor. Nur in vulkanischen Auswürfen findet sich bisweilen ein schwarzes, glasig erstarrtes Mineralprodukt, der Obsidian, die sog. Glaslava, welche im Altertum gelegentlich wie Stein geschnitten und im alten Rom zu Spiegeln verwendet wurde. Alles von den Menschen benutzte Glas ist also ein Produkt menschlichen Erfindungsgeistes. Glas läßt sich zwar aus einfachen Naturstoffen wie Sand, Kalk und Soda durch Zusammenschmelzen erhalten, es bleibt aber doch erstaunlich, daß es schon vor 5500 Jahren gelang, ein solches Produkt, für welches die Natur kein Vorbild lieferte, herzustellen. Ägyptische Glasfunde reichen bis etwa 3500 v. Chr. zurück, die eigene Erzeugung der Ägypter scheint aber nicht viel vor 1600 v. Chr. begonnen zu haben. Wir nehmen jetzt als sicher an, daß die Glaserzeugung ihren Ursprung im Euphrat-Tigris-Gebiete hatte und von Babylonien (den Sumerern) aus ihren Ausgang genommen hat. Auf keinen Fall sind die Phönizier die Erfinder des Glases, ihre Lehrmeister waren die Ägypter. Kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung war die Stadt Alexandria das Zentrum einer großartig entwickelten Glasindustrie. Von hier kam die Glastechnik unter Augustus nach Rom. Inzwischen hatte eine bedeutsame Änderung auf dem Gebiete der Glasherstellung eingesetzt. Bis zu dieser Zeit waren alle erzeugten Gläser undurchsichtig, opak, getrübt und meist (absichtlich) gefärbt (hellblau, dunkelbau, rot, gelb) und das Glas fand, wie die Halbedelsteine Lapis lazuli, Türkis, Karneol für Schmuckzwecke Verwendung. Es gelang zwar auch schon, kleine kostbare Gefäße herzustellen, diese waren aber nicht geblasen, sondern mußten mühsam aus einzelnen Glasfäden über einem Tonkern aufgebaut werden. Hierin brachte die Erfindung der Glasmacherpfeife einen völligen Umschwung, denn jetzt wurde es möglich, auf einfache Weise durch Blasen Hohlgefäße für den täglichen Gebrauch herzustellen. Das führte zur Herstellung von farblosem, durchsichtigem Glase. Kisa nimmt an, daß in Rom die Glasmacherpfeife nicht vor dem Jahre 20 v. Chr. bekannt war. B. Neumann hat aber festgestellt, daß babylonische Gläser (Nippur) schon um 250 v. Chr. durch Blasen hergestellt worden sind.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1939

Authors and Affiliations

  • Bernhard Neumann
    • 1
  1. 1.Technischen Hochschule BreslauDeutschland

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